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Göttinger Gertrud und Ernst Golla feiern Gnadenhochzeit

„Es hat uns an nichts gefehlt“ Göttinger Gertrud und Ernst Golla feiern Gnadenhochzeit

Seit 70 Jahren sind sie ein Paar: Am 24. Dezember 1944 gaben sich Gertrud und Ernst Golla das Ja-Wort beim Standesamt, das Wort, dass sie auf Lebenszeit bindet. In der Kirche haben sie ihr Versprechen am Zweiten Weihnachtsfeiertag 1944 wiederholt. In diesem Jahr feiern sie Weihnachten ihre Gnadenhochzeit.

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„Wir möchten noch ein paar Jahre machen“: Gertrud und Ernst Golla sind seit 70 Jahren verheiratet.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. „Wir kommen aus demselben Ort“, erzählt Ernst Golla. Beide stammen aus Wilkau in Niederschlesien. Sie wurde in der Landwirtschaft groß und wollte keinen Bauern heiraten.

Er lernte Bau- und Kunstschlosser und war bei der Wehrmacht. Als Soldat war er im Urlaub zu Hause, da sei sie ihm gleich aufgefallen. Schnell habe er „Nägel mit Köpfen“ gemacht. Den Stoff für das Brautkleid konnte er trotz des Krieges organisieren. Seine Schwiegereltern betrieben einen Bauernhof. „Es hat uns an nichts gefehlt“, erzählt Ernst Golla von der Hochzeit.

Danach fehlte beiden eine Zeit lang der Partner. Das Kriegsende erlebte er als Flieger  in Dänemark. Sie musste aus Schlesien fliehen und einen Stopp in Tschechien einlegen. Er landete in Bad Sachsa in der Landwirtschaft, sie machte Station im Raum Bitterfeld.

Von dort habe er sie mitnehmen können. „Nicht offiziell“, merkt er dazu an. Er bekam Arbeit  bei Wiese Kältetechnik. Fünf Jahre nach der Hochzeit kam das erste Kind, eine Tochter, noch vier Jahre später dann den Sohn. Sieben Enkel haben sie inzwischen, „nur ein Mädchen war darunter.“ Drei Urenkel bereichern das Familienleben. Zum 70. Hochzeitstag kommen sie alle.

„Wir möchten ja gern noch ein paar Jahre machen“

Bis heute lobt Ernst Golla an seiner heute 92 Jahre alten Ehefrau insbesondere ihre hauswirtschaftlichen Talente. Regelmäßig seien sie in den Urlaub gefahren, nach Büsum, Föhr oder nach Borkum. Zuhause seien sie oft gewandert. Wenn es Streit gab, war ein paar Tage Sendepause. Aber „dann hat es immer wieder funktioniert“. Viel hätten sie gemeinsam erlebt. Immer sei alles gut gegangen.

Zum Ehejubiläum bekamen sie schon einen Präsentkorb von einem Skatkumpel, der prangt in ihrem Zimmer auf der Fensterbank. Denn Ernst Golla spielt mit Leidenschaft Skat und geht regelmäßig zu Kartenabenden. Danach komme er oft mit einer Mettwurst in die Göttinger Pro Seniore Residenz im Friedländer Weg zurück. Dort lebt das Paar seit etwa drei Jahren.

Ihren Hochzeitstag, den 24. Dezember, verleben sie beim Sohn. Während eines Gottesdienstes in der Christuskirche gedenken sie ihrer kirchlichen Hochzeit. In der Großfamilie gehen sie essen und trinken anschließend zusammen Kaffee. „Wir möchten ja gern noch ein paar Jahre machen“, sagt der 98-jährige Jubilar.

Von Ute Lawrenz

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