Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Göttinger Verkehrsbetriebe: Kaum noch Beschwerden über Liniennetz

Zehn Prozent mehr Fahrgäste Göttinger Verkehrsbetriebe: Kaum noch Beschwerden über Liniennetz

„Offensichtlich hat es sich gut eingespielt.“ Das hat Thomas Zimmermann, Betriebsleiter der Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) aus der Tatsache geschlossen, dass die Zahl der Kundenbeschwerden merklich zurückgegangen sei. Außerdem sei die Zahl der Fahrgäste um rund zehn Prozent angestiegen.

Voriger Artikel
45 Jahre alter Fiat Oldtimer in Göttingen gestohlen
Nächster Artikel
35-jähriger Göttinger nach Erpressungsversuch in Haft

Über das neue Göttinger Busliniennetz gibt es kaum noch Beschwerden.

Quelle: CH

Göttingen. Zur Einführung des neuen Göttinger Busliniennetzes in November 2014 und hagelte es reichlich Kritik der Fahrgäste. Zu umständlich, zu knappe Anschlusszeiten, schlechtere Anbindung, Verspätungen – das waren nur einige der Beschwerden, die bei den GöVB eingingen. Daraufhin wurde bei einigen Linien nachgebessert und die Änderungen zum Fahrplanwechsel im April aufgenommen. „Anfangs gab es viele Beschwerden, jetzt hört man garnichts mehr“, sagt Zimmermann und gesteht zu, dass mancher vielleicht auch einfach resigniert haben könnte. Und: Lob gebe es im Vergleich zu kritischen Äußerungen meist nicht.

 
 „Wir wissen, dass wir in einigen Bereichen weniger Leistung anbieten“, sagt Zimmermann und nennt zum Beispiel den Bereich Mittelberg. An anderen Stellen habe die Neustrukturierung des Göttinger Busliniennetzes aber Verbesserungen gebracht. Ausgebaut worden sei etwa das Angebot auf den Zietenterrassen. Allein in den dort fahrenden Linien betrage der Fahrgastzuwachs 25 Prozent, so der GöVB-Betriebsleiter. Als richtig hätten sich auch die Änderungen im Bereich Uni-Nord und Klinikum erwiesen, wo die Fahrgastzahlen ebenfalls angestiegen seien. Als ein Grund für das Plus an Bus-Nutzern nennt Zimmermann das Semesterticket für Studenten.

 
 „Eingepegelt“ habe sich der Schülerverkehr, wo es anfangs im Bereich des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) noch etwas hakte. Hauptproblem seien dagegen aus Sicht der GöVB nach wie vor die Verspätungen. „Wir würden uns eine erweiterte Busbeschleunigung wünschen“, sagt Zimmermann. Im Bereich Weender Tor gebe es zwar eine solche Busbeschleunigung, besser wäre aber, die Ampelschaltungen zum Beispiel entlang der gesamten Linie 21 anzupassen. Dann wären die Fahrgäste in der Summe schneller am Ziel, sagt Zimmermann. Viel Zeit „aufgrund massiver Behinderungen“ verlieren die Busfahrer zum Beispiel im Bereich Theodor-Heuss-Straße und Goßlerstraße. Letztere ist als Fahrradstraße ausgewiesen. Unter anderem deshalb fährt seit Einführung des neuen Liniennetzes hier nur noch eine statt zuvor drei Linien, was zu viel Kritik geführt hatte.

 
Zurzeit werde mit der Stadt überlegt, ob wieder eine weitere Linie in die Goßlerstraße verlegt werde. Das funktioniere aber nur, wenn über den „ruhenden Verkehr“ gesprochen werde, meint Zimmermann.

 

GÖVB
Die Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) bedienen 27 Linien im Stadtgebiet (sowie bis Bovenden und Rosdorf). 19 davon sind Tag-, acht Nachtlinien. Die durchschnittliche Fahrgastzahl beträgt etwa 57 000, die Busse fahren fahrplanmäßig etwa 12 000 Kilometer. be
 
Neun Monate mit dem neuen Busliniennetz

Vor neun Monaten ist das Göttinger Busliniennetz umstrukturiert worden. Wie haben sich die Göttinger heute damit arrangiert? Eine Umfrage zeigt, dass es noch immer Klagen gibt. „Für uns Studenten hat sich eigentlich nichts verändert“, so Dominik Klein, der vom ZOB zur Uni Nord möchte. Zur Uni zu kommen, sei einfach. Außerdem hätten die meisten Studierenden Fahrräder. Doch nicht alle nehmen das neue System so gelassen an. Es dauere länger, zur Arbeit zu kommen. Vor allem in den frühen Morgenstunden würden die Busse nur selten fahren, sagten mehrere Passanten.

 
„Es gibt zwar einen Bus, der morgens um 5 Uhr in die Innenstadt fährt, aber keinen vernünftigen Anschlussbus. Gerade am Wochenende ist es schwierig“, sagt Ilona Werner, die im Klinikum arbeitet. Anke Janthor und Anna Byelyetska beklagen, dass die einzelnen Fahrpläne nicht aufeinander abgestimmt und die Wartezeiten zum Teil unzumutbar seien. Über eine Stunde muss auch Frank Harder aus Stockhausen häufig auf seinen Bus warten. „Die Leute in der Stadt interessieren sich einfach nicht für die von außerhalb“, beklagt er. Andere Fahrgäste haben den Eindruck, es werde nicht genug Rücksicht auf ältere Menschen genommen, sondern der Fokus auf die Studierenden gelegt.

 
Es gibt jedoch auch positive Stimmen. „Die Menschen müssen sich einfach einmal damit beschäftigen“, sagt eine Frau. „Wenn sie das System erst begriffen haben, ist es gut.“

 
Eine andere sieht in der Diskussion lediglich ein sozialpsychologisches Phänomen: „Das Neue ist schlecht, weil es ungewohnt ist.“ Ihr Lösungsvorschlag: „Annehmen, verstehen, akzeptieren.“ Ähnlich sehen das auch einige der Busfahrer selbst.„Ich musste mich erst einmal daran gewöhnen, nach 20 Jahren mit dem alten System. Aber es bringt ja nichts, sich aufzuregen.“ js

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Britta Eichner-Ramm

Schauspieler-Casting im Göttinger „Kauf Park“