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Göttinger berichtet von Besuch im türkisch-syrischen Grenzgebiet

Unterwegs in Kurdistan Göttinger berichtet von Besuch im türkisch-syrischen Grenzgebiet

Ohnmacht. Als Jörg Rethemeier in der vergangenen Woche mit den Göttinger Kurden im Protestcamp am Gänseliesel stand, war ihm bewusst: Viel verändern können er und seine Mitstreiter von Deutschland aus nicht an der Situation der Kurden im Dreiländereck von Syrien, Irak und der Türkei. „Aber ich kann hier informieren“, sagt der 30-jährige Göttinger.

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An der Grenze zwischen der türkischen Stadt Suruc und dem syrischen Kobane: Kurdische Flüchtlinge treffen auf türkische Polizei.

Quelle: EF

Göttingen. Informieren über das Elend in den Flüchtlingslagern im Nordirak, über das Schicksal der Kurden im türkisch-syrischen Grenzgebiet, in der von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ belagerten und hauptsächlich von Kurden bewohnten Stadt Kobane in Syrien.

Rethemeier hat sich vor Ort ein Bild von der Situation in der Region Rojava, den autonomen kurdischen Gebieten, gemacht. Vom 11. bis 27. September war er während einer vom Verband der Studierenden aus Kurdistan (YXK) organisierten Delegiertenreise in der Region unterwegs.

Auch wenn es auch innerhalb der kurdischen Bevölkerung viele Meinungen und politische Strömungen gebe, auf eines könnten sie sich einigen: „Der Islamische Staat (IS) ist die neue Barberei“, sagt Rethemeier. Flüchtlinge im Lager Bajed Kandala hätten ihm berichtet, dass es in den Dörfern zu kollektiven Selbstmorden gekommen sei, nur um nicht in die Hände des IS zu fallen.

„Ohne jegliche Perspektive“

Die mehr als 8000 Menschen in dem Lager, darunter viele Jesiden, die vor dem IS aus dem Sindschar-Gebirge geflohen seien, säßen buchstäblich im Dreck. „Ohne jegliche Perspektive“, sagt Rethemeier. Bei knappen Lebensmittelrationen fristeten sie ihr Leben in der gigantischen, staubigen Zeltstadt nahe des Tigris.

Die medizinische Versorgung in vom UN-Flüchtlingshilfswerk unterstützten Lager ist rudimentär und wird von Freiwilligen geleistet. Er habe Menschen getroffen, deren Schusswunden nur mit Antibiotika und Pflaster versorgt worden seien, sagt Rethemeier. Psychologische Betreuung der traumatisierten Flüchtlinge, darunter viele Kinder, gebe es nicht.

Während der Reise spitzte sich die Lage in Kobane zu. Rethemeier hielt sich mit seinen 20 Mitreisenden in der Grenzregion nahe der türkischen Stadt Suruc auf, die sich in zehn Kilometern Luftlinie zu Kobane befindet. Dort habe es in der kurdischen Bevölkerung Proteste gegen die Unterstützung des IS durch die Türkei gegeben.

Tote billigend in Kauf genommen

Dabei habe die türkische Polizei Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt, Fahrzeuge seien in Menschengruppen gefahren. Die Polizei habe Tote billigend in Kauf genommen, sagt Rethemeier. Längst ist die Grenze zu beiden Seiten gesperrt. Weder könnten Flüchtlinge aus Syrien in die Türkei, noch könnten kurdische  Kämpfer nach Kobane.

Rehtemeier fordert, dass Deutschland den Druck auf die Türkei erhöht. So beliefere die Türkei den IS mit Waffen. Würde Deutschland zudem das Verbot der PKK aufheben, könnte diese gegen den IS mit Waffen versorgt werden.
Bilder unter: gturl.de/rojava

Rethemeier berichtet am Montag, 20. Oktober, bei einer Veranstaltung der Antifaschistischen Linken International und des YXK über die Reise. Beginn: 19 Uhr im Holbornschen Haus, Rote Straße 34.
 

Grenzposten Semalka

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