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Göttinger verzocken 14 Millionen Euro im Jahr

Automatensteuer 2014 Göttinger verzocken 14 Millionen Euro im Jahr

Das Glücksspiel hat in Göttingen offenbar Hochkonjunktur. Seit Jahren steigen die Summen, die dabei umgesetzt werden. Davon profitiert auch die Stadt Göttingen. Allein im vergangenen Jahr nahm sie über die Automatensteuer 2,1 Millionen Euro ein. Rekord. Der Steuersatz betrug 15 Prozent.

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Auch wenn das Online-Glücksspiel boomt: Die meisten Spielsüchtigen zocken am Automaten.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Demnach haben die Zocker 2014 rund 14 Millionen Euro in Geldspielautomaten in der Stadt Göttingen gesteckt. Im Jahr 2013 waren es beim selben Steuersatz 12,7 Millionen Euro, was der Stadt immerhin noch rund 1,9 Millionen Euro an Einnahmen bescherte.

Dabei ist die Zahl der Geldspielautomaten in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben, wie Verwaltungssprecher Detlef Johannson auf Anfrage mitteilt. Demnach waren 2014 463 Geldspielgeräte in Spielhallen und Kneipen in Betrieb, im Jahr 2013 waren es 465. Die Spieler scheinen also immer größere Summen zu verzocken – oder es werden immer mehr.

Uta Dormann von der Göttinger Fachstelle für Sucht- und Suchtprävention verzeichnet jedenfalls seit Jahren eine konstant hohe Zahl an Beratungsfällen. Allein 2014 seien es gut 100 gewesen. „Die meisten davon sind selbst betroffen, einige sind aber auch Angehörige“, erklärt Dormann. Die Zahlen seien jedenfalls alarmierend. Die Dunkelziffer liege noch um einiges höher.

Auch wenn besonders das Online-Glücksspiel zu einem immer größeren Problem werde: Die meisten Zocker, die in der Beratungsstelle Hilfe suchten, seien Automatenspieler, sagt Dormann. Viele verwetten zudem noch einen Teil ihres Geldes. Der Einstieg in die Glücksspielsucht erfolge meist schon im Jugendalter, manchmal sogar im Kindesalter, sagt Dormann. Einmal durch den Kick eines Gewinnes angefixt, lässt viele das Zocken nicht mehr los. „Das ist wie bei einem Alkoholiker.“
Die Folgen sind fatal. „Oft ist das Geld schon am Monatsanfang verspielt“, hat Dormann in ihren Gesprächen mit den Betroffenen, die meisten davon Männer, erfahren. Andere Geldquellen müssen her. „Dann fallen oft alle Hemmungen, das geht bis zu Betrugsdelikten und Straftaten.“ Selbst Angehörige werden bestohlen. Leidtragende sind aber auch die Spielsüchtigen selbst. „Die Leute haben hinterher starke Schuldgefühle, sind verzweifelt, viele werden depressiv“, sagt Dormann. Das bewege die meisten dazu, sich helfen zu lassen. „Aber auch die Angehörigen spielen eine wichtige Rolle.“ Und was ist mit den Anbietern von Glücksspiel? Das sei ein schwieriges Feld, sagt Dormann. Nur Spielbanken müssten aktiven Spielerschutz betreiben. Für Spielhallen hingegen gebe es in Niedersachsen keine Verpflichtung, Spieler zu sperren, wenn diese zu viel Geld verzocken. „Manche machen es aber freiwillig und sprechen eine Art Hausverbot aus.“
Beratung bei der Fachstelle für Sucht- und Suchtprävention im Diakonieverband Göttingen, Schillerstraße 21, oder unter Telefon 05 51 / 7 20 51. E-Mail: suchtberatung.goettingen@evlka.de.

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