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Göttinger Entsorgungsbetriebe: Altkleider gegen frische Kartoffeln

2,8 Tonnen Alttextilien für die Wiederverwertung Göttinger Entsorgungsbetriebe: Altkleider gegen frische Kartoffeln

Zwei große Kartons voll bis zum Rand, dazu zwei prall gefüllte große Plastiktüten. Theresa Kaufhold muss mehrmals gehen, bis sie alle alten Hosen, Pullover und Stoffballen aus ihrem Kofferraum  auf die Waage legen kann. 38 Kilogramm Altkleider, das lohnt sich: Gleich nebenan drückt ihr jemand knapp 20 Kilo Kartoffeln als Belohnung in die Hand.

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Erst wird gewogen, dann belohnt: Direkt vom Lkw geben Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe regionale Kartoffeln an Altkleider-Lieferanten ab.

Quelle: Schubert

Göttingen. „Eine tolle Aktion“, sagt Kaufhold und schleppt ihre Papiertüten mit überwiegend festkochender Cilena zum Auto.

Der nächste wartet schon und stellt einen ganzen Sack voll mit Schuhen ab, „alle blitzblank geputzt“, versichert Peter Ohms.

Zum zweiten mal haben die Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB) am Mittwoch Kartoffeln gegen Alttextilien getauscht: Ein Pfund Erdäpfel aus dem nahen Großenrod für jedes Kilo Klamotten. Dafür musste Kaufhold nicht lange suchen. „Meine Mutter hat viel genäht und wir haben noch so viel Stoff im Haus“, erklärt sie.

„Wir nehmen alles, was auch in die Altkleidercontainer darf“

Und bei drei Kindern komme auch allerhand zusammen. „Eigentlich gebe ich alles,  was noch brauchbar ist an Freunde und Verwandte weiter“, sagt sie, aber irgendwann sei es selbst dafür zu alt. Da sei die GEB-Aktion gerade zur rechte Zeit gekommen, „um mal wieder einen Schwung los zu werden“.

„Wir nehmen alles, was auch in die Altkleidercontainer darf“, erklärt GEB-Sprecherin Maja Heindorf: Altkleider, Stoffe und Stoffreste, Heimtextilien, Schuhe, auch Federbetten und Decken – „es muss nur sauber und trocken sein“. Die Textilien würden von einem Spezialbetrieb verwertet.

„Wir wollen deutlich machen, dass auch Alttextilien einen Wert haben und nicht in den Müll gehören“, erklärt Heindorf die ungewöhnliche Tauschaktion, die schon im vergangenen Jahr überregional beachtet wurde. Viele Bürger hätten das noch nicht erkannt.

„Den ganzen Restkram der letzten 20 Jahre“

Folge: „Sehr viele Altkleider landen leider immer noch in den grauen Restmüll-Tonnen“, ergänzt ihr Kollege Horst Patzelt. Mit den Verkaufserlösen aus der Sonderaktion und den 150 Altkleidercontainern in der Stadt könnten auch noch die Müllgebühren stabil gehalten werden.

Während andere Kommunen privaten Sammlern das Feld überlassen, sammeln die städtischen Entsorgungsbetriebe schon lange Altkleider selbst ein – inzwischen etwa 500 Tonnen jährlich. Die Container lassen sich zwar täglich füllen, „aber irgendwie verschiebt man das dann noch immer wieder“, sagt Harald Jung.

Da sei der Hinweis im Tageblatt auf die Tauschaktion genau richtig gekommen, „um endlich auszumisten“. „Den ganzen Restkram der letzten 20 Jahre“ hat der 49-Jährige per Fahrrad zum Albaniplatz gebracht – „alles von mir, bunt gemischt“. Um die Kartoffeln geh es dabei aber gar nicht, sagt er.

„Ich finde es richtig gut, wenn die Sachen irgendwie doch noch gebraucht werden.“ 2,68 Tonnen Alttextilien kommen am Ende der Aktion zusammen. Im vergangenen Jahr waren es 3,3 Tonnen.

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