Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
OLG weist Berufung gegen Göttinger Urteile zurück

Weitere Niederlage für Anleger der „Göttinger Gruppe“ OLG weist Berufung gegen Göttinger Urteile zurück

Die Klagewelle gegen Wirtschaftsprüfer der insolventen „Göttinger Gruppe“ erweist sich als weiteres Verlustgeschäft. Das Oberlandesgericht Braunschweig (OLG) hat jetzt 87 Berufungen gegen Urteile des Landgerichts Göttingen als offensichtlich unbegründet zurückgewiesen.

Voriger Artikel
Mediziner übernimmt Niederlassung in Adelebsen
Nächster Artikel
Politik kritisiert Verkaufsexposé

Bauruine der „Göttinger Gruppe“ auf der Siekhöhe

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen/Braunschweig. Die Klagewelle gegen Wirtschaftsprüfer des insolventen Finanzkonzerns „Göttinger Gruppe“ erweist sich für immer mehr Anleger als weiteres Verlustgeschäft. Das Oberlandesgericht Braunschweig (OLG) hat jetzt 87 Berufungen gegen Urteile des Landgerichts Göttingen als offensichtlich unbegründet zurückgewiesen. Das OLG habe die Auffassung der Göttinger Richter bestätigt, dass etwaige Schadensersatzansprüche verjährt seien, teilte ein Gerichtssprecher am Montag mit.

Insgesamt 4500 Anleger des vor zehn Jahren pleite gegangenen Finanzkonzerns haben beim Landgericht Göttingen Schadensersatzklagen gegen Wirtschaftsprüfer der „Göttinger Gruppe“ erhoben. Nach Ansicht der Kläger treffe

die Wirtschaftsprüfer eine Mitschuld an der Unterstützung eines gescheiterten Anlagesystems, sagte ein Justizsprecher. Sämtliche Kläger werden von einer Anwaltskanzlei in Jena vertreten. Für die Jenaer Kanzlei sind die Klagen ein einträgliches Geschäft, für die Mandanten waren sie bislang nur mit Kosten verbunden: Nach Angaben eines Justizsprechers hat das Landgericht Göttingen in allen bislang entschiedenen Fällen – insgesamt sind es inzwischen mehr als 700 – die Klagen abgewiesen.

Bislang haben 340 Anleger gegen diese Urteile des Landgerichts Berufung eingelegt, in drei Fällen wurde die Berufung inzwischen zurückgenommen. Bereits vor einigen Monaten hatte der zuständige Senat des OLG Braunschweig einem Sprecher zufolge mehrfach den Hinweis erteilt, dass er beabsichtige, die Berufung zurückzuweisen. Zahlreiche Kläger fochten trotzdem weiter. 87 von ihnen erlitten nun die nächste – absehbare - Niederlage.

78 Anleger sind endgültig mit ihren Klagen gescheitert

Nach Ansicht des OLG wurden die Klagen zu spät erhoben, deshalb seien etwaige Ansprüche verjährt. Ein zuvor von einer Gütestelle betriebenes außergerichtliches Verfahren habe den Ablauf der Verjährung nicht gehemmt. Soll die Verjährung durch einen Antrag bei einer Gütestelle gehemmt werden, müsse darin hinreichend beschrieben werden, um was es geht und was angestrebt wird. Nur so könne der Gegner entscheiden, ob er sich auf ein Güteverfahren einlassen möchte. So müsse beispielsweise die Größenordnung des geltend gemachten Anspruchs zu erkennen sein. Außerdem sei anzugeben, ob das eingebrachte Beteiligungskapital fremdfinanziert sei. Auch etwaige weitere Schadenspositionen wie zum Beispiel ein beanspruchter entgangener Gewinn müssten zumindest bestimmbar sein. Diesen Anforderungen hätten die Kläger mit ihren außergerichtlichen Güteanträgen nicht genügt.

78 Anleger sind endgültig mit ihren Klagen gescheitert, das OLG Braunschweig hat in ihren Fällen keine Revision gegen die Zurückweisung der Berufung zugelassen. Nur in neun Fällen haben die Anleger wegen des erheblichen Streitwerts die Möglichkeit, Beschwerde gegen die Nichtzulassung beim Bundesgerichtshof einzulegen. Nach Angaben eines Sprechers besteht diese Möglichkeit in den Fällen, wo der Streitwert mehr als 20.000 Euro beträgt.

Online-Dossier

Alle Beiträge des Göttinger Tageblatts zur „Göttinger Gruppe“ finden Sie auf unserer Themenseite unter gturl.de/GöttingerGruppe.

Von Heidi Niemann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Die Bilder der Woche vom 4. bis 10. November 2017