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"Ehrung auch als ein Appell an uns alle"

Göttinger Friedenspreis verliehen "Ehrung auch als ein Appell an uns alle"

In einer Feierstunde in der Aula der Universität ist am Sonnabend der 18. Göttinger Friedenspreis der Stiftung Dr. Roland Röhl verliehen worden. Die Göttinger Theatermacher von "Boat People Projekt" und das Ehepaar Birgit und Horst Lohmeyer aus dem als Neonazidorf bekannten Jamel in Mecklenburg sind die Preisträger.

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Die Göttinger Theatermacher von "Boat People Projekt" und das Ehepaar Birgit und Horst Lohmeyer gewannen die Auszeichnung. 

Quelle: EF

Göttingen.

Von Beginn an in Gedanken mit dabei war eine, die nicht dabei sein durfte: Anita Osmani, eine in Göttingen geborene junge Roma, die seit 2012 im Preisträger-Projekt als Schauspielerin mitwirkte und die mit ihrer Familie untergetaucht ist, ehe sie alle abgeschoben werden konnten.

Spendenkonto

Wer den Stiftungszweck fördern möchte, kann eine Spende oder Zustiftung auf das Konto Stiftung Dr. Roland Röhl, IBAN: DE24 2605 0001 0104 8740 11, bei der Sparkasse Göttingen unter Angabe des Verwendungszwecks einzahlen.

Schon in seinen Grußworten hatte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler die Auswahl der Jury für das hiesige soziale Projekt mit Flüchtlingen gelobt und erntete darauf den Zwischenruf "…und werden dann abgeschoben". Am Ende zeigten die Boat People Ausschnitte ihres Programms. Ein Lied, gesungen für Anita und endend mit "wir vermissen Dich!" erntete stürmischen Applaus.

Dazwischen lagen viel Lob für die Preisträger, eine nachdenkliche Laudatio von Thomas Gebauer über den Zustand unserer Gesellschaft und dessen Aufruf: "Betrachten wir die Ehrung auch als ein Appell an uns alle!" Denn Gebauer hatte sich mit dem Heimat-Begriff auseinandergesetzt - mit den einen, die Heimat mit dem Gehabten verbinden und dieses bedroht sehen, aber auch mit den anderen, die als Geflüchtete vielleicht keine neue Heimat, aber ein Zuhause finden.

So hatte es zuvor Carmen Barann bereits gesagt. Gebauer konstatierte eine "große gesellschaftliche Zerrissenheit". Da komme eine "unglaubliche Zivilcourage zutage", wenn Menschen wie das Ehepaar Lohmeyer den Nazis widerstehen und sich in ihrem Kampf für Toleranz und Demokratie auch noch als "Gutmenschen" verspotten lassen. Dieses Wort trug Birgit Lohmeyer zur Preisverleihung stolz auf der Brust.

Dabei, so Wolfgang Vogt bei der Preisübergabe, sei selbst in dieser Zeit, in der "sich alles in einem Konfliktknäuel zusammendreht", die Orientierung ganz einfach: das Grundgesetz, Artikel eins, "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Und Carmen Barann von der Röhl-Stiftung zitierte: "Ein Freund ist ein Fremder, den man nur noch nicht kennt."

Unter diesem Motto sei das Boat People Projekt seit 2009 Ansprechpartner und Vertrauter für junge Menschen geworden und habe sich mit den Mitteln der Kunst der Sorgen und Nöte geflüchteter Menschen angenommen. Als "richtungsweisende Pionierarbeit" hat die Jury das Projekt bezeichnet, als "Projektionsfläche zur Verarbeitung traumatischer Erlebnisse" und schließlich als "intelligente Verknüpfung von Herz und Hirn" und "bedeutsamen Beitrag zu einer Kultur gelungener Integration". Dafür gab es den Friedenspreis 2016.

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