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Verhüllt im Iran

Göttinger Schülerinnen vom Hainberg-Gymnasium auf Autauschreise im Iran Verhüllt im Iran

Ein ungewöhnliches Ziel haben sich sechs Schülerinnen des Hainberg-Gymnasiums für einen Schüleraustausch ausgesucht: Sie reisten für zwei Wochen in den Iran. Auf ihrer Reise erlebten die 15- bis 19-Jährigen in der Islamischen Republik ein vollkommen anderes Leben mit vielen Unterschieden, aber auch Gemeinsamkeiten.

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Mal locker, mal streng gebunden: Während ihrer Klassenfahrt trugen die Schülerinnen Kopftücher

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Die Mädchen hatten sich vor ihrer Abreise intensiv mit den geschichtlichen und politischen Entwicklungen des Landes beschäftigt. Wie sie sich außerdem vorbereitet hatten? „Mit Tücher und Klamotten kaufen!“, erklärten Svea Venus, Clara Nadescha Dierksheide und Anuscha Dräger. „Es war anfangs ungewöhnlich, sie zu tragen. Aber dann haben wir uns daran gewöhnt“, sagte Anuscha (15).

Mit den Kopfbedeckungen machten die Schülerinnen ungewöhnliche Erfahrungen: Sobald eine Frau eine Wohnung betrat, nahm sie das Tuch ab. Außerdem wurde das Tragen unterschiedlich interpretiert: Einige befestigten sie eng am Haaransatz, andere warfen sie nur locker über den Dutt.

Die Schülerinnen sammelten viele Eindrücke. Süßigkeiten waren im Iran deutlich süßer als in Deutschland, und bei jeder Gelegenheit gab es schwarzen Tee – natürlich gesüßt. Sie sind in die Berge gefahren und haben die Wüste kennengelernt, besuchten Sehenswürdigkeiten in Teheran und Isfahan.

Sie lernten die hohe Inflationsrate im Iran an der eigenen Geldbörse kennen: „Da hat man auf einmal eine Million in der Tasche, dann wurden zum Teil die Nullen weggekürzt“, erzählt Clara (14).

Im Alltag hatten die Schülerinnen allerdings auch erfahren, wie Frauen eingeschränkt leben und Männer über Frauen entscheiden. Sie selbst wurden in einem separaten Klassenzimmer unterrichtet und durften in den Pausen nicht auf den Schulhof, weil sich dort Jungs aufhielten.

Sie erlebten, wie sich die Iraner mit dem Leben unter strengen Regeln arrangierten und gleichzeitig nach Nischen suchten. Ein Beispiel sei der chaotische Stadtverkehr, in dem absolutes Durcheinander herrsche und jeder mache, was er wolle. „Diesen Widerspruch fand ich besonders spannend“, erklärte Svea.

Die Mädchen beschrieben, wie wichtig ein Blick hinter die Kulissen sei: „Was uns dort begegnet ist, war ganz anders als vorher dargestellt“, sagte Svea. Menschen und Politik müssten voneinander getrennt betrachtet werden.
„Die Frauen sind dort gar nicht eingeschüchtert und die Jungs haben uns auch hinterhergerufen“, erklärte Clara. Zwischen den jungen Leuten gebe es mehr Gemeinsamkeiten als erwartet. Ende November kommen Iraner zum Gegenbesuch nach Göttingen.

Der Schüleraustausch in den Iran ist selten und nicht selbstverständlich. Die sechs Schülerinnen wurden von einem Iran-Experten begleitet, Lehrer reisten nicht mit. Untergebracht waren sie in iranischen Gastfamilien. Das waren allerdings Angestellte der Schule und nicht wie bei einem klassischen Schüleraustausch die Familien ihrer Klassenkameraden. Zum Gegenbesuch reisen auch nur Jungen nach Göttingen. Der Iran-Aufenthalt wurde vom Pädagogischen Austauschdienst gefördert

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