Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Göttinger Staatsanwaltschaft prüft möglichen Bau-Pfusch

Leerrohr leitet Gas ins Haus Göttinger Staatsanwaltschaft prüft möglichen Bau-Pfusch

Ein Leck in einem Gasrohr tief unter der Erde und ein Leerrohr, das ohne Gasverschluss vom Bürgersteig bis ins Treppenhaus des Grotefend-Gebäudes führte - das waren die beiden Ursachen der verheerenden Gasexplosion am Freitag vorletzter Woche.

Voriger Artikel
Sicherheitslücken im Göttinger Mensa-Bestellsystem
Nächster Artikel
Proberäume der Göttinger Musa wieder geöffnet

Verschmorte Jacke des Sicherheitsmannes nach der verheerenden Gasexplosion.

Quelle: Mischke

Göttingen. Hinzu kam nur noch der Funke, der beim Lichtanschalten das zündfähige Gemisch zur Verpuffung brachte. Die Staatsanwaltschaft Göttingen bestätigt auf Anfrage die Erkenntnis, dass das Gas aus dem Erdreich sich in einem Schacht gesammelt, durch das Rohr ins Haus gelangt ist und sich unter der Decke des Treppenhauses sammelte.

Ob das Verlegen eines solchen 100-Millimeter-Leerrohres für Elektro- und Datenleitungs-Kabel ohne jeden Abschluss aber fachgerecht ist, das lässt die Staatsanwaltshaft erst noch prüfen. Ein Sachverständiger sei dazu beauftragt worden. Er glaube aber nicht und es gebe auch bisher keinen Hinweis darauf, so Staatsanwalt Andreas Buick, dass es eine Vorschrift zur Gasdichtigkeit solcher Anschlüsse gebe. Es müsse ja nicht damit gerechnet werden, dass eine Gasleitung vor dem Haus undicht ist.

Anders sieht man das offenbar bei den Stadtwerken und verweist auf Din-Vorschrift 18322 - 3.7.2. Da heißt es: „Kabel- und Rohreinführungen in Gebäude sind wasser- und gasdicht herzustellen“.  Das war hier offensichtlich nicht der Fall. Das Leerrohr trat im Treppenhaus des Gebäudes offen und ohne jede Abdeckung zutage.

„Eine Einflugschneise für Ratten, wenn man bedenkt, dass auch noch ein Lokal im Haus ist“, sagt einer, der das offene Rohr schon gleich nach der Verpuffung bemerkt hat. Auftraggeber des Einbaus des Kabelrohres war offenbar das Gebäudemanagement der Universitätsmedizin (UMG), die das Blutspendezentrum mit dem UMG-Netzwerk verbunden hat. Wer die Arbeiten so unfachgmäß ausgeführt hat, muss geprüft werden. UMG-Sprecher Stefan Weller teilt auf Anfrage mit, es könne dazu nichts gesagt werden, weil genau diese Frage Gegenstand der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sei und das Verfahren noch schwebe.

Die ermittelnde Polizei Northeim bestätigte am Montag auch auf Anfrage, dass Zeugen aus dem Gebäude ausgesagt haben, schon am Vortag, also am 12. Februar, einen eigenartigen Geruch im Treppenhaus wahrgenommen zu haben. Sie hätten aber nichts unternommen, weil sie diesen nicht mit Gas in Zusammenhang gebracht hätten, sondern angenommen hätten, der Geruch käme aus dem angrenzenden Speiselokal. „Deshalb konnte niemand tätig werden“, so Polizeisprecher Uwe Falkenhain.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Thema des Tages: Steinträume aus der Toskana