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Prozess gegen mutmaßlichen Stalker

Kein Versuchter Mord Prozess gegen mutmaßlichen Stalker

Im Prozess um die gewalttätigen Stalking-Attacken eines 30-jährigen Mannes aus Göttingen hat das Landgericht Göttingen jetzt signalisiert, dass der Angeklagte voraussichtlich mit einer Bewährungsstrafe rechnen kann.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Die Kammer sei nach der bisherigen Beweisaufnahme überzeugt, dass der 30-Jährige Anfang November 2015 einen fast zehn Kilo schweren Stein von einer 3,50 Meter hohen Böschung auf einen Parkplatz heruntergeworfen hatte. In einer vorläufigen rechtlichen Würdigung komme man zu dem Ergebnis, dass entgegen dem ursprünglichen Anklagevorwurf kein bedingter Tötungsvorsatz vorliege, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Günther.

Tötungsabsicht nicht nachweisbar

Der schwere Betonstein war damals neben dem Pkw der Ex-Freundin des Angeklagten gelandet, die dort gerade eingeparkt hatte. Das Wurfgeschoss hatte nur knapp eine Kollegin der 27-Jährigen verfehlt. Nach Ansicht des Gerichts ist nicht nachweisbar, dass der 30-Jährige seine Ex-Freundin töten wollte. Die Tat sei voraussichtlich auch nicht als versuchte Körperverletzung zu werten, sagte Günther. Da der Angeklagte keine Vorstrafen habe, sei eine Freiheitsstrafe unter zwei Jahren vertretbar, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnte.

Die Staatsanwaltschaft hat den 30-Jährigen unter anderem wegen versuchten Mordes angeklagt. Der Angeklagte habe seine Ex-Freundin töten wollen, weil diese sich von ihm getrennt hatte und eine neue Beziehung eingegangen war. Er sei der Ansicht gewesen, dass ihr ein Leben außerhalb der Beziehung zu ihm nicht zustehe. Die 27-Jährige hatte ihn bereits vor dem Steinwurf angezeigt, weil er sie wiederholt massiv bedrängt, verfolgt und bedroht haben soll.

Sieben Monate Untersuchungshaft

Er muss sich deshalb auch wegen diverser anderer Delikte verantworten, unter anderem wegen Freiheitsberaubung, Bedrohung, versuchter Nötigung, Urkundenfälschung, falscher Verdächtigungen sowie Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft ließ jetzt durchblicken, dass auch nach ihrer Einschätzung kein versuchter Mord vorliege und eine Bewährungsstrafe in Betracht komme.  

Der 30-Jährige war kurz nach der Tat auf einer Baustelle in Hann.  Münden festgenommen worden und hatte danach sieben Monate in Untersuchungshaft gesessen. Anfang Juni kam er gegen Auflagen wieder auf freien Fuß. Bislang hat er keine Angaben zur Sache gemacht. Der Prozess wird am Freitag, 12. August, fortgesetzt.

Von Heidi Niemann

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