Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Göttinger Strafrechtsprofessoren diskutieren mit Studenten über Hanf

„Prohibition ist Anti-Aufklärung“ Göttinger Strafrechtsprofessoren diskutieren mit Studenten über Hanf

Wie sieht der richtige Umgang mit einer illegalen Droge aus, die trotz des Verbots von mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland konsumiert wird? Bei der Podiumsdiskussion „Cannabis – Zeit was zu drehen?!“ des Allgemeinen Studierendenausschuss diskutierten am Mittwochabend die beiden Göttinger Strafrechtsprofessoren Kai Ambos und Gunnar Duttge mit den knapp 400 Studierenden im Hörsaal 008 über das Thema Cannabis und dessen mögliche Entkriminalisierung.

Voriger Artikel
220 Klagen gegen Göttinger Reiningungsgebühr
Nächster Artikel
Göttingen ruft zum „Stadtradeln“ auf

Die Göttinger Strafrechtsprofessoren Kai Ambos (links) und Gunnar Duttge haben mit knapp 400 Studenten der Uni Göttingen über die Legalisierung von Hanf diskutiert.

Quelle: EF/dpa

Göttingen. Ambos sprach sich deutlich für eine Entkriminalisierung von Cannabis aus, nicht aber für eine komplette Legalisierung. Eine straffreie Abgabe an Erwachsene ab 18 Jahren wäre eine Lösung. „Wir wollen kein Laissez-faire. Es gehe auch nicht um Hedonismus.“ Ambos, der zu den Unterzeichnern einer Petition zur Überprüfung des Betäubungsmittelgesetzes gehört, sieht in der Entkriminalisierung die Chance, den Schwarzmarkt trocken zu legen, Preise deutlich zu senken, Kontrolle über die Qualität und Reinheit der Drogen zu bekommen, die einhergehende Beschaffungskriminalität einzudämmen und die Ressourcen von Polizei und Gerichten nicht mehr an die Verfolgung von Cannabisvergehen zu verschwenden. Für ihn ist Prohibition „Anti-Aufklärung“. Sie bringe Kinder in ein kriminelles Milieu.

 
Duttge hingegen hält von einer Entkriminalisierung nicht viel. Das Argument der Justizentlastung überzeuge ihn nicht und eine kontrollierte Abgabe an Erwachsene ab 18 scheitere an der Umsetzbarkeit von effektiven Kontrollen. Auch lasse sich der Schwarzmarkt nicht beseitigen. Es werde immer Menschen geben, die nicht legal an die Droge kämen. Duttge betonte die gesundheitlichen Risiken von Cannabiskonsum. Handlungsbedarf räumte Duttge aber ein bei den in den einzelnen Bundesländern unterschiedlichen Bedingungen für die Einstellung eines Ermittlungsverfahrens wegen Cannabisbesitzes. In Niedersachsen etwa sind bis zu sechs Gramm für den Eigenbedarf geduldet bevor verfolgt und abgeurteilt wird. In anderen Ländern, etwa Berlin oder Hamburg, liege dieser Wert höher. Den häufig herangezogenen Vergleich von Cannabis mit legalen, aber gesundheitsschädlichen Rauschmitteln wie Alkohol oder Tabak lässt Duttge nicht gelten. Auch beim Konsum von Alkohol und Tabak gebe es Probleme. „Dann muss auch hier etwas geändert werden“, sagte Duttge.

 
Für den von den Grünen im Bundestag vorgelegten Entwurf eines Cannabis-Kontrollgesetz, der nicht „sehr weit“ gehe, sieht Ambos wenig Aussicht auf Erfolg. Dieses sei für den Papierkorb geschrieben. Durch die Große Koalition gebe es bei dem Thema eine „massive Blockade“ und „keinen Willen zur Diskussion“. „Und das finde ich unerträglich“, sagte Ambos.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 3. bis 9. Dezember 2016