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Heilsarmee kämpft an mehreren Fronten

Finanzielle Probleme Heilsarmee kämpft an mehreren Fronten

Die Göttinger Heilsarmee hat finanzielle Probleme. Im Moment sichert die Unterbringung von Flüchtlingen das Fortbestehen des Wohn- und Übernachtungsheims. Danach „würde ein wichtiges soziales Angebot der Stadt wegfallen“, befürchtet der Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU) am Montag bei seinem Besuch der Einrichtung.

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Quelle: Harald Wenzel

Göttingen. Bei der Heilsarmee in der Unteren-Masch-Straße leben außer acht jugendlichen Flüchtlingen elf ältere Obdachlose. Viele der ständigen Bewohner seien alkoholabhängig, doch getrunken werden darf in der Einrichtung nicht. Die Heilsarmee will den Wohnungslosen Struktur vermitteln und Halt geben.

Es mangelt nicht an Nachfrage: „Wir haben genug Leute vor der Tür stehen, die dann nicht rein können“, sagt Esther Gulde, die zusammen mit ihrem Mann Klaus die Einrichtung leitet. Platz genug wäre da, doch meistens fehlt der notwendige Übernachtungsschein.

Das Wohn- und Übernachtungsheim ist für die meisten Obdachlosen eine dauerhafte Bleibe, bietet aber auch mit fünf Notbetten Unterkünfte für durchreisende Obdachlose oder für Personen, die nachts von der Polizei aufgegriffen werden. Die Kosten für den Aufenthalt bei der Heilsarmee trägt die Kommune, wenn sie diese bewilligt. Weil sich die Einrichtung selbst tragen müsse, müsse sie zumindest zu dreiviertel ausgelastet sein.

Info

Göttingen. Das Wohn- und Übernachtungsheim in der Unteren-Masch-Straße 13b gibt es seit 1971. Es kann gleichzeitig 20 Personen aufnehmen. Zur Zeit wohnen dort elf Dauerbewohner und acht unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die ersten Flüchtlinge zogen im September 2015 ein.

Eine Übernachtung kostet 48,60 Euro. Die Bewohner bekommen die Wäsche gewaschen und erhalten täglich drei Mahlzeiten, die vor Ort zubereitet werden. Die Heilsarmee ist eine der wenigen Einrichtungen in der noch selbst gekocht wird.

Sie beliefert außerdem einmal wöchentlich die Straßensozialarbeit mit Essen, ebenso die Häftlinge in den Göttinger Polizeidienststellen. Damit die Einrichtung der Heilsarmee, die zur evangelischen Freikirche gehört, finanziell bestehen kann, müssen durchgehend etwa 15 der 20 Betten belegt sein. phv

Die Kosten für die Unterbringung bei der Heilsarmee würden oft nicht übernommen, weil andere Einrichtungen günstiger seien, erklärt Esther Gudde. Die würden auch nicht das umfassende Betreuungsangebot der Heilsarmee bieten. Die Ablehnungen kämen von der Stadt, verantwortlich sei allerdings der Landkreis.

Jetzt sorgt die Unterbringung der 14- bis 18-jährigen Flüchtlinge für die notwendige Auslastung. Sie wurden von der Jugendhilfe Südniedersachsen vermittelt, die sie auch vor Ort mit betreut.

Außerdem benötige die Einrichtung Geld für die Instandhaltung. Die Heilsarmee ist Mieter, Besitzer des denkmalgeschützten Gebäudes die Stadt Göttingen. „Wir kämpfen immer an beiden Fronten: an der baulichen und an der sozialen“, erklärt Esther Gudde. „Wenn die Flüchtlinge weg sind, können wir das Haus nicht halten“, erklärt Klaus Gulde.

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