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Göttinger Restaurant kassiert Aufschlag von maßlosen Büfett-Gästen

Wer schaufelt, zahlt Strafe Göttinger Restaurant kassiert Aufschlag von maßlosen Büfett-Gästen

„Schlemmen Sie so oft und so viel Sie möchten“– damit wirbt ein Göttinger China-Restaurant für sein Mongolen-Büfett. Wer am Ende aber soviel auf den Teller geschaufelt hat, dass zuviel Essen weggeschmissen werden muss, zahlt einen Aufschlag. Die Meinungen darüber gehen auseinander.

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Quelle: be

Göttingen. Manche Gäste, argumentiert Kaiserpalast-Inhaber Lin Ping, würden sich so viel auf den Teller laden, und am Ende doch nur einen Teil davon aufessen. „Einfach so“ Essen wegschmeißen zu müssen ärgert den Gastronomen. „Das ist schlimm für uns“, sagt er. Zum einen seien Zutaten wie Garnelen oder besondere Fleischsorten sehr teuer, zum anderen seien die Mülltonnen des Restaurants schnell voll, wenn so viel Essen im Müll lande. Seit Anfang des Jahres erhebt Lin Ping fünf Euro Aufschlag, wenn Gäste zu viel Essen auf dem Teller lassen. Darauf weise er die Gäste mit Hinweisen am Büfett hin. „Wir sagen, den Leuten, sie können immer wieder zum Büfett gehen, aber sie sollen immer nur so viel nehmen, wie sie essen können.“

 
Mit seiner Extra-Gebühr für gierige Büfett-Gäste steht Ping in der Göttinger Gastronomie-Szene offenbar noch alleine da. Keine der von der Redaktion in einer Stichprobe angefragten Restaurants, die Büfetts anbieten, verlangt einen solche Zuschlag. Ahmad Waild Ahadi, Geschäftsführer des China-Restaurants Lotusblume, indes weiß, dass auch in Braunschweig bereits erste Restaurants Zuschläge verlangen. „Die versuchen die Gäste zu belehren“, vermutet er und zeigt Verständnis für diese Maßnahme. Fünfmal, zehnmal zum Büfett gehen und Nachschlag zu holen, sagt er, sei alles kein Problem. Und auch wenn auch er in seinem Restaurant gelegentlich Gäste haben, bei denen am Ende Essen weggeschmissen werden muss, erhebe er keinen Zuschlag. „Manche sagen, sie hätten Hunger gehabt, andere, die Augen wären zu groß gewesen“, nennt Ahadi die häufigsten Argumente der Gäste.

 
„Bei uns schmeckt es so gut, da bleibt nichts übrig“, sagt Roberto Saciri, Mitarbeiter beim italienischen Restaurant Rialto. Auch hier wird kein Aufschlag erhoben. Es passiere selten, dass so viel auf dem Teller bleibe, dass Essen weggeschmissen werden müsse. Und auch im Freizeit In „können die Gäste nehmen, so viel sie wollen“, sagt eine Mitarbeiterin. Zu viele Reste auf dem Teller, „das passiert bei uns nicht“, sagt sie.

 
Verständnis für das Handeln des Kaiserpalast-Inhabers zeigt Wolfgang Spieß, der das Göttinger Kartoffelhaus (Frühstücksbüfett und Brunch) und das Restaurant Rigoletto in Dransfeld („Essen satt“) betreibt. „Ich habe auch schon die tollsten Sachen erlebt“, sagt er. Wenn etwa ein Viertel Teller voll mit teurem Lachs in den Müll wandert, reue es ihn schon, denn „ich kalkuliere das etwas anders“. Bei seinen All-you-can-eat-Angeboten in Dransfeld habe er den Nachschlag auf drei Mal limitiert, so Spieß. Es gebe Gäste, die würden eine Tupperschüssel mitbringen und würden sich unterm Tisch Essen einpacken. Dennoch: einen Zuschlag wie Ping erhebt Spieß von seinen Kunden nicht.

 

Stellungnahme des Dehoga
Dass solche Aufschläge verlangt werden, findet Katharina Schüle-Rennschuh, „befremdlich“. Die stellvertretende Vorsitzende des Göttinger Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) sagt, dass jeder Gastronom seine Preise kalkuliere. Bei Büfett würden zwei Kriterien den Preis bestimmen, so Schüle-Rennschuh: „die reichhaltige Auswahl, und dass man die entsprechenden Mengen vorhalten muss“. Das sei unternehmerisches Risiko, sagt sei und hält den Zuschlag für „ökologiisch und ökonomisch fragwürdig“. Wer „Schnitzel satt“ oder Büfett anbiete, argumentiert Schüle-Rennschuh weiter, „kann nicht mit einem Aufschlag arbeiten“.
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