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Göttinger Feuerwehrmann aus Erdbebengebiet zurück

Helfer im Haiti-Einsatz Göttinger Feuerwehrmann aus Erdbebengebiet zurück

Amputationen auf der Wiese, Leichen am Wegesrand, Exekutionen auf offener Straße: Was Thomas Ziaja in der vergangenen Woche erlebt hat, ist kaum vorstellbar. Der Mann von der Göttinger Berufsfeuerwehr war für die USAR (Urban Search and Rescue) im Einsatz auf dem von einem Erdbeben zerstörten Haiti.

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Lastwagen gemietet: die USAR-Leute auf dem Weg in die Stadt.

Quelle: Ziaja

„Die Koordination der UNO hat null funktioniert“, kritisiert Ziaja. Eine Woche lang war er mit einem 17-köpfigen Team aus Deutschland in der Katastrophenregion. Abflug am Donnerstag ab Düsseldorf, die Air Berlin stellt Flüge in die Dominikanische Republik zur Verfügung. Von dort aus allerdings fliegt nicht wie vorgesehen die UNO sondern die US-Army die Helfer nach Port-au-Prince. „Wir wollten dann sofort helfen“, sagt Ziaja. Aber das ist nicht so einfach. „Es gab Helferteams, die hingen tagelang im Camp und konnten nicht raus. 2000 Helfer waren dort, maximal 300 davon draußen.“ Ziaja und sein Team mieten sich schließlich privat einen Lastwagen – und zahlen aus eigener Tasche 3000 Dollar. Soldaten stellt wiederum die US-Army.

Ohne Schutz für die Helfer geht in dem Teil der Stadt, wo die Deutschen helfen wollen, nichts. „Ich habe zwei Exekutionen auf offener Straße gesehen“, sagt Ziaja. Ein brasilianisches Helferteam, dass sich ohne bewaffnete Begleitung auf den Weg in diesen Teil der Stadt macht, wird erschossen. Offiziell heißt es, dass 150 000 Menschen auf Haiti ums Leben gekommen sind, Ziaja glaubt, dass es doppelt so viele sind. „Verwesungsgeruch lag überall über der Stadt.“

Zunächst sucht sein Team in den Trümmern der Stadt noch nach Überlebenden. Ein Fall wie der einer 69-jährigen Haitianerin, die noch nach sieben Tagen vom deutschen USAR-Suchhund „Pablo“ gefunden wird, ist selten. Deshalb entschließen sich Ziaja und seine Kollegen dort zu helfen, wo sie sofort gebraucht werden. „Medical Streetworking“, heißt das, was dann kommt. Medizinische Versorgung auf offener Straße.

„Ich habe Wunden mit dem Taschenmesser genäht“, erzählt der ausgebildete Rettungsassistent. Gemeinsam mit gut ausgerüsteten Ärzteteams aus Taiwan, Ungarn und England versorgen die Deutschen Todkranke, Knochenbrüche, Wunden, schwere Kopfverletzungen. An dem Platz der „Church Cathedral“ finden die Retter ein kleines Krankenhaus. Dort arbeitet ein einheimischer Arzt – für 200 Patienten. Die Hilfe der Europäer kommt wie gerufen. Rund um die kleine Klinik liegen die Patienten auf Tragen, auf dem Boden, auf notdürftigen Pritschen. Ziaja berichtet von „vielen Amputationen“. Beatmungsgeräte für eine Narkose und Sauerstoff gibt es nicht, eine lokale Betäubung muss oft reichen.

Ziaja sind die Strapazen der Tour noch anzusehen. Ein blaues Auge? „Das war ein Ast, der mich auf dem offenen Laster erwischt hat“, sagt er. Schon nach dem Erbeben 2005 in Pakistan war er für die USAR im Einsatz. Auch dieses Mal ging alles sehr schnell: Anruf am Donnerstag Mittag, am Abend Aufbruch. „Gut, dass mein Arbeitgeber, die Göttinger Berufsfeuerwehr, schnell zugestimmt hat.“
Informationen und das Spendenkonto der USAR gibt es im Internet unter www.erdbebenrettung.de.

Britta Bielefeld

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