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Göttinger Naturschützer schlagen Alarm: Goldfische vernichten Amphibienbestände

Zierfische nicht aussetzen Göttinger Naturschützer schlagen Alarm: Goldfische vernichten Amphibienbestände

Goldfische sind gefährliche Raubfische, jedenfalls für Amphibien. Sie fressen Laich und Brut von Fröschen, Kröten und Lurchen. Innerhalb von ein paar Jahren löschen sie so Amphibien-Populationen aus. Naturschützer in Göttingen fordern Fischhalter dringend dazu auf, Goldfische auf keinen Fall in der Natur auszusetzen.

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Quelle: Scholz/HAZ (Symbolfoto)

Göttingen. Sie meinen es gut, die Tierfreunde, die überzählige Fische nicht töten oder in der Toilette herunterspülen wollen. So tragen sie sie zum nächsten Gewässer und lassen sie dort schwimmen. Was das für die Frösche und Kröten bedeutet, schildert Detlef Johannson, Pressesprecher der Göttinger Stadtverwaltung, am Beispiel des Gewässers in der Billingshäuser Schlucht. Es wurde für laichwillige Amphibien angelegt, denen Krötenzäune das Überqueren der Otto-Hahn-Straße verwehren.

„Kaum gab es das Gewässer, da blinkte es schon rot im Wasser auf“, berichtet Johannson. Da die deutschen Winter den Goldfischen nicht schaden und sich die Tiere rasant vermehren, wimmelte es bereits ein Jahr später nur so an Exemplaren der bunten Zuchtform des Giebels. Die Fische verschlangen alle Arten von Amphibienlarven, auch die von Molchen. Nur die wenig schmackhaften Kaulquappen der Erdkröte ließen sie unbehelligt.

Im Landkreis haben ausgesetzte Goldfische im Silbersee bei Dransfeld in den vergangenen 20 Jahren das einst stattliche Vorkommen der Geburtshelferkröte dezimiert. „Trotz der auffälligen Färbung fischen Reiher nicht gezielt Goldfische aus Teichen“, berichtet die Bördeler Biologin Helga Zeddies. Mehr Erfolg verspreche das Einsetzen von Hechten. Nach Beobachtung der Unteren Naturschutzbehörde in Göttingen hilft ein Befischen von Teichen wenig, da sich die Goldfischbestände schnell wieder wieder erholt haben. „Zudem stellt der Verbleib von Hunderten von gefangenen Fischen ein Problem dar“, sagt Johannson.

Die Stadt experimentierte auch mit der aufwändigen Elektrobefischung, bei der Strom zum Fischfang genutzt wird. Mit ihr lassen sich aber die Eier und die Fischbrut nicht aus dem Wasser holen, berichtet der Verwaltungssprecher. Sein Fazit: Die Bekämpfung des Goldfischs sei „sehr schwierig, kostenintensiv und letztlich erfolglos.“

So bleibt es beim Appell, die Tiere nicht auszusetzen. Zeddies fordert Amphibienfreunde zudem auf, im Gartenteich ganz auf Fische zu verzichten.

Von Michael Caspar

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