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Göttinger Jesiden gründen Fernsehsender

Fakhir Sido übernimmt den Vorsitz Göttinger Jesiden gründen Fernsehsender

„Es gibt mehr als 50 kurdische Fernsehsender, aber über uns Jesiden berichten sie kaum“, sagt Fakher Sido (49) aus Göttingen. Deshalb hat der gebürtige Iraker, der in seiner Heimat Arabistik studiert hat, mit anderen in Hannover den jesidischen Fernsehsender „4Sem TV“ gegründet.

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Fakhir Sido hat den jesidischen Sender 4Sem TV mitgegründet.

Quelle: Heller

Göttingen/Hannover. Er ist über Satellit und das Internet zu empfangen. „Als Vorsitzender kümmere ich mich vor allem um das Einwerben von Spendengeldern“, berichtet Sido.

Ihm hilft dabei, dass er aus der Familie stammt, die das weltliche Oberhaupt der kurdischen Glaubensgemeinschaft, den Mir („Fürst, Befehlshaber“), stellt. Sido will mindestens 1000 Fördermitglieder gewinnen. So ließen sich die monatlichen Fixkosten von 12.300 Euro decken, die vor allem auf die Satellitenausstrahlung entfallen.

Die Mitarbeiter sind alle ehrenamtlich tätig. Das Studio befindet sich in den Räumen der Ezidischen Akademie Hannover, Am Brabrinke 14, in der Nähe des Messegeländes. Die Akademie, die 2009 gegründet worden ist, verlangt keine Miete. Ihr Vorsitzender, Hatab Omar (38), arbeitet selbst bei „4Sem TV“ mit.

Berichtet wird von den Jesiden in Deutschland. Ein Mitarbeiter, Diyar Namo, reiste in die nordirakische Provinz Sindschar, die im August 2014 vom Islamischen Staat erobert worden ist. „Namo hat dort selbst gegen die Islamisten gekämpft“, sagt Sido. Der Vorsitzende interviewt auf seinen Fundraisingtouren, die ihn nicht nur in viele Städte der Bundesrepublik, sondern auch schon unter anderem nach Dänemark, Schweden und in die Schweiz führten, Angehörige seiner Glaubensgemeinschaft.

Sido betont die politische Neutralität des Senders. Das unterscheide „4Sem TV“ von „Cira TV“, dem anderen jesidischen Sender in Deutschland. „Er ist 2013 in Bielefeld gegründet worden und gehört zum Umfeld der Kurdischen Arbeiterpartei PKK“, erklärt Kamal Sido von der Gesellschaft für bedrohte Völker.

„Cira TV“ will ins westfälische Löhne umziehen. Dort hat die Gemeinschaft Ezidischer Akademikerinnen von einer diakonischen Stiftung ein Schloss, die Ulenburg, erworben. Von solchen Möglichkeiten könne der Hannoversche Sender „4Sem TV“ bisher nur träumen, sagt Sido.

Von Michael Caspar

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