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Göttinger Verbände sehen EU-Naturschutz-Initiative skeptisch

Online-Initiative Göttinger Verbände sehen EU-Naturschutz-Initiative skeptisch

Seit 1979 beziehungsweise 1992 sind die Vogelschutzrichtlinie und die sogenannte Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie der Europäischen Union (EU) Kraft. Jetzt will die EU-Kommission diese Naturschutzvorschriften im Rahmen einer Online-Umfrage einem „Eignungstest“ unterziehen. Umwelt-Verbände im Landkreis Göttingen beurteilen die Online-Initiative eher skeptisch.

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Quelle: Pförtner

Göttingen. Die Göttinger Kreisverwaltung, so Sprecher Ulrich Lottmann, „begrüßt die Initiative der EU-Kommission“. Damit werde „zugleich Interesse an diesem wichtigen Thema geweckt, Transparenz hergestellt und eine Möglichkeit der Mitsprache geschaffen“. Als positiv, weil das der Transparenz dient, bewertet auch Sibylle Susat, Geschäftsführerin des Naturparks Münden, die EU-Online-Umfrage. Das „wäre schon viel früher notwendig gewesen, zum Beispiel bei der Festlegung von FFH-Flächen“, meint sie.

Eher skeptisch steht hingegen Jürgen Endres vom Naturschutzbund (Nabu) der Samtgemeinde Dransfeld dem „Eignungstest“ gegenüber. „Es muss bezweifelt werden“, sagt er, ob dahinter „die wirkliche Absicht steht, den Natur- und Artenschutz in Europa zu optimieren“. Vielmehr befürchtet er, dass dieser „Fitness-Check“ einer nachfolgenden „Entbürokratisierung“ den Weg ebnen und bestehende Umweltstandards aufgeweicht, wenn nicht abgebaut werden sollen“. Darüber hinaus sei zu erwarten, dass „einflussstarke Lobby-Verbände der Naturnutzer und -verbraucher gezielt versuchen werden, alleine durch ihre Masse und in ihrem Sinne weitreichenden Einfluss auf das Meinungsbild zu nehmen“.
Endres stellt zudem Wirksamkeit und Erfolg der EU-Naturschutzauflagen in Zweifel. Auch Ann-Kathrin Schmidt von der Göttinger Kreisgruppe des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sagt: „Trotz vieler Auflagen, welche die EU in Sachen Naturschutz macht, sind derzeit nur selten positive Entwicklungen unserer Biodiversität zu verzeichnen.“ Das EU-weite Ziel, den Artenschwund bis 2010 zu stoppen, sei „weit verfehlt worden“. Darin sind sich Schmidt und Endres einig.

„Die angestrebte Vernetzung der Natura 2000-Gebiete“, so Endres, sei „fast überall defizitär“. Südniedersachsen mache da kaum eine Ausnahme. Kleine Erfolge vor Ort würden oftmals durch ein Mehrfaches an Naturzerstörung an anderer Stelle wieder zunichte gemacht, sagt Endres. Außerdem würden naturnahe Areale nicht selten Begehrlichkeiten bei diversen Interessensgruppen wecken, meint Endres und nennt den geplanten Golfplatz im Süden der Stadt Göttingen als Beispiel.

Schmidt argumentiert ähnlich. Sicher sei die Situation in Südniedersachsen nicht so prekär wie in anderen Teilen Niedersachsens, „doch auch hier führen besonders die Methoden der modernen Landwirtschaft zum Rückgang vieler Arten.“ Weite Bereiche seien bereits „ausgeräumt“, nur noch selten finde man wertvolle Wegerandstreifen und Feldgehölze, welche besonders für die Vernetzung von Lebensräumen und somit für die Erhaltung vieler Arten von großer Bedeutung seien. „Hier besteht in Südniedersachsen dringender Handlungsbedarf“, so Schmidt.

EU-Online-Konsultation

Im Rahmen einer sogenannten Online-Konsultation sollen Bürger und Organisationen ihre Meinung zur Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) und die Vogelschutzrichtlinie abgeben. Damit soll geprüft werden, wie die beiden Instrumente in der Praxis funktionieren und ob die angestrebten Umweltschutzziele erreicht werden. Die FFH-und die Vogelschutzrichtlinie sind die Grundlage für das „Natura 2000“-Netzwerk, ein europäisches Netz von zusammenhängenden Naturschutzgebieten, das die Bewahrung und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt zum Ziel hat. Allein in Deutschland gab es im Jahr 2014 laut Bundesamt für Naturschutz 5345 „Natura-2000“-Gebiete. Im Landkreis Göttingen gibt es 19 gemeldete FFH-Gebiete. Darüber hinaus gibt es im Rahmen des „Natura-2000“-Netzwerkes das Vogelschutzgebiet „Unteres Eichsfeld“ mit einer Größe von 13 700 Hektar.

Infos zur EU-Online-Umfrage mit weiterführenden Links:
gturl.de/EU-Umfrage

Unterlagen des Landkreises Göttingen zum Thema FFH-Gebiete: gturl.de/FFH-landkreis

Allgemeine Infos über FFH-Richtlinie und Vogelschutzrichtlinie: gturl.de/FFH-Info. be

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