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Göttinger Gruppe: Finanzamt fordert Millionen

Eines der größten deutschen Insolvenzverfahren Göttinger Gruppe: Finanzamt fordert Millionen

Es ist eins der größten deutschen Insolvenzverfahren – und es wächst täglich. Mehr als 6000 Schadensersatzklagen gegen Verantwortliche der Göttinger Gruppe und der Securenta AG sind beim Landgericht Göttingen anhängig. Weitere 1000 Klagen gehen in diesen Tagen in Göttingen ein.

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Prozessakten bis zum Horizont: Allein In Göttingen gibt es mehr als 7000 Klagen rund um die Göttinger Gruppe. Bundesweit werden es noch einmal so viele.

Quelle: Hinzmann

Göttingen/Berlin. Und vermutlich noch einmal so viele Klagen, mit denen der Insolvenzverwalter von Anlegern oder anderen Geschäftspartnern der zahlungsunfähigen Gesellschaft die Rücküberweisung von Summen verlangt, die in den Jahren vor der Insolvenzanmeldung ausgezahlt wurden, sind inzwischen bei Gerichten in ganz Deutschland anhängig.

Neues Streitpotenzial

Doch die mutmaßlich größte Welle Streitpotenzial bahnt sich erst an: Das Finanzamt Göttingen hat soeben Betriebsprüfungen für die letzten 20 Jahre der Göttinger Gruppe abgeschlossen und zieht jetzt die Konsequenzen. Rund 250 000 Anleger müssen mit neuen Steuerbescheiden rechnen. Aus 20 Geschäftsjahren ergeben sich mehr als eine Million geänderte Steuerbescheide für die Opfer der Insolvenz. Die ersten 180 000 Bescheide, mutmaßlich überwiegend mit Rückforderungen des Finanzamtes, sind nach Angaben von Insidern bereits verschickt worden. Auskunft zu dieser Zahl sowie zur Höhe der Steuernachforderungen geben Finanzamt Göttingen und Oberfinanzdirektion mit Verweis auf das Steuergeheimnis nicht.

Rolf Rattunde, der Insolvenzverwalter, teilt aber auf Anfrage mit: „Bekanntlich wird jeder stille Gesellschafter als Beteiligter der Securenta AG geführt. Deshalb führt jede Steuerfestsetzung gegen die Securenta automatisch zu einer Festsetzung gegen Anleger.“

Rattunde hat auf Tageblatt-Anfrage jetzt auch erstmals die genaue Anzahl der Gläubiger sowie die Forderungssumme benannt: 37 600 Gläubiger – darin sind Anteilseigner nicht enthalten – haben 826 Millionen Euro Insolvenzforderungen angemeldet. Der Insolvenzverwalter hält die Summe der Forderungen allerdings für „unrealistisch hoch“, weil sie Doppelanmeldungen und Schätzungen enthalten könnte.

Bei den Anlegern, die ihr Geld verloren haben und nun auch noch ihre steuerlichen Vorteile früherer Jahre verlieren, hat vor allem die Anfechtung von Ausschüttungen oder schon ausgezahlter Vergleichssummen für Ärger gesorgt. Viele Anleger hatten in der Schlussphase des Pleiteunternehmens versucht, durch Klagen oder Vergleiche ihre Einlagen heraus zu bekommen. Teils wurde gar mit Insolvenzanträgen Druck gemacht, ehe die Göttinger Gruppe rechtskräftige Titel bezahlte. Wem gelungen ist, noch Geld zu ergattern, der muss dies jetzt an den Insolvenzverwalter zurückzahlen. Denn der ist gesetzlich verpflichtet, anfechtbare Zahlungen des Unternehmens an einzelne Gläubiger zurückzufordern – und das aus den letzten zehn Jahren vor der Insolvenz. Sind diese Anfechtungen erfolgreich, profitieren am Ende alle Gläubiger durch eine bessere Insolvenzquote.  

Summe der Rückforderungen

Rattunde betont, dass das Anfechtungsvolumen, also die Summe der Rückforderungen, gegenüber Nicht-Anlegern größer sei als gegen Anleger. Er betont auch, dass er bei der Gläubigerversammlung keine Zusage gegeben habe, auf diese Anfechtungen zu verzichten – das dürfe er gar nicht. Einen Versuch, von den Anlegern weitere Einzahlungen zum Ausgleich der Unternehmensschulden zu verlangen, werde es aber nicht geben. Dafür gebe es keine Rechtsgrundlage.

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