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Göttinger Tierheim verliert Betreuungsgebiet Bovenden

Streit ums Geld Göttinger Tierheim verliert Betreuungsgebiet Bovenden

Der Einzugsbereich des Göttinger Tierheims ist geschrumpft: Der Flecken Adelebsen sowie die Gemeinden Friedland, Gleichen und Rosdorf haben nach finanziellen Unstimmigkeiten und Kündigung der Verträge durch den Tierschutzverein vor einigen Monaten die Kooperation mit einer privat geführten Tierpension in Nesselröden vereinbart. Eine weitere Gemeinde, der Flecken Bovenden, schließt sich dem jetzt an.

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Übernehmen Aufgaben des Göttinger Tierheims: Pascal und Andreas Hanke (v. l.) mit Fundhund Jack.

Quelle: Richter

Bovenden/Göttingen. Vom 1. Januar an ist „das Tierheim Göttingen nicht mehr Vertragspartner des Flecken Bovenden“, heißt es in einer Mitteilung auf der Internetseite der Gemeinde. Fundtiere würden künftig von der Tierpension Hanke aufgenommen, vermittelt durch das Fundbüro, die Polizei oder im direkten Kontakt zum Inhaber. Vorangegangen war dem Wechsel ein Streit um die Finanzen.

In den vergangenen Jahren bezahlten die Gemeinden dem Tierheim Göttingen jährliche Pauschalen, die sich aus der Einwohnerzahl ergaben. So überwies Bovenden im Jahr 2011 bei Aufnahme von unter anderem 13 Hunden und 18 Katzen aus dem Gemeindegebiet rund 3611 Euro an das Tierheim, im laufenden Jahr für drei Hunde und neun Katzen 3579 Euro.

„Die Pauschale wurde regelmäßig verhandelt und erhöht“, sagt Bovendens Bürgermeister Thomas Brandes (SPD). So auch in diesem Jahr: Der alte Satz von 27 Cent je Einwohner sollte in Absprache mit dem Tierheim auf 35 Cent steigen. „Und dann hieß es plötzlich, wir sollten eine Fallpauschale von 15 376 Euro bezahlen, was einem Einwohnersatz von 1,16 Euro entsprochen hätte“, berichtet Dirk Huhnold, Sachgebietsleiter in der Abteilung Ordnung und Soziales in Bovenden.

Der Flecken forderte eine Offenlegung der Kostenstruktur des Tierheimes, „die wurde uns verweigert“, berichtet Brandes. Versuche, nachzuverhandeln seien schwerer geworden, „es gab atmosphärische Störungen“. Ähnliches erlebten auch die übrigen Gemeinden: „Wir sind uns nicht einig geworden“, berichtet Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD). „Eine konstruktive Zusammenarbeit schien uns nicht mehr möglich“, schildert die Adelebser Ordnungsamtsleiterin Michaela Henrici, warum der Flecken den Vertrag nicht erneuerte.

„Fadenscheinige Argumente“

Wie die übrigen will auch die Gemeinde Rosdorf finanzielle Nachweise vergeblich gefordert haben, „ohne die kann ich eine solch extreme Erhöhung nicht vor der Politik vertreten“, sagt Jörg Kaufmann vom Fachbereich Bürgerservice, öffentliche Ordnung und Bauen. Die Gemeinde Gleichen hatte neben der Preissteigerung weiteres zu beanstanden: „Wir haben in den letzten Jahren kaum noch Rückmeldungen über die Tiere bekommen“, berichtet Bürgermeister Manfred Kuhlmann (SPD).

Aus Sicht von Ulf Kober, Vorstandsmitglied des Tierschutzvereins Göttingen und Umgebung, sind all das „fadenscheinige Argumente“. Seit 20 Jahren gebe es die Verträge mit den Gemeinden, nur wenige Male seien die Pauschalen erhöht worden „und jetzt sind wir mit dem Geld nicht mehr ausgekommen“. Beispielsweise seien für das Jahr 2012 Kosten in Höhe von 32 000 errechnet worden, „17 000 haben die Gemeinden bezahlt“. Die Kommunen hätten Fundtierzahlen eingefordert, „und die haben wir geliefert.“

Mit der Einführung von Fallpauschalen lande das Tierheim etwa im Bereich der Zuschusshöhe, die der Deutsche Tierschutzbund für Fundtierverträge empfehle – „einen Euro je Einwohner“, sagt Kober. Das Ausscheren der fünf Gemeinden sei kein Problem. „Wir sind immer noch für die Stadt Göttingen und die Samtgemeinden Dransfeld und Radolfshausen zuständig.“ Räumlich und personell könne sich das Wegfallen von Fundtieren sogar „entspannend“ auswirken.

Domizil für Fundtiere

Nesselröden. Wo früher Kälber lebten, können heute Hunde und Katzen ein vorübergehendes Domizil finden. Andreas Hanke betreibt auf einem Aussiedlerbauernhof an der Landesstraße 569 bei Nesselröden eine Tierpension, die seit der Jahresmitte Fundtiere aus den Gemeinden Gleichen, Adelebsen, Friedland, Rosdorf und ab Januar auch aus der Gemeinde Bovenden aufnimmt. Für die vierbeinigen Gäste hat Hanke ein Stallgebäude ausgebaut und mit drei Zwingern und einem Katzenhaus ausgestattet.

„Die Gemeinden, die zuvor einen Vertrag mit dem Tierheim Göttingen hatten, haben mich unterstützt und mir einen kleinen Obolus für den Umbau gegeben“, sagt der 46-Jährige und ergänzt: „Einmal im Jahr bekomme ich eine Pauschale für den Unterhalt der Tiere.“ 15 Tiere hat Hanke bislang aufgenommen, darunter auch drei Kaninchen. Derzeit leben hier ein Jack-Russell-Terrier, der im Juli in der Gemeinde Friedland gefunden wurde, und vier Katzen.

Ein Kater ist im Quarantänebereich, in dem alle neuen Tiere mindestens die ersten zehn Tage verbringen. Hier werden sie auf Flöhe, Würmer und Krankheiten untersucht. „Nach einem Monat versuche ich, die Tiere zu vermitteln“, erläutert der Betreiber. Die neuen Halter müssten sich allerdings darauf einstellen, dass der rechtmäßige Besitzer einen Anspruch darauf hat, sein Tier innerhalb der ersten sechs Monate zurückzuerhalten. 

Inspiriert von einem Fernsehbeitrag hatte Hanke 2006 die Tierpension zusammen mit seiner Lebensgefährtin Andrea Blochmann eröffnet, seit 2009 ist er alleiniger Betreiber, zum 1. Juli 2015 möchte er seinen 22-jährigen Sohn Pascal anstellen, der eine Ausbildung als Hundetrainer absolviert.

„Wichtig ist, dass man tierlieb ist, außerdem muss man Hunden auch mal ihre Grenzen aufzeigen“, beschreibt Hanke  wichtige Anforderungen an den Betreiber einer Tierpension und fügt schmunzelnd hinzu: „Katzen machen sowieso, was sie wollen.“

Die Ausstattung auf dem vom Landwirt Georg Zwingmann gepachteten Areal will Hanke noch beträchtlich erweitern und hierzu einen entsprechenden Antrag bei der Stadt Duderstadt stellen. Pro Gemeinde, aus denen er Fundtiere erhält, möchte der Eichsfelder jeweils einen Zwinger für handzahme und nicht handzahme Tiere errichten. Damit Haustiere gar nicht erst hierher kommen, hat Hanke einen konkreten Appell: „Man sollte sie chippen und registrieren lassen.“

Von Axel Artmann

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