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Göttinger Sozialwissenschaftler im früheren Jugoslawien aktiv

Engagierter Friedensarbeiter Göttinger Sozialwissenschaftler im früheren Jugoslawien aktiv

„Kriege brechen nicht überraschend aus, sondern haben eine lange Vorgeschichte“, meint der promovierte Sozialwissenschaftler Gerhard Krauth (70) von der Göttinger Gruppe der Deutschen Friedensgesellschaft.

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Bietet in Sarajewo Anfang November einen Workshop zu erneuerbaren Energien an: Gerhard Krauth.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Seit Anfang der 90er-Jahre engagiert sich der gelernte Industriekaufmann und spätere Pädagoge im früheren Jugoslawien in der Friedensarbeit.

Als Krauth vor zehn Jahren in Vorruhestand ging, übernahm er die Koordination von Ökologie-Projekten. In ihnen arbeiten Bosniaken, Kroaten und Serben zusammen. Anfang November reist Krauth wieder einmal nach Sarajewo. Während der ersten bosnisch-herzegowinischen Energie-Messe bietet er einen Workshop zu erneuerbaren Energien an.

„Es ist mühsam, nach all den Kriegsgräueln und Zerstörungen die Menschen wieder an einen Tisch zu bekommen“, fasst er seine Erfahrungen zusammen. Wenn sich ein Konflikt zuspitze, erscheine Politikern der Einsatz militärischer Gewalt einfacher, als verfahrene Verhandlungen zu einem befriedigenden Abschluss zu bringen. Wer sich dann zum Pazifismus bekenne, gelte als weltfremd.

„Dass sich Konflikte letztlich nicht militärisch lösen lassen, zeigt sich im Nachhinein“, meint Krauth. Bei einem Patt auf dem Schlachtfeld müssten die Konfliktparteien am Ende doch miteinander verhandeln. Gewinne eine Seite und setze einen von den Verlierern als ungerecht empfundenen Frieden durch, sei die nächste Auseinandersetzung vorprogrammiert.

„Garant für den Frieden“

Der 70-Jährige erinnert sich noch gut an sein Entsetzen, als Anfang der 90er-Jahre der Krieg in Jugoslawien ausbrach. „Ich hatte das in Europa für undenkbar gehalten“, sagt er. Damals hätten Menschenrechtsgruppen aus der betroffenen Region die Göttinger um Hilfe gebeten. Mit Partnern zusammen sei es 1994 zu den ersten volksgruppenübergreifenden Ökologie-Projekten gekommen.

„Wir fingen mit biologischem Gemüseanbau in zehn Gewächshäusern in einem Flüchtlingslager an“, erinnert sich Krauth. Zwischenzeitlich sei vor Ort eine Gesellschaft entstanden, die Biobetriebe zertifiziere. Die Göttinger hätten Schulungen zur Kompostierung angeboten, was heute ein Verein weiterführe. Schließlich gebe es die Bildungsarbeit im Bereich der erneuerbaren Energien.

„Umweltgruppen haben es im früheren Jugoslawien angesichts der hohen Arbeitslosigkeit schwer, sich mit ihren Ansätzen durchzusetzen“, berichtet Krauth. Andererseits mache sich der Klimawandel mit Versteppungen und Überschwemmungen auch in der Region bemerkbar. Intensiv wirbt der Göttinger bei seinen Einsätzen für die Europäische Union, die er als „Garant für den Frieden“ sieht.

Seit einiger Zeit nehme in der Region die Europamüdigkeit zu. In Kroatien, das seit 2013 Mitglied sei, hätten nur 25 Prozent der Wahlberechtigen ihre Stimme für Kandidaten des Europaparlaments gegeben.

Von Michael Caspar

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