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Göttinger Sport- und Freizeit GmbH plant öffentlichen Golfplatz in Geismar

Thema des Tages Göttinger Sport- und Freizeit GmbH plant öffentlichen Golfplatz in Geismar

Seit mehr als 20 Jahren wird das Thema Golfplatz in Göttingen diskutiert. Jetzt plant die Göttinger Sport- und Freizeit GmbH plant im Süden von Geismar einen öffentlichen Golfplatz. Vereine, Schulen und andere Einrichtungen sollen den Platz künftig nutzen können. Ein Platz für jedermann soll es werden. Umweltverbände und Naturschützer haben bereits Bedenken angemeldet.

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Blick ins Leinetal: Rund um den renaturierten Berg der ehemaligen Bauschuttdeponie könnte ab 2016 ein öffentlicher Golfplatz für jedermann entstehen.

Quelle: Hinzmann

Göttingen/Geismar. Der Wunsch nach einem Golfplatz in Göttingen ist nicht neu. Doch mit der geplanten Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes (FNP) nimmt das Thema jetzt wieder Fahrt auf.

Die Göttinger Sport- und Freizeit GmbH plant mit der Rostocker Firma „No. 9 Golfdesign“ des gebürtigen Göttingers Andreas Lukasch, der auch später einer der Investoren sein soll, eine Golfanlage im Süden von Geismar. Auf 75 Hektar, das entspricht rund 100 Fußballfeldern, sollen 18 Golfbahnen um die ehemalige Bauschuttdeponie an der Duderstädter Straße und in der sich anschließenden Feldmark entstehen.

GöSF-Geschäftsführer Alexander Frey betont, dass es sich zunächst um Vorplanungen handelt. „In Stein gemeißelt“ sei noch nichts. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) ergänzt, dass diese Vorplanungen, die zum Teil bereits heftig in den Umweltverbänden diskutiert werden, dazu dienten, die öffentliche Diskussion in geordnete Bahnen zu lenken.

Derzeit ist Frey dabei, die Ratsfraktionen über die Pläne zu informieren. Ende April wird das Thema Golfplatz und die dafür nötige Entlassung des Geländes aus dem Landschaftsschutzgebiet erstmals im Bau- und Umweltausschuss im Zuge der Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes erörtert. Am 30. April will Frey im Ortsrat in Geismar die Planung vorstellen.

Im Süden von Geismar sollen 18 Golfbahnen entstehen. GöSF

Quelle:

(Zum Vergrößern Bild anklicken)

Drei Ziele verfolgt die GöSF mit einem öffentlichen Golfplatz:

  • „Volksgolfplatz“: Für die Nutzung des Platzes soll keine Vereinsmitgliedschaft nötig sein. „pay and play“, sagt Frey, also „zahlen und spielen“. Damit seien Aufnahmgebühren oder Investitionsbeiträge wie sie in Golfclubs anfallen, hinfällig. „Lokale Institutionen“ sollen beteiligt werden. Frey nennt hier den Uni-Sport, das Felix-Klein-Gymnasium und die Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule, den ASC, den MTV Geismar und den SC Hainberg sowie das GDA Wohnstift als Partner. Die gegründete Golfplatz Göttingen Planungs GmbH soll später in eine Genossenschaft überführt werden.
  • „Aufwertung der Landschaft“: Die 18 Golfbahnen des Platzes sollen in das vorhandene Gelände eingebunden werden. „Wir planen nicht gegen die Landschaft“, sagt Frey. Dadurch, dass dafür auch Ackerfläche umgenutzt werden, würde das Areal aufgewertet, die Artenvielfalt könne sich entwickeln und die Bodenbelastungen insgesamt verringert werden. Von den 75 Hektar, rechnet Frey vor, würden letztendlich nur zwölf intensiv als Rasenflächen für den Spielbetrieb genutzt. Hier werde zwar häufig gedüngt, gemäht und bewässert werden müssen, die restlichen 65 dienten dem Naturschutz. Frey macht deutlich, dass das renaturierte und ökologisch wertvolle ehemalige Deponiegelände kaum beeinträchtigt werde. Die Planungen berücksichtigten die „bisherigen Entwicklungserfolge der Rekultivierungsmaßnahmen“ in diesem Bereich. Frey weiter: „Die Streuobst und Heckenbereiche bleiben zu 90 Prozent erhalten.“
  • „Offener Erholungsraum“: Frey hofft, mit dem Golfplatz die „wohnortnahe Erholung“ aufzuwerten. Auch für die nicht golfende Bevölkerung würden neue „Wegebeziehungen“ entstehen, die der Naherholung dienten. Zudem soll am Platz ein Café oder Restaurant entstehen.

Köhler betont, dass die Verwaltung in der nun beginnenden Diskussion um Landschaftsschutzgebiete und einem Golfplatz an den fachlichen Beurteilungen von Naturschützern und Umweltverbänden interessiert ist.

