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Göttinger Helge Roestel hat Großfeuerwerke veranstaltet

„Wie visualisiertes Musikstück“ Göttinger Helge Roestel hat Großfeuerwerke veranstaltet

Wenn Mittwochabend Raketen in die Luft steigen und Böller explodieren, wird Helge Roestel gemütlich zu Hause beim Fondue sitzen. „Ich kann mit der Knallerei nichts anfangen“, sagt der 50-Jährige.

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Pyrotechniker Helge Roestel kann mit Knallerei nichts anfangen.

Quelle: Vetter

Göttingen. Der Grund: als professioneller Pyrotechniker hat er unter anderem schon das Indoor-Farbenspektakel im Casino de Mallorca sowie den Lichterzauber beim Ski-Weltcup in Zwiesel veranstaltet – da sind die Effekte, die mit freiverkäuflichen Feuerwerkskörpern erzielt werden, für ihn nicht mehr als simpler Klamauk.

Auf die Idee, Pyrotechniker zu werden, kam der Göttinger vor knapp 20 Jahren durch seinen Bruder, der Leiter der technischen Abteilung der Polizei in Düsseldorf war.

Um den notwendigen „Befähigungsschein nach dem Sprengstoffgesetz“ zu erhalten, musste er sich allerdings erst bei einer Veranstaltungsfirma verdingen und bei 24 Großfeuerwerken als Helfer mitwirken. Darüber hinaus musste er sein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und bei einer Sprengstoffschule einen Lehrgang machen, wo er sich unter anderem in Recht und Materialkunde schulen lassen und eine Abschlussprüfung bestehen musste – erst danach durfte er sich „staatlich geprüfter Pyrotechniker“ nennen.

Der Betriebswirt gründete die Firma „Pyromantic“ und legte los. Vom Hochzeitsfeuerwerk für 500 bis zum Mega-Event für 15 000 Euro: Roestel veranstaltete alles. Wobei die Tätigkeit eines Pyrotechnikers am ehesten mit der eines Komponisten zu vergleichen sei, wie er findet: „Ein Feuerwerk ist eine Art visualisiertes Musikstück.“

„Würde man von einer hochgehenden Rakete im Gesicht getroffen, wäre man auf der Stelle tot“

Schließlich würden viele Feuerwerke mit musikalischer Untermalung veranstaltet, zum Beispiel zum Thema Barock: „Da ergänzen sich die lebensfroh-strahlende Musik der damaligen Zeit und die dazu passenden Lichteffekte, zum Beispiel Feuersonnen, Vulkane, viel Gold.“

Natürlich sind Pyrotechniker aber nicht nur Künstler, sondern – wie die Bezeichnung schon sagt – auch Techniker. Als solche müssten sie die Sicherheitsregeln aufs Strengste beachten, wie Roestel betont, denn ihre Arbeit ist sehr gefährlich, unter Umständen sogar lebensbedrohlich: „Würde man von einer hochgehenden Rakete im Gesicht getroffen, wäre man auf der Stelle tot.“

Bis zu 150 Meter weit können Teile von fehlgezündeten Feuerwerkskörpern fliegen, weshalb die Pyrotechniker sie teilweise im Boden vergraben, bevor sie sie zünden. Was die Bekleidung angeht: feuerfeste Outfits, inklusive Helm sowie Spezial-Handschuhe und -Stiefel, sind absolute Pflicht. Der Befähigungsschein gilt immer nur für einen bestimmten Zeitraum. Roestel hat seinen aus Zeitgründen nicht verlängert.

Seine Tipps für den Silvester-Abend: nur Ware kaufen, die von der Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) freigegeben wurden; niemals Feuerwerkskörper zusammenbasteln, um einen größeren Effekt zu erreichen; sich ihnen immer seitlich nähern und niemals den Kopf über sie halten.

Von Hauke Rudolph

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