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Göttinger Politikstudent zahlt 650 Euro Strafe für Stinkefinger

Stinkefinger ragt aus vermummter Masse Göttinger Politikstudent zahlt 650 Euro Strafe für Stinkefinger

Bei Fußballern ist der Fingerzeig als so genannter Effenberger bekannt. Andere sagen Stinkefinger dazu. Auf jeden Fall ist der gereckte Mittelfinger eine Beleidigung. Und die müssen sich auch Polizeibeamte nicht gefallen lassen. Aber wie identifiziert man einen Beleidiger, der sich vermummt in einer Gruppe von Demonstranten aufhält und im Schutz der Masse Arm und Mittelfinger reckt?

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Göttinger Politikstudent zahlt 650 Euro Strafe für Stinkefinger

Quelle: dpa

Göttingen. Drei junge Beamte der Bereitschaftspolizei haben das am Donnerstagmorgen im Amtsgericht eindrucksvoll und nachvollziehbar aufgezeigt.

Am Ende kam eine Verurteilung dabei heraus: Der Amtsrichter hatte keine Zweifel daran, dass der Richtige auf der Anklagebank saß. Der 26-jährige Student der Politikwissenschaften muss jetzt 50 Tagessätze zu je 13 Euro zahlen.

Täter mit Antifa-Fahne in der Hand

Passiert war dies: Am 10. April dieses Jahres, als morgens am Neuen Weg der Versuch einer Rückführung eines Flüchtlings nach Italien gescheitert war, demonstrierten mittags in der Innenstadt gut 100 Abschiebungsgegner. Vornweg eine Art schwarzer Block, etwa 30 vorwiegend schwarz gekleidete Demonstranten. Einer von ihnen fixierte auf der Weender Straße in Höhe des Esiscafés Colosseum zwei dort postierte Polizisten, streckte den Arm und zeigte ihnen den Finger.

„Hast Du das gesehen?“, fragte der eine Beamte, der zufällig fast genau so heißt wie der Fußballer, dessen Namen auf ewig mit jenem Fingerzeig verbunden bleibt. „Ja“, antwortete der andere und griff zum Funkgerät. Denn jenseits des Marktes standen Kollegen, auf die der Zug zu marschierte. Diese sollten mithelfen, den Täter zu identifizieren.

Syncron-Identifizierung per Polizeifunk

Nun sei es so gewesen, sagten alle Polizisten übereinstimmend, dass der Verdächtige alle anderen Demonstranten um fast einen Kopf überragte, außerdem eine Fahne der Antifa trug und, wie die Kollegen auf der Gegenseite sehen konnten, ganz besondere Schuhe: Doc Martens mit hoher heller Sohle. Solche Schuhe hatte sich auch Verteidiger Rasmus Kahlen eigens angezogen.

Kahlen mühte sich aufzuzeigen, dass viele solche Schuhe haben, viele 1,90 Meter groß und schwarz gekleidet sind, und dass eine Fahne auch weitergegeben werden kann. Denn die Personalien des Angeklagten waren erst mehr als eine Stunde nach der Tat, nach Abschluss von Demo und Kundgebung, von der Polizei festgestellt worden. Könnte es da nicht sein, wie bei der Stillen Post: Am Ende kommt etwas anderes heraus, als der Erste beschrieben hat?

Nein, sagt der Polizist, der den Angeklagten identifizierte, er sei sich hundertprozentig sicher. Der habe noch immer die Fahne getragen, die anderen überragt, und die Schuhe habe er auch wiedererkannt. Das überzeugte den Richter.

Nachvollziehbar sei der Beschuldigte erst im Gegengespräch per Funk und später an den Einzelheiten, die sich der Polizist eingeprägt habe, identifiziert worden – auch wenn er dabei vermummt war. Deshalb gebe es keinen Zweifel, dass später der Richtige ermittelt wurde.

Die Strafe müsse mit 50 Tagessätzen zu je 13 Euro auch höher ausfallen als im angefochtenen Strafbefehl. Denn der setze ja voraus, dass der Täter geständig ist. Der Student aber habe geschwiegen und damit bestritten.

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