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Göttinger Reihe Historischer Musik mit dem Ensemble Les Contre-Sujets

Besondere Frauen Göttinger Reihe Historischer Musik mit dem Ensemble Les Contre-Sujets

Sie ist eine Heldin der Völkerversöhnung: Mit der Erinnerung an die Sängerin Barbara und ihr Chanson „Göttingen“ beginnt der Auftritt des französischen Ensembles „Les Contre-Sujets“. Ein guter Start in den mit „Heldinnen!?“ überschriebenen Nachwuchswettbewerb „Göttinger Reihe Historischer Musik 2014/2015“ am Donnerstag in der Aula der Universität am Wilhelmsplatz.

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Versiert in der Musikküche: die Musiker des Ensembles Les Contre-Sujets zum Start der Konzertreihe.

Quelle: EF

Göttingen. Das 2012 vom Flötisten Samuel Rotsztejn gegründete Ensemble wählte Stücke aus, die Heldinnen thematisieren.

Moderiert wird der Abend von der Schauspielerin Hanna Schygulla – zumindest virtuell. Ihre Stimme erklingt aus dem CD-Spieler. Exklusiv hat sie die erklärenden Texte eingesprochen.

Zart beginnt das Konzert: Takahisa Aida interpretiert auf dem Cembalo nachdenklich „Lord Willobies welcome Home“ des Engländers William Byrd (1540-1623) und erinnert an dessen Heldin Queen Elisabeth. Anschließend würdigt das Ensemble mit der Kantate „Pensieri notturni di Filli“ Georg Friedrich Händel.

Die kurzfristig als Ersatz eingesprungene Sopranistin Dorothée Leclair besingt eine Frau, die aus Liebe Selbstmord begeht. Begleitet wird die Sängerin von Blockflöte, Gambe und Cembalo.

Heldin der Gerechtigkeit und des Überlebens

Eine weitere tragische Heldin verbirgt sich in „Leandre, et Hero“ von Louis-Nicolas Clérambault (1676-1749). Auch hier nimmt sich eine Frau aus Liebe das Leben. Charmant klingt die Instrumentierung mit zwei Traversflöten. Die Instrumentalisten spielen mit „L’Astrèe“ ein sehr abwechslungsreiches und anspruchsvolles Werk von François Couperin (1668-1733). Darin feiern sie eine Heldin der Gerechtigkeit und des Überlebens mit Wurzeln in der griechischen Mythologie.

Das junge Ensemble spielt natürlich und unprätentiös. Das Zurückhaltende im Spiel des Sextetts wirkt mal charmant, gelegentlich erscheint es aber auch etwas kraftlos. Dann wäre mehr Dynamik wünschenswert gewesen – bei den Einzelstimmen wie beim Zusammenspiel.

Eine spannende Zäsur ist die „Jungfrau“ aus dem „Tierkreis“ von Karlheinz Stockhausen (1928-2007). Die im Duo von Cembalo und Blockflöte gespielte Neue Musik klingt auf historischen Instrumenten ungewohnt. Schöne Idee! Als drei weitere Musiker auf die Bühne gestürmt kommen, wechselt das Ensemble zum anonym verfassten „The First Witches Dance“ aus dem 17. Jahrhundert – ein schwungvoll gespieltes Thema, dass an Hexen und damit an besondere Frauen erinnert.

Mit großer Geste die zickige Diva

In abschließenden „Rien du tout“ von Nicolas Racot de Grandval (1676-1753) hat Dorothée Leclair ihren großen Auftritt. Die Sängerin spielt in dem Medley mit großer Geste die zickige Diva. Ein humorvoller Abschluss mit viel Applaus des Publikums. Die Zugabe knüpft an den Anfang an: Sopranistin Leclair singt Barbaras Chanson „Göttingen“, das in ein Instrumental-Werk von Jean-Baptiste Lully (1632-1687) übergeht.

Das Ensemble „Les Contre-Sujets“ hat bewiesen, wie inspirierend das diesjährige Wettbewerbs-Thema „Heldinnen!?“ ist und welche Werke und Figuren dabei zu entdecken sind. In der achtköpfigen Jury gibt es übrigens zwei neue Gesichter: Mit der Fachjournalistin Gabriele Hertz-Eichenrode und Daniel Bizeray von der Europäische Barockakademie Ambronay kam weitere Kompetenz, aber auch Internationalität hinzu.

Das nächste Konzert in dem Wettbewerb ist für Donnerstag, 15. Januar 2015, angesetzt. Dann spielt das „AbChordis Ensemble“ um 20 Uhr in der Aula der Universität am Wilhelmsplatz.

Von Udo Hinz

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