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Göttinger Jesiden gründen Verein

Suche nach eigenem Gebäude Göttinger Jesiden gründen Verein

„Wir suchen derzeit nach einem eigenen Gebäude“, sagt Azad Onal, der Vorsitzende des Zentrums der Eziden in Göttingen. Der Verein ist im vergangenen Oktober gegründet worden. Mittlerweile zählt er 74 Mitglieder. Es sollen mehr werden. „In Südniedersachsen sind uns 160 jesidische Familien bekannt“, berichtet Onal. 40 davon seien in jüngster Zeit aufgrund des Bürgerkriegs in Syrien und dem Irak als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen.

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Azad (links) und Bilen Onal (rechts), hier bei einem Gespräch mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann im August 2014.

Quelle: Heller/Archiv

Göttingen. „Ich war 1985 der erste Jeside in Göttingen“, erinnert sich Vereinsmitglied Rihi Onal aus der Türkei, ein Verwandter des Vereinsvorsitzenden. Er arbeitet heute als Maschinenführer in Northeim. Weitere Männer folgten, später ganze Familien. Der Grund: In der Türkei hatte 1984 die Kurdische Arbeiterpartei PKK ihren Guerillakrieg gegen den türkischen Staat aufgenommen, der mit Repressionen reagierte. Die Jesiden gerieten zwischen die Fronten.

„Die ersten Jahre in Deutschland waren schwer“, erinnert sich Vorstandsmitglied Talho Onal, ein Onkel von Azad Onal. Die Flüchtlinge mussten sich die deutsche Sprache aneignen. Bei den Ausländerbehörden und den Gerichten war die kurdische Glaubensgemeinschaft noch kaum bekannt. Entsprechend hart war der Kampf um eine Aufenthaltsgenehmigung und eine Arbeitserlaubnis, sagt Vereinsmitglied Kemal Kaplan.

„Kontakte unter uns Jesiden bestanden immer“, berichtet der Vorsitzende. Feste wurden gemeinsam gefeiert, auch als Gläubige aus anderen Staaten, wie Syrien, dem Irak und später aus Armenien, Georgien und Russland nach Südniedersachsen dazu kamen. Die Kurden gingen bei Angriffen auf ihre Glaubensgemeinschaft an die Öffentlichkeit und organisierten Hilfe. So war es im August 2007, als Islamisten Bomben in der irakischen Region Sindschar zündeten und mehr als 500 Menschen umbrachten. Auch der Völkermord, den der Islamische Staat seit August 2014 im Sindschar verübt, hat die Jesiden aufgerüttelt.

„Mit der Vereinsgründung wollen wir unsere Kontakte zur deutschen Gesellschaft intensivieren“, sagt Onal. Gute Beziehungen gibt es bereits zu evangelischen Christen. Vorträge sollen über die Glaubensgemeinschaft informieren. Das Zentrum will sich zudem überregional mit anderen Vereinen zusammentun, um Interessen der Glaubensgemeinschaft auf Bundesebene zu vertreten. Zwei Dachverbände, darunter einer, der der PKK nahe steht, existieren. „Wir wollen uns politisch nicht positionieren“, betont Vorstandsmitglied Ilyas Isa. Daher suchten sie zunächst einmal den Kontakt zu anderen unabhängigen Vereinen.

Von Michael Caspar

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