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„Wunderschöne Prototypen“

Göttinger Spieleautoren-Treffen „Wunderschöne Prototypen“

So viele aktive Besucher gab es noch nie beim Göttinger Spieleautoren-Treffen. In der Stadthalle trafen sich am Sonnabend 290 Spieleerfinder und -mitstreiter aus der gesamten Bundesrepublik und darüber hinaus. „Wunderschöne Prototypen“ hat der Organisator, der Göttinger Spieleautor Reinhold Wittig, ausgemacht.

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Das Spieleautorentreffen in der Göttinger Stadthalle hat begonnen.

Quelle: Heller

Göttingen. Am ersten Tag des Treffens setzten sich immer neue Gruppen an die einzelnen Tische, um die Ideen von Kollegen auszuprobieren. Wie schon in den vergangenen Jahren, hat Wittig beobachtet, waren Mathematik-Spiele stark vertreten. So ein noch unbenanntes Spiel von Gerhard Piaskowsky, Spieleautor seit 1990 und vorher Europameister im Boxen 1969/70. Bei seinem Entwurf muss der Spieler eine bestimmte Zahl mit einer dreidimensionalen Kombination von bezifferten Bauklötzen so nah wie möglich treffen. Explosiv mag es hingegen Jan Werner aus Zolling bei München. Bei seinem Spiel geht es darum, mit den richtigen Würfen symbolische Dynamitstangen zu entschärfen und so seine Bomben – schwarze Kugeln mit Zündschnur – loszuwerden. Sieger ist, wer keine Bombe mehr hat.

Am zweiten Tag, als auch die Öffentlichkeit Zugang hatte, wurde wie jedes Jahr der „Förderpreis für junge Autoren“ verliehen, der mit 3000 Euro dotiert ist. Sieger war diesmal Marco Kujat: In seinem Strategiespiel „Jangal“ versuchen die Spieler, auf einem in Landschaftsfelder unterteilten Dschungelspielfeld mit jeweils drei verschiedenen Tierarten strategisch klug die raren Wasserstellen zu erobern und zu halten. Dabei wächst das Spielfeld nach und nach mit Ranken zu. Außerdem schleicht als neutrale Figur durch den Dschungel ein Panther, vor dem sich alle Spieler in Acht nehmen müssen.

Bereits am Sonnabend vergeben wurde der „Innospatz“ vergeben, mit dem „besonders innovative Leistungen im Spielebereich" ausgezeichnet werden. In diesem Jahr geht der Preis an die Europäische Spielesammler Gilde (ESG), unter deren Dach sich Privatsammler und Institutionen wie das Deutsche Spielearchiv in Nürnberg zusammengefunden haben. „Zum Kulturgut Spiel“, sagte die Göttinger Bürgermeisterin Helmi Behbehani zur Begründung, „gehört nicht nur der Mut zur Innovation, sondern auch die Tradition.“

300 neue Spiele

Das Göttinger Spieleautorentreffen gilt als entscheidende Kontaktbörse für Spieleneuheiten. Vor 35 Jahren hat es Reinhold Wittig, selbst Spieleerfinder, ins Leben gerufen. Damals, erinnert sich Wittig, habe er gedacht, dass sich vielleicht zwei oder drei Leute dafür interessieren, aber: „Tatsächlich kamen um die 40 – damals noch im Künstlerhaus.“ Diesmal hatten sich Autoren aus ganz Deutschland, aus England, Frankreich, Italien, der Schweiz, Österreich, Holland, Belgien, Luxemburg, aus Polen und den baltischen und skandinavischen Staaten angemeldet. Um die 300 neue Spiele stellten sie vor.

Aber nicht nur Spieleautoren waren an diesen Wochenenden in Göttingen zu Gast. Gleichzeitig treffen sich hier auch regelmäßig die Agenten der großen Spielerverlage zu einer Fachtagung. Sie wollen sehen, was der kreative Markt der Spieleerfinder zu bieten hat. Da werden auch schon mal überzeugende Entwürfe für das eigene Unternehmen gleich vor Ort verpflichtet.

Das Genre hat offenbar Zukunft: Nach Zahlen der Verbandsgruppe Spieleverlage boomt der Spielemarkt. So sei 2015 ein Umsatzzuwachs von 10,3 Prozent zu verzeichnen gewesen. Besonderen Anteil hätten dabei Kinderspiele mit einem Plus von mehr als 20 Prozent und das klassische Familienspiel, das um 17,8 Prozent wuchs.

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