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Göttinger Freifunker bieten Flüchtlingen kostenlosen Internet-Zugang

Hoffnung in der Breslauer Straße Göttinger Freifunker bieten Flüchtlingen kostenlosen Internet-Zugang

Hope. Hoffnung haben die Göttinger Freifunk-Aktivisten den Wlan-Router genannt. Seit dieser Woche gehen Flüchtlinge in ihrer Unterkunft in der Breslauer Straße darüber kostenlos, nicht überwacht und anonym ins Internet.

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Über den kostenlosen Freifunk-Internetzugang können die Flüchtlinge aus der Breslauer Straße mit ihren Familien in Kontakt bleiben.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Die drei Sudanesen Mohammed Mekki, Johannes Pau, Jamal Mohammed und ihre Mitbewohner nutzen mit ihren Smartphones das Angebot des Göttinger Freifunknetz ausgiebig.

„Das funktioniert sehr gut“, sagt Mekki. Über den kostenlosen Internetzugang durch den Freifunk-Router könne er mit seiner Familie in Kontakt bleiben. Ohne, dass dafür, wie zuvor, hohe Kosten durch teure Handy-Handy anfallen. „Das Telefonieren ist sehr teuer“, pflichtet ihm Pau bei. Er und Mohammed nutzten den neuen freien Internetzugang auch, um ihr Deutsch zu verbessern. „Wir schauen uns dazu deutsche Filme auf Youtube an“, sagt Mohammed. Die Möglichkeit ins Internet zu gehen, gab es für die Flüchtlinge bislang nicht. „Das ist versäumt worden“, sagt Verwaltungssprecherin Stefanie Ahlborn.

Um hier Abhilfe zu schaffen seien die Freifunker vom Göttinger Integrationsrat angesprochen worden, erläutert Krischan Jodies vom Chaos Computer Club. Mit Gerd Bode, Frank Richardt und der Hilfe eines „netten Nachbarn“ sei der Router so installiert worden, dass die Flüchtlinge ihn nutzen können. Diese Form der Nachbarschaftshilfe sei der Grundgedanke der hinter der Freifunk-Initiative steht.

Die Stadtverwaltung sieht derzeit davon ab, in den bereits bestehenden und den geplanten Flüchtlingsunterkünften freie und kostenlose Internetzugänge zur Verfügung zu stellen. Das Problem sei die Störerhaftung, erklärt Ahlborn. Würden über den bereitgestellten Zugang Straftaten begangen, wäre die Stadt in der Verantwortung.

Daher werde es auch keinen Wlan-Hotspot im Flüchtlingswohnheim auf den Zietenterrassen geben. Dieser Punkt, „Ein WLAN-Hotspot wird für das Flüchtlingswohnheim eingerichtet“, sei aus den Leistungsbeschreibungen, die die künftigen Betreiber zu erfüllen haben, wieder gestrichen worden, sagt Ahlborn. Der niedersächsische Flüchtlingsrat hatte in seiner Bewertung des Konzeptes die Einrichtung eines WLAN-Hotspots als „positiv bewertet“. Personen im Asylverfahren hätten die Notwendigkeit und das Recht, sich über ihre Belange zu informieren und ein gesteigertes Bedürfnis mit Familienangehörigen in Kontakt zu treten, hieß es darin.

Unterdessen laufen bei den Freifunkern die Vorbereitungen, die geplanten Wohnheime auf den Zietenterrassen und im ehemaligen IWF am Nonnenstieg, über Freifunk zu versorgen. „Wir suchen noch Nachbarn, bei denen ein Router aufgestellt werden kann“, sagt Jodies. Wer helfen will, könne sich an die Freifunk-Initiative (E-Mail: freifunk201502@cccgoe.de) wenden. Auch für den Standort Breslauer Straße. Hier solle nun das Netz schneller und stabiler gemacht werden, sagt Richardt.

Mehr Infos über Freifunk: freifunk-goettingen.de

Eine Karte mit allen Freifunknetzen in Göttingen: cccgoe.de

Die Freifunk-Idee

In Göttingen wächst seit rund drei Monaten das Freifunk-Netz. Inzwischen sind täglich mehr als 220 Router online, die das Netz goettingen.freifunk.net bilden.

Die Freifunk-Idee: Über Router werden freie, dezentrale Computernetzwerke zu erstellen, die nicht von kommerziellen Anbietern, sondern von Privatpersonen, Vereinen oder ähnlichen Organisationen angeboten werden. Der positive Nebeneffekt: Das Freifunk-Netz bietet über die Bandbreite des Routers freien drahtlosen Internetzugang, den jeder ohne Anmeldung und kostenlos nutzen kann. Gleichzeitig bietet er Anonymität und Überwachungsfreiheit.

Ein normaler DSL-Anschluss und ein bis zwei einfache, handelsübliche Router reichen aus, um ein großes Haus und die Straße davor mit freiem WLAN zu versorgen. Mit einer speziellen, kostenlosen Software, die auf den Routern installiert werden muss, fügt sich das Gerät in das Freifunknetz ein. Der Nutzer bestimmt, wie viel Bandbreite seines Internetvolumens er für das freie WLAN zur Verfügung stellt. So entsteht zwar kein High-Performance-Netz dafür aber eines das anonym, nicht überwacht und kostenlos ist.

Rechtlich sehen die Freifunker keine Bedenken: Der Datenverkehr des Freifunk-Netzes werde sicher zum Berliner Förderverein Freie Netzwerke zum Freifunk Rheinland „getunnelt“. Erst von dort gehe der Datenverkehr ins Internet und zurück. Sollte es doch einmal zu Abmahnungen kommen, übernähmen die Vereine den „Stress“.

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