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Göttinger Gruppe: Securenta-Pleite wird mit Bewährungsstrafe enden

Geständnisse Göttinger Gruppe: Securenta-Pleite wird mit Bewährungsstrafe enden

Mit milden Bewährungsstrafen wird wohl mehr als acht Jahre nach der Pleite der Securenta AG und ihrer Muttergesellschaft Göttinger Gruppe die strafrechtliche Aufarbeitung der Milliarden-Insolvenz enden. Vor dem Landgericht Göttingen haben die beiden letzten Vorstandsmitglieder am Montag Geständnisse abgelegt. Untreue und Insolvenzverschleppung wird ihnen vorgeworfen.

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Mit milden Bewährungsstrafen wird wohl mehr als acht Jahre nach der Pleite der Securente AG und ihrer Muttergesellschaft Göttinger Gruppe die strafrechtliche Aufarbeitung der Milliarden-Insolvenz enden.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Angeklagt sind vor einer Wirtschaftsstrafkammer die beiden Volljuristen Hans-Jürgen Rinnewitz (62) und Marina Götz (55).

Beide haben sich laut Anklage als Vorstände der Securenta AG und Geschäftsführer der Göttinger Gruppe der Untreue in zusammen 131 Fällen sowie der um gut eineinhalb Jahre verschleppten Anmeldung der Zahlungsunfähigkeit der Unternehmensgruppe schuldig gemacht.

Einer von Verteidigern, Staatsanwaltschaft und Gericht verhandelten verfahrendbeschleunigenden Absprache folgte am Montag die Ankündigung der Richter, dass für den Fall eines Geständnisses Rinnewitz eine Strafe von maximal 24 und Götz von maximal 21 Monaten Freiheitsentzug zu erwarten haben. Für beide stellte das Gericht eine Aussetzung der Strafe zur Bewähung in Aussicht.

Danach erfolgten Geständnisse, in denen die Verteidiger die Schuld ihrer Mandanten aber jeweils relativierten. Rinnewitz gab zu, dass die Liquidität der Gruppe schon 2005 "äußerst angespannt" gewesen sei. 50 Insolvenzanträge von Gläubigern für die Securenta und 20 weitere für die Gruppe hätten jeweils durch Zahlungen noch abgewiesen werden können.

Tatsächlich sei Ende 2005 ein Darlehen über 5,5 Millionen Euro fällig geworden. Die liquiden Mittel hätten nur noch 626 000 Euro betragen. Es habe lediglich "eine gewisse Hoffnung" auf Besserung in den nächsten Jahren gegeben. Dennoch sei der Insolvenzantag erst im Juni 2007 gestellt worden. Da hatte das Amtsgericht Göttingen ein Insolvenzverfahren auf Fremdantrag bereits eröffnet.

Rinnewitz räumte auch ein, in 117 Fällen mit EC- oder Kreditkarte jeweils 500 Euro von Firmenkonten abgehoben und privat verbraucht zu haben. Damit wurden fast 59 000 Euro unberechtigt abgehoben. Bei Marina Götz waren es 14 solcher Abhebungen in der Höhe von 6630 Euro. Das räumte auch sie ein.

Als Grund gaben beide an, dass das Unternehmen seit Dezember 2005 nicht einmal mehr die Gehälter ihrer beiden Spitzenmitarbeiter (monatlich je 10 653 Euro) habe zahlen können. Beide fühlten sich laut ihrer Einlassung zu den Abhebungen berechtigt, weil diese mit ihren Gehaltsforderungen gegenüber dem Unternehmen  hätten verrechnet werden können.

Unter den als Untreue angeklagten Zahlungen aus der Firmenkasse ist auch eine für einen Luxus-Urlaub der Ehefrau von Rinnewitz in einem Hotel in Heidelberg.

Das große Hoffnungs-Projekt, das die Göttinger Gruppe hatte retten sollen, führte zum dritten und gewichtigsten Anklagepunkt: 200 000 Euro sollen beide Angeklagten veruntreut haben, als sie noch im Februar 2007, als die Gruppe längst zahlungsunfähig war, die Vermarktungsrechte für ein innovatives Handy kauften.

Die Summe hatte Götz vom Firmenkonto abgehoben und Rinnewitz bar dem Patentinhaber eines neuarigen Wellness-Handys übergeben. Binnen weniger Monate sollten 12 Millionen Euro für die Neugründung einer Handy-Firma aufgetrieben werden. Laut Businessplan versprach sich der Vorstand einen Umsatz von 406 Millionen Euro und einen Plangewinn von 188 Millionen binnen vier Jahren von dem angeblich revolutionären Handy. Tatsächlich, so die Anklage, gab es keine Versuche, es herzustellen und zu vertreiben.

In ihren Geständnissen listen die Angeklagten jedoch etliche Investoren auf, die angesprochen worden seien. Allerdings liegen alle diese Versuche nach dem Juni 2007 - als die Gruppe längst unter Zwangsverwaltung stand.

Das Gericht wird riesige Mengen Beweisunterlagen im Selbstleseverfahren in den Prozess einbringen. Bei der Firmenpleite, einer der größten der deutschen Nachkriegsgeschichte, hatten im Juni 2007 rund 200 000 Anleger mit der Göttinger Gruppe mehr als eine Milliarde Euro Firmenanteile verloren. Fortgesetzt wird die Hauptverhandlung am 13 November.

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