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Göttinger Nachlassverwalter veruntreut eine Million Euro

In mehr als 1000 Fällen Göttinger Nachlassverwalter veruntreut eine Million Euro

Er hat tausende mittellose Menschen betreut, die er als Zwangsverwalter durch Insolvenz und Restschuldbefreiung geführt hat. Jetzt ist der 45 Jahre alte Göttinger selbst ein Fall für Zwangsverwaltung. Er soll sich an mindestens vier lukrativen Nachlässen vergriffen und nach eigenen Angaben eine Million Euro veruntreut haben.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Der 45-Jährige aus einem Göttinger Stadtteil war groß im Geschäft. Das Büro des gelernten Diplom-Rechtspflegers, der einst beim Amtsgericht Göttingen beschäftigt war, betreute Insolvenzen, Nachlässe und Zwangsverwaltungen in vier Landgerichtsbezirken – in Göttingen, Braunschweig, Hildesheim und Kassel.

Mitte Februar tauchte der 45-Jährige aus eigenem Antrieb bei der Staatsanwaltschaft auf und beichtete die Veruntreuung von einer Million Euro aus vier Nachlassfällen aus den Landgerichtsbezirken Göttingen und Braunschweig. Bisher, so Andreas Buick, der Sprecher der Ermittlungsbehörde, habe die Staatsanwaltschaft die Angaben noch nicht überprüfen können. Es wurden aber alle Nachlassfälle der Kanzlei zur Ermittlung sichergestellt. Dabei handele es sich um „mehrere hundert Fälle“.

Damit nicht genug: Auch die Gerichte haben sofort reagieren müssen. Allein das Amtsgericht Göttingen, Hauptauftraggeber der Insolvenz-Kanzlei, hat dem mutmaßlich untreuen Kollegen mehr als 600 Insolvenzbetreuungen entzogen. Die Fälle, allesamt Privatinsolvenzen, die sich im sechs Jahre währenden Restschuldbefreiungs-Verfahren befinden, wurden an 15 andere Insolvenzverwalter zu Portionen von 40 bis 50 Fällen verteilt.Auch Betreuungsverfahren, die das Gericht an das Göttinger Büro vergeben hat, wurden dem 45-Jährigen entzogen. Es handelt sich um Fälle aus allen Gerichten Südniedersachsens.

Richtig Geld zu veruntreuen gab es allerdings offenbar nur in den Fällen von Nachlassverwaltungen. Dabei handelt es sich jeweils um Todesfälle ohne testamentarisch geklärte Erbfolge, bei denen ein vom Gericht eingesetzter Verwalter die rechtmäßigen Erben zu suchen, das zu vererbende Vermögen zu betreuen und dem Gericht den Erbfall zur Entscheidung vorzulegen hat.

In vier dieser Fälle, so eigene Angaben, habe er dieses Vermögen verbraucht. Offenbar drohten jetzt Auszahlungen in entschiedenen Nachlasssachen, die der Göttinger nicht bedienen konnte. Der Verdächtige selbst befindet sich auf freiem Fuß, war aber auf Anfrage nicht zu sprechen. Sein Büro, das als GmbH geführt wird und in dem er Geschäftsführer ist, befindet sich aktuell in der Abwicklung.

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