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Göttinger Gericht verurteilt Helfer

Betrugsserie mit Verkehrsunfällen Göttinger Gericht verurteilt Helfer

Ermittler der Polizei Göttingen sind einer groß anlegten Betrugsserie mit getürkten Verkehrsunfällen auf die Spur gekommen. Drahtzieher der mutmaßlichen Betrügerbande soll ein vielfach vorbestrafter 62-jähriger Mann aus der Nähe von Duderstadt sein.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Dieser hatte bereits Anfang der 1990er-Jahre wegen Bandendiebstählen und Drogenhandels eine mehrjährige Haftstrafe erhalten. In dem neuen Verfahren hat ihn die Staatsanwaltschaft Göttingen wegen 15 Fällen des gewerbsmäßigen Betruges angeklagt.

Geldstrafen wegen Betrug

Der 62-Jährige soll mit Helfern Versicherungen um mehrere Hunderttausend Euro betrogen haben. Zwei von ihnen mussten sich am Freitag vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten. Das Gericht verurteilte die Angeklagten wegen Betruges zu Geldstrafen von 10 000 beziehungsweise 3300 Euro.

Die Polizei war durch eine Anzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche auf die offenbar bandenmäßig organisierte Betrugsserie gestoßen. Bei der Durchsuchung eines Bankschließfachs des 62-Jährigen sei man auf zahlreiche Fahrzeugbriefe, Autoschlüssel und 200.000 Euro Bargeld gestoßen, berichtete einer der Ermittler. Bei der Auswertung der Dokumente habe man festgestellt, dass zahlreiche Fahrzeuge in Unfälle verwickelt gewesen waren.

In vielen Fällen trat eine Göttinger Firma als Käufer der Fahrzeuge auf. Hinter dieser steckte nach den Erkenntnissen der Ermittler ein Bekannter des 62-Jährigen, mit dem dieser sich einst die Gefängniszelle geteilt hatte. Die Fahrzeuge seien jeweils in bar gezahlt und von dem 62-Jährigen abgeholt worden, berichtete der Polizist.

Betrogen mit "Scheinhaltern"

Um nicht selbst in Erscheinung zu treten, habe der 62-Jährige andere Personen als „Scheinhalter“ eingesetzt. Diese hätten nach den getürkten Unfällen gegenüber den Versicherungen ihre vermeintlichen Schadensersatzansprüche geltend gemacht. Tatsächlich sei der 62-Jährige der Besitzer der Autos gewesen.

Die beiden Angeklagten, ein 67-jähriger einschlägig vorbestrafter Rentner aus Göttingen und ein 40-jähriger Tankstellenpächter aus Magdeburg, sollen bei einem Versicherungsbetrug mitgeholfen haben. Die Angeklagten bestritten die Betrugsvorwürfe, der 62-Jährige sei ihnen gar nicht bekannt.

Die Verteidiger plädierten auf Freispruch. Das Gericht sah jedoch einen geschlossenen „Indizienring“, und das nicht nur, weil der Kfz-Brief und der Zweitschlüssel vom Pkw des 40-Jährigen in dem Schließfach lagerten. Die beiden Angeklagten seien “kleine Zahnräder in einem Riesenbetrugskomplex“ gewesen seien, meinte Richter Ehsan Kangarani. Mit dem Hauptkomplex wird sich demnächst das Landgericht Göttingen beschäftigen.

Von Heidi Niemann

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