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Göttinger Verein "NS-Familien-Geschichte"

Rolle von Familienmitgliedern im Nationalsozialismus Göttinger Verein "NS-Familien-Geschichte"

Es ist ein Thema, das in vielen Familien ausgeblendet wird – die Verstrickung von Familienmitgliedern in die Verbrechen des Nationalsozialismus. Der Göttinger Roland Laich hat sich mit seinem Verein "NS-Familien-Geschichte" auf Spurensuche gemacht.

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Göttinger mit Nazi-Vergangenheit: Ehemaliger Oberbürgermeister Bruno Jung.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Kaum einer fragt in der Familie nach, aber alle hätten den Grund dazu“, meint Laich. Er selbst hat gemeinsam mit Katrin Raabe genau diese Frage gestellt und die Rolle der eigenen Familien im Nationalsozialismus ausgeleuchtet.

Für Laich begann das alles nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2006. Im Nachlass entdeckt er Feldpostbriefe seines Großonkels, der als Wehrmachtssoldat im besetzten Frankreich eingesetzt war und dort gegen die Résistance im Zentralmassiv eingesetzt wurde. „Ich war erschrocken, was in den Unterlagen für krudes, antisemitisches Zeug geschrieben wurde“, sagt Laich.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt des Vereins ist die Geschichte des Göttingers Friedrich Schmidt, der ab 1940 für die Gestapo in Luxemburg im EInsatz und dort an vielen schweren Verbrechen beteiligt war. Schmidt war es auch, der die beiden Hobby-Historiker auf die Nazi-Vergangenheit des ehemaligen Göttinger Oberbürgermeisters Bruno Jung brachte. In einer Akte fanden Laich und Raabe den Bericht von zwei luxemburgischen Fahndern, die bereits 1946 nach Göttingen kamen, um Schmidt und Jung zu verhaften.

Schmidt zumindest kehrte zwar nach der Flucht aus der Kriegsgefangenschaft in die Universitätsstadt zurück, lebte jedoch zunächst unter falschem Namen. Ein Todesurteil gegen ihn durch ein französisches Militärtribunal konnte nicht vollzogen werden, später wurde es durch eine Generalamnestie aufgehoben.

Mittlerweile arbeitet der Verein mit der Universität Trier zusammen, deren Historiker sich jetzt intensiv mit der Zeit der Besatzung in Luxemburg auseinandersetzen. Auch mit anderen Vereinen arbeitet "NS-Familien-Geschichte" zusammen. Im Zuge dieser Zusammenarbeit kam es auch zu einer Ausstellung  im Elsass, bei der Laich mit seinen Recherchen die Täterseite darstellen konnte.

Eine sehr große Ehre, findet Laich. „Es ist schön, dass wir hier etwas aufdecken konnten, viel zu viel wird verschwiegen“, meint er und appeliert: „Traut den alten Familienlegenden keinen Millimeter.“

Der Verein war es auch, der forderte, den Bruno- Jung-Weg im Ostviertel umzubenennen, weil sich der ehemalige Göttinger Oberbürgermeister im Nationalsozialismus schuldig gemacht habe. Der Kulturausschuss des Rates der Stadt Göttingen hat die Umbenennung der Straße unlängst einstimmig empfohlen.

Lehrpfad zur NS-Geschichte

Das aktuelle Projekt des Vereins, der digitale Lehrpfad zur NS-Geschichte, ist für einen Preis der Google Impact Challenge, dessen Schirmherrin Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) ist, nominiert. Bis Mittwoch kann noch für den Verein abgestimmt werden: www.ns-familien-geschichte.de

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