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Göttinger Oberstaatsanwalt sammelt juristische Stilblüten

Wilfried Ahrens Göttinger Oberstaatsanwalt sammelt juristische Stilblüten

Jetzt haben wir es schriftlich: „Alles richtig gemacht hatte das Göttinger Tageblatt“, schreibt Oberstaatsanwalt Wilfried Ahrens, nachdem ihm diese Meldungsüberschrift aufgefallen war: „Dieseldiebe in der Diesel-Straße“. Der Fund der GT-Überschrift findet sich im sechsten Buch des notorischen Stilblüten-Sammlers Ahrens.

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Oberstaatsanwalt Wilfried Ahrens.

Quelle: Vetter

Göttingen. Im Verlag C.H. Beck frönt der Göttinger Strafverfolger seit gut fünf Jahren seiner Leidenschaft: Er durchforstet Akten und Veröffentlichungen nach - meist unfreiwilliger - sprachlicher Komik. So wie auch der Titel seines sechsten und neuesten Werkes, das nach dem Grundsatz „geschrieben wie gehört“ Eingang in eine Strafakte fand: „In dubio torero“. Folgerichtig ziert ein Stier mit Paragraphen-Hörnern den Einband des neuesten Beck-Paperbacks.

 
Es ist inzwischen eine stattliche Sammlung geworden. Nicht nur, dass der Göttinger Jurist seit seiner Jugend auf der Spur sprachlicher und schriftlicher Fehlleistungen ist, er hat mit seiner Spezialisierung auf Juristisches auch einen Nerv getroffen. Die Bollegen, die ja gern viel Wert auf sprachliche Präzision legen, amüsieren sich über die Fehlleistungen der Kollegen so sehr, dass sie inzwischen zu den besten Helfern des Autors geworden sind. Denn nicht nur aus eigenen Akten, sondern vielfach auch aus den von Kollegen zugesandten Stilblüten speisen sich die nunmehr sechs Büchlein des Göttingers.

 
Beispiele gefällig: Da fällt ein „belgischer Schäfer“ einen Hund an oder es kriegen sich „Skinheads in die Haare“ (aus Polizeiprotokollen), da schwingt Stolz mit in einer Beschuldigtenvernehmung („Ich gebe zu, die mir vorgeworfene Tat vollbracht zu haben.“), da protokolliert die Polizei eine „Ufo-Meldung“ im Bereich Rosdorf-Mengershausen und kann „keinen Erstkontakt“ aufnehmen, und da bedauert ein Anwalt, dass „die geistlichen Krankheiten des Betreuten leider unheilbar“ seien.

 
Die schönsten Fehlleistungen haben in den nunmehr sechs Bänden jeweils den Titel der Büchlein hergegeben. Sie lauten: „Der Geschädigte liegt dem Vorgang bei“, „Der Unfallort hat sich bereits entfernt“, „Der Angeklagte erschien in Bekleidung seiner Frau“, „Der Polizist rettete sich durch einen Seitensprung“ und „Der Angeklagte trägt die Kisten des Verfahrens“ sowie nunmehr „In dubio torero“. Auf die Hörner genommen hat der Autor in all seinen Bänden nicht nur die Schreiber der Stilblüten, er moderiert sie auch jeweils. Gegliedert in Themenbereiche, gewinnt er den Fundstücken gelegentlich mit hintersinniger Ironie ganz neue Bedeutung ab. So wird ein simpler Tippfehler zur Schmonzette, eine Rechtschreibschwäche zum Quell der Freude. Und weil wir alle vor Fehlern nicht gefeit sind, folgt die siebente Sammlung gewiss. ck

 
► Wilfried Ahrens, In dubio torero, Juristische Stilblüten, C.H. Beck, ISBN 978-3-406-68215-5, 9,95 Euro.

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