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Göttinger Seniorenheim: Betreutes Wohnen seit zwei Wochen ohne Lift

„Carpe Diem“ Göttinger Seniorenheim: Betreutes Wohnen seit zwei Wochen ohne Lift

Nicht wenige Bewohner des „Carpe Diem“-Seniorenheims im Brauweg fühlen sich in ihrer Bewegungsfreiheit zurzeit deutlich eingeschränkt, wenn nicht sogar so gut wie eingesperrt: Von drei Fahrstühlen sind zwei defekt. Im Bereich betreutes Wohnen ist der einzige Lift außer Betrieb.

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Liftlos ist zurzeit der Bereich betreutes Wohnen im Carpe Diem-Heim im Brauweg.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Und das seit zwei Wochen, klagen Bewohner. Schon Wochen zuvor habe der Fahrstuhl furchtbar gerumpelt. Eine Wartung habe den Schaden nicht beheben können. Danach kam der Tüv zur regulären Überprüfung – und legte zwei der drei Aufzüge gleich ganz still.

 
Ein Ende der Lift-Pause ist nicht abzusehen. Die notwendigen Ersatzteile sind bei der Herstellerfirma derzeit nicht vorrätig. Sie müssten erst individuell bei einer Firma in Spanien angefertigt werden, teilte die Heimleitung den verärgerten Bewohnern mit. Das könne jetzt noch drei Wochen oder sogar länger dauern.

 
Seit dem Beginn des Fahrstuhl-Ausfalls waren die Bewohner zumindest im Bereich Betreutes Wohnen auf besondere Betreuung angewiesen. Begleitung beim Treppensteigen für diejenigen, die dazu noch in der Lage sind. Die anderen bekommen ihr Essen aufs Zimmer.

 
Für die Heimleitung haben die Betroffenen durchaus Verständnis: „Die tun, was sie können“, meint eine Bewohnerin. Für die Mitarbeiter bedeute die Begleitung eingeschränkt beweglicher Bewohner ins Erdgeschoss eine erhebliche Belastung: „Einmal den Rollator runterbringen, dann uns über die Treppen nach unten bringen, und nach dem Essen alles wieder rückwärts. Vier Wege für einen Besuch im Esssaal.“ Sie selbst habe das nach einem Versuch wegen großer Schmerzen aufgegeben. Sie bekommt ihr Essen jetzt auch aufs Zimmer.

 

Laut Mietvertrag kein Anspruch

 
Weniger Verständnis äußern die Betroffenen über eine Passage im Mietvertrag, wonach sie keinen Anspruch auf einen ununterbrochenen Betrieb des Fahrstuhls hätten. „Ich hatte gedacht, das bezieht sich auf eine Wartungspause von vielleicht einmal zwei Stunden. Aber gleich mehrere Wochen lang?“ Nebeneffekt: Eine Mietminderung ist den Betroffenen damit erst einmal verwehrt. Und Sonderwünsche müssen teuer bezahlt werden: Ein Druck auf den Hilfe-Knopf im Zimmer kostet tagsüber 18, nachts 30 Euro.

 
Heimleiterin Claudia Funke bestätigt die Klagen der Bewohner und versichert: „Wir versuchen, es den Mietern in dieser Situation so angenehm wie möglich zu machen.“ Die Wartungspflicht habe ihr Heim erfüllt. Warum aber der Hersteller, das Ersatzteil nicht kurzfristig liefern kann, sondern dieses erst individuell angefertigt werden muss und das auch erst nach erfolgter Vorfinanzierung, vermag auch die Heimleiterin nicht zu sagen. Der Hersteller offenbar ebenfalls nicht: Eine Tageblatt-Anfrage blieb bis zum Freitagabend unbeantwortet.

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