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Göttinger Pärchen soll Doping- und Potenzmittel gestohlen haben

Vor Gericht Göttinger Pärchen soll Doping- und Potenzmittel gestohlen haben

Der Pharma-Bote kam täglich: Unmengen Dopingmittel, Wachstumshormone und Viagra hat vom Sommer 2013 an eine Apotheke aus Geismar beim Großhandel bestellt. Präparate von bis zu 140 000 Euro, so der Inhaber, seien berechnet worden und verschwunden. Jetzt sitzen seine ehemalige Mitarbeiterin wegen Diebstahls und ihr Freund als Anstifter vor dem Schöffengericht.

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Beschlagnahmte Fläschchen mit einem Testosteron-Medikament.

Quelle: dpa

Göttingen. Die Anklage listet 121 Fälle auf. Eine halbe Stunde dauert das Verlesen. Immer wieder vom August 2013 bis November 2014 soll die 25 Jahre alte kaufmännische Mitarbeiterin Testosteron-Präparate (Wert je Packung: fast 50 Euro) und Wachstumshormone (je Packung 600 Euro) online beim Pharmahandel bestellt und die Packungen, wenn sie Stunden später angeliefert wurden, heimlich entnommen haben.

Anfangs zwei, drei Packungen, am Ende bis zu 19 im Wert von mehreren tausend Euro sind so verschwunden. Ihr mitangeklagter Freund, ebenfalls 25, soll Beziehungen zur Bodybuilder-Szene haben und das Zeug verkauft haben. Er ist zunächst nur der Anstiftung zum Diebstahl und des Besitzes von Dopingsubstanzen angeklagt. Eine Anklage wegen Hehlerei erwartet ihn noch.

Aufgeflogen ist alles durch eine neue Kollegin. Die junge Frau arbeitete sich noch ein, als sie im Oktober 2014 bemerkte, dass die Testosteron-Packungen gar nicht eingebucht waren, die auf dem Lieferschein standen, den sie Tage vorher abgelegt hatte. Sie fragte die Kolleginnen, aber die fehlende Arznei wurde nicht gefunden. Zu diesem Zeitpunkt war die jetzt Angeklagte gerade im Urlaub. Der Chef ließ eine andere Kollegin den Besand und die Lieferungen überprüfen.

Heraus kam ein Fehlbestand im Wert von „130 000 bis 140 000 Euro“, so der 62-Jährige als Zeuge. Bei den verschwundenen Bestellungen habe jeweils die Angeklagte auch Dienst gehabt. Und es sei „unglaublich primitiv“ gewesen, wie seine Firma hereingelegt worden sei, sagt der Chef.

Die Mitarbeiterin brauchte nur die Bestellungen im internen Buchhaltungssystem zu stornieren, nachdem sie schon geliefert waren. Dann standen sie zwar auf der monatlichen Sammelrechnung und mussten bezahlt werden, ihre Bestellung und ihr Verbleib dokumentierten sich aber nirgendwo. Eine kleine Apotheke, so der Chef, hätte das nicht überlebt. Er habe privates Geld nachschießen müssen, um die Firma zu retten. Mit der gefeuerten Mitarbeiterin liegt er noch vor dem Arbeitsgericht noch im Clinch.

Doch so einfach, wie es die Apotheke bei ihrer Strafanzeige der Polizei vorgerechnet hat, ist es offenbar nicht. Die Angeklagte bestreitet den Diebstahl. Ihr Freund will ebenso nichts damit zu tun haben. Er räumt lediglich den Besitz der in seinem Auto sichergestellten Dopingsubstanzen ein. Das waren aber andere Präparate. Tatsächlich fanden sich bei Durchsuchungen bei beiden keine Spuren der entwendeten Medikmente, wohl aber erhebliche Geldeingänge auf ihren Konten.

In der Beweisaufnahme kommt heraus, dass eigentlich an jedem der zehn Computer der Apotheke Bestellungen ausgeführt werden konnten - und das von jedem, also ohne Zugangssicherung. Den Wareneingang nahmen immerhin vier Frauen entgegen. Quittiert werden mussten die Lieferungen nie. Bewiesen, dass es die 25-Jährige war, ist damit nichts. Drei weitere Verhandlungstage terminierte das Schöffengericht, weil noch zahlreiche Zeugen Klarheit in Computersystem, Abläufe und Bestellzeiten bringen müssen.

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