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Göttinger Kritzel-Brief

Die schönsten Post-Erlebnisse der GT-Leser Göttinger Kritzel-Brief

Der Artikel über den Brief, den ein Göttinger Postbote anhand einer auf den Umschlag gekritzelten Karte zustellte, sorgt für Furore. Die Tageblatt-Redaktion erreichten viele Zuschriften von Menschen aus Göttingen, in denen sie ihre Erlebnisse mit der Post schildern: kurios, witzig, herzzerreißend.

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"Monsieur Vorzüglicher Hochachtung" - damit konnte quasi nur Gerhard Germeshausen aus Duderstadt gemeint sein - schlussfolgerte die Post.

Quelle: R

Gerhard Germeshausen, Duderstadt

Ich übersende Ihnen gern ein Dokument, wie ebenfalls die Post findig wurde. Die ursprüngliche Adresse lautete ‚Monsieur Vorzüglicher Hochachtung, 2428 Duderstadt, Zum Wulfertal‘, wie beiliegendes Beleg-Exemplar zeigt. Mein Name Germeshausen wurde nachträglich von einem Postzusteller mit Bleistift vermerkt. Immerhin hat auch hier die Post bewiesen, wie eine unvollständige beziehungsweise nicht vorhandene Empfänger-Adresse dem Adressaten zugestellt werden konnte.“

Carmen Kümmel, Göttingen

Ich arbeite auch bei der Post als Briefzustellerin. Damals wurde ich noch als Springer in mehreren verschiedenen Bezirken eingesetzt – und kannte mich dementsprechend gut aus. Eines Tages war ich statt in der Zustellung ausnahmsweise in der Verteilung der Briefe eingesetzt. Meine Kollegin bekam eine Sendung mit der Anschrift ‚Poponaks Nr. 29‘ in die Hände – und rätselte, welche Straße gemeint sein könnte. Ich fragte nach dem Nachnamen. Dieser war so ungewöhnlich, dass ich sofort wusste, es konnte nur der Papendiek in Göttingen sein. Und richtig! Der Brief konnte dem Empfänger zugestellt werden. Ansonsten gibt es öfter Briefe mit Beschreibungen wie ‚drittes Haus nach der Kreuzung mit den roten Geranien am linken Balkon‘ oder englische Abwandlungen wie Jumpstreet für die Springstraße. Ab und zu solche ungewöhnlichen Sendungen zu bekommen und dann  den Empfänger ermitteln zu können,  macht schon ein wenig stolz.“

Gerhard Wagenitz, Göttingen

Ich erhielt vor einiger Zeit Briefe mit falschem Namen und falscher Straße: nur die Hausnummer stimmte. Hätte ich mich nicht um die Weiterbeförderung gekümmert, wären sie nie angekommen. Und vor kurzem kam ein Brief an meine Enkelin in Kiel zurück, obwohl die Adresse korrekt war, nur die letzte Ziffer der Postleitzahl war nicht recht leserlich. Im Herbst 1957 war ich mit einem Kollegen auf einer Forschungsreise in Anatolien. Unser Professor schrieb postlagernd nach unserem ersten Standquartier in Bolu. Als der Brief ankam, waren wir aber schon weitergereist. Die türkische Post wartete etwas und schickte den Brief dann zurück nach Deutschland. Er hatte aber keine Absenderangabe. So kam er an eine zentrale Ermittlungsstelle und wurde amtlich geöffnet. Die Unterschrift wurde ausgeschnitten und auf den Umschlag geklebt mit dem Vermerk: ‚wahrscheinlich Dozent in Göttingen‘. Das hatte man aus dem Text entnommen. In Göttingen war es dann natürlich ein Leichtes, den Brief richtig zuzustellen. Und das alles wegen einer Rücksendung!“

 

Frank Riedel, Göttingen

Kurz nach der Wende erreichte mich ein Werbe-Prospekt per Brief aus dem Hause QUELLE in damals D-8510 Fürth 500. Als Anschrift trägt das Schreiben ‚Frank Riedel... DDR-3400 Goettingen‘ mit den Begrüßungsworten ‚Sehr geehrter Herr Riedel, was für viele Menschen in der DDR seit langem ein Wunsch war, ist jetzt endlich Wirklichkeit: Sie können ab sofort bei Quelle bestellen.‘ Den Umschlag nebst Anschreiben und Bestellschein habe ich noch!“

 

Laura Rebecca Rau-Léveillé, Göttingen

Ich bin schon seit jüngster Kindheit riesiger Fan von Astrid Lindgren. Es war Anfang / Mitte der Neunziger, als ich als Grundschülerin zumindest halbswegs verständlich schreiben konnte und es mir ein großes Anliegen war, meinem Idol einen Brief zu schreiben. Natürlich kannte ich zu jener Zeit ohne Google und Internet ihre private Adresse nicht, vertraute aber darauf, dass man in Schweden schon wissen würde, wo Frau Lindgren wohnte. So adressierte ich meinen Brief zuversichtlich nur an ‚Astrid Lindgren, Stockholm, Schweden‘ und hoffte auf das Beste. Niemand hätte jedoch erwartet, dass eine so viel beschäftigte und berühmte Persönlichkeit mir nach einiger Zeit tatsächlich antworten würde – und zwar persönlich! Ich erhielt ein Foto mit dem mit Schreibmaschine getippten Dank für meinen freundlichen Brief darunter und ihrer handschriftlichen Unterschrift in Füllfederhalter. Diese Karte wurde zu einem meiner wertvollsten Besitztümer und hatte meine restliche Kindheit über gerahmt einen Ehrenplatz über meinem Bett. Dort hängt sie inzwischen zwar nicht mehr, wird aber behutsam aufbewahrt und an die hoffentlich nächste Generation Leseratten vererbt werden, welche mit den wundervollen Büchern von Astrid Lindgren aufwachsen werden.“

 

Ute Spreine, Göttingen

„Mitte der 60er-Jahre verfasste meine Mutter einen Brief an ihre in Hamburg lebende Cousine. Nachdem sie den Brief postfertig gemacht hatte, stellte sie fest, dass keine Briefmarke vorrätig war. Kurzerhand warf sie mit dem Brief zugleich zwei Zehn-Pfennig-Stücke in den Briefkasten – und der Brief erreichte nach drei Tagen frankiert sein Ziel. Noch heute wird über dieses Ereignis in der Familie  und im Bekanntenkreis herzlich gelacht und an den Postboten beziehungsweise den Briefkastenleerer in dankenswerter Weise gedacht. Ob man ihn wohl noch ausfindig machen kann?“

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