Seit Anfang der 90er Jahre wird über einen Golfplatz für Göttingen diskutiert, seit 2007 ist „ein öffentlicher Golfplatz“ für Göttingen im „Leitbild 2020“ verankert. Spätestens seit einem 2009 beschlossenen Flächentausch zwischen Stadt und GöSF ist die jetzt geplante Fläche im Blick der Golfplatzplaner. Der GöSF gehöre inzwischen der „Löwenanteil“ der benötigten Flächen, so Frey. Er schätzt, dass mehr als 1000 Menschen in Göttingen den Platz künftig nutzen wollen.

„Sensible Fläche“

Mit Bekanntwerden der neuerlichen Golfplatz-Planungen hat sich der Arbeitskreis Göttinger Ornithologen (AGO) um Hans-Heinrich Dörrie und Mathias Siebner gegen das Projekt in Stellung gebracht und fürchten um das „kleine Naturparadies“. Auf der AGO-Internetseite  schreiben sie: „Ein Golfplatz sieht zwar grün aus, man darf aber nicht vergessen, dass es sich dabei um intensiv gedüngte und mit Pestiziden gespritzte Flächen handelt, die mehrmals wöchentlich gemäht werden müssen.“ Die ehemalige Deponie sei Lebensraum vieler bedrohter und seltener Tiere.

Die Göttinger Naturschutzbeauftragte Britta Walbrun sieht das Vorhaben ebenfalls  „absolut kritisch“. Aus Gründen des Naturschutzes sei das Vorhaben kritisch zu bewerten. Sie halte nichts von der „Pseudonaturnähe“ und verweist auf die „wichtigen Rebhuhnvorkommen“ und die jahrzehntelange extensive Nutzung der ehemaligen Deponiefläche.

 Hans-Günter Joger von der Biologischen Schutzgemeinschaft und beratendes Mitglied im Umweltausschuss mahnte eine frühzeitige Information an. Die geplante Fläche sei „sehr sensibel“, warnte er. Ralph Mederake vom BUND fürchtet durch die „Fehlplanung“ um den „Hotspot der Biodiversität“. mib

 
Schulen, Vereine und Uni sind dabei

„Wir haben in der Schule schon häufiger Golfkurse angeboten“, sagt Michael Brüggemann, Schulleiter am Felix-Klein-Gymnasium. Er sei sehr offen was die schulische Nutzung eines neuen Golfplatzes angeht. Durch einen öffentlichen Golfplatz könnte es zu einer „Beckerisierung“ des Golfens kommen, sagt Brüggemann in Anlehnung an den durch Boris Becker in den 80er Jahren ausgelösten Tennis-Boom.

Andre Pfitzner, stellvertretender Vorsitzender des SC Hainberg, sieht seinen Verein bereits als „Partnerverein“ eines künftigen Golfplatzes. „Wir unterstützen diese Pläne, die den Breitensport fördern“, sagt er. Durch einen Golfplatz in Göttingen sieht Pfitzner auch die Chance neue Mitglieder zu gewinnen.

Axel Bauer, Leiter des Hochschulsportes Göttingen, sieht mit einem öffentlichen Golfplatz die Chance, für den Hochschulsport und das Institut für Sportwissenschaften weiterhin Golf anbieten zu können. Die seit 2004 am Klinikum betriebene Driving Range müsse einem Parkplatz weichen. „Daher haben wir Interesse an einer Ausweichmöglichkeit.“

„Das ist ein schönes Konzept. Richtig gut“, sagt Jörg Schnitzerling, Geschäftsführer des ASC. Dem wolle sich der ASC nicht verwehren. Golf sei in der Sportlandschaft willkommen und entwickle sich mehr und mehr zum Breitensport. Auch unter den ASC-Mitgliedern gebe viele Golfer. Wichtig bei der Planung eines neuen Göttinger Platzes sei die Frage, wie dieser sich in das Landschaftsbild einfügt.

Wolfgang Vogelsaenger, Leiter der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule, steht dem Projekt aufgeschlossen gegenüber. „Wenn es umweltverträglich ist und wenn es öffentlich ist und nicht einem elitären Kreis vorbehalten ist“, sagt der Schulleiter. Als Ergänzung im Schulsportbereich seien Projekte oder Arbeitsgemeinschaften denkbar. Vorteilhaft sei die Nähe des Platzes zur Schule.

Klaus Brandl, Direktor des GDA Wohnstifts Göttingen, sieht in einem Golfplatz in Nachbarschaft des Stifts eine Angebotserweiterung für die Bewohner. Er begleite das Projekt mit Wohlwollen.

„Wir sind offen für alles“, sagt Erwin Weil, zweiter Vorsitzende des MTV Geismar. Wie dann eine Zusammenarbeit mit dem neuen Nachbarn aussehen könnte, müsse sich bei Planungen herauskristallisieren. Denkbar seien etwa eine neue Sparte innerhalb des MTV Geismar oder die Gründung eines eigenen Vereins. Die Einbringung des MTV als Wirtschaftsbetrieb wäre möglich, auch dass das Vereinsgelände mit in die Planungen einbezogen wird. mib

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