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Göttingerin findet nach Urlaub 60 Fledermäuse in ihrer Wohnung

Invasion der Fledermäuse Göttingerin findet nach Urlaub 60 Fledermäuse in ihrer Wohnung

Kot und Urin auf dem Boden, Gestank im ganzen Zimmer: Katrin Redemann hat nach der Rückkehr aus dem Urlaub eine böse Überraschung erlebt. Bis zu 60 Fledermäuse hatten es sich während ihrer Abwesenheit in ihrer Wohnung in Geismar gemütlich gemacht. Schuld war ein gekipptes Fenster.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Das Fenster hatte eine Freundin von ihr offen gelassen, die für sie die Blumen goss und ihre Katze versorgte. Als Redemann jetzt abends nach langer Fahrt und drei Stunden Stau aus dem Urlaub heimkehrte, traute sie ihren Augen nicht. In einem Zimmer ihrer Wohnung im vierten Stock hatten sich dutzende kleiner Fledermäuse niedergelassen. „Ich habe schwere Vorhänge. Die hingen in jeder Falte, von oben bis unten“, erzählt die 61-Jährige. „Gott sei Dank“ sei die Zimmertür geschlossen gewesen, sonst hätten sich die Fledermäuse in der ganzen Wohnung verteilt.

Auch so war der Aufwand enorm, die kleinen Säuger wieder loszuwerden. „Drei Stunden habe ich gebraucht, um die Fledermäuse wieder aus dem Zimmer zu scheuchen“, erzählt Redemann. Dazu habe sie das Fenster weit geöffnet und ein Kehrblech benutzt. „Das war eine elende Aktion“, sagt sie. Immerhin seien es an die 60 Tiere gewesen. Angst habe sie nicht gehabt. „Ich hatte schon mal eine Fledermaus in der Wohnung.“

Dafür waren die ersten Tage nach ihrem Urlaub alles andere als entspannend. „Ich musste alles sauber machen, das stinkt ja auch“, sagt Redemann. Überall befanden sich „kleine Köttel und Urinflecken“. Tagelang schrubbte sie den Boden, wusch Teppiche und Gardinen. Ihrer Freundin macht sie keinen Vorwurf, dass diese das Fenster offen ließ. „Das war ja nur ein ganz kleiner Zwischenraum. Unglaublich, dass die Fledermäuse da überhaupt durchgepasst haben“, sagt Redemann. In Zukunft will sie ihre Fenster aber doch lieber geschlossen lassen, wenn sie längere Zeit nicht zu Hause ist.

Nachgefragt

Was kann man tun, wenn sich Fledermäuse in eine Wohnung verirrt haben? Wie kann man sie fernhalten? Sind sie womöglich gefährlich? Hans-Joachim Haberstock ist Fledermaus-Regionalbetreuer im Auftrag des Landkreis Göttingen – und weiß, wie man mit den kleinen Säugern umgehen muss.
GT: Herr Haberstock, 60 Fledermäuse in einer Wohnung. Haben Sie so etwas schon mal erlebt?
Haberstock: Es kommt immer wieder mal vor, dass Fledermäuse in Wohnungen fliegen, manchmal eine, manchmal auch mehrere. Aber 60 Fledermäuse, das ist eher selten.

Wieso verirren sich Fledermäuse manchmal in Wohnungen - und bleiben dort dann auch?
In der Regel handelt es sich dabei um Jungtiere, die ihre Wohnstube verlassen haben und ihre Umgebung erkunden. Das ist jetzt genau ihre Zeit. Durch ein gekipptes Fenster zu fliegen, ist für die kleinen Fledermäuse leicht. Nur wieder herauszukommen, das ist schwierig.

Was sollte jemand tun, in dessen Wohnung sich eine Fledermaus verirrt hat?
Er sollte erst einmal das Fenster aufmachen und abwarten, ob die Fledermaus von alleine rausfliegt. Eventuell kann