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Göttinger Flüchtlingsrat bietet Seminar für Ehrenamtliche in der Asylarbeit

Asylrecht für Ehrenamtliche Göttinger Flüchtlingsrat bietet Seminar für Ehrenamtliche in der Asylarbeit

Über die Grundlagen des Asylrechts hat die Rechtsanwältin Claire Deery freiwillige Helfer im Neuen Rathaus in Göttingen informiert. Mit dem eintägigen Seminar sollten Ehrenamtliche in der Asylarbeit in die Lage versetzt werden, Fragen der Asylsuchenden zu ihren Rechten und Pflichten fachkundig zu beantworten.

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Claire Deery spricht über den langen Weg des Antragsverfahrens.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Schwerpunkte des vom Göttinger Integrationsrats angebotenen Seminars, dem Deery als beratendes Mitglied angehört, war unter anderem der Ablauf des Asylantragsverfahrens. Vor dem Verfahren erfolgt jedoch erst die Zuweisung der Asylsuchenden zu einem Bundesland, die unter anderem anhand des Königssteiner Schlüssels vorgenommen wird. Der sieht für jedes Bundesland eine vom Steueraufkommen und der Einwohnerzahl abhängige Aufnahmequote vor, Niedersachsen muss  in 2015 demnach rund 9 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen, die auf verschiedene Erstaufnahmeeinrichtungen verteilt werden.

Dann kann ein Asylantrag gestellt werden, der in einer Anhörung weiter geprüft wird. Danach werden die Menschen von der Erstaufnahme in Städte und Landkreise verteilt, bevor die abschließende Entscheidung fällt. „Im Koalitionsvertrag steht, innerhalb von drei Monaten. Das ist ein Idealfall, der nicht funktioniert“, so Deery. Der derzeitige Ansturm habe lange Verzögerungen im Antragsverfahren zur Folge. Oft vergingen viele Monate, bevor Flüchtlinge überhaupt einen Antrag stellen können. Auch auf die anschließende Anhörung müsse lange gewartet werden, wobei es je nach Herkunftsland beträchtliche Unterschiede in der Wartezeit gebe.

Für die Erstberatung ist dieses Wissen unentbehrlich. Aber ebenso wichtig sind Kenntnisse über Möglichkeiten der Gesundheitsversorgung oder der Möglichkeit, einer Arbeit nachzugehen. Dazu kommen noch viele Details, die Deery aus ihrem Berufsalltag kennt: „Viele Asylsuchende haben posttraumatische Belastungsstörungen. Die Betroffenen funktionieren auf den ersten Blick normal, zumindest, solange ein Auslöser sie nicht an ihr Trauma erinnert.“ Sie selbst habe schon stark verängstigte Kinder erlebt, die durch das Geräusch eines Hubschraubers in den Krieg ihrer Heimat zurückversetzt wurden.

Viele Flüchtlinge werden durch die Dublin-III-Verordnung vor weitere Probleme gestellt. Die Verordnung sieht vor, dass Flüchtlinge in dem Land um Asyl bitten müssen, in dem sie die Europäische Union zum ersten Mal betreten haben. Die Folge sind zahlreiche Abschiebungen, die Staaten an der EU-Außengrenze wie Italien und Griechenland zunehmend überfordern. Auch wenn es manchmal schwer falle, rät Deery Flüchtlingen zu Ehrlichkeit über den Reiseweg. „Der Bundesrepublik ist doch klar, dass die Leute nicht vom Himmel fallen.“ Zudem könne die Einreise durch Fingerabdrücke ohnehin nachvollzogen werden.

jro

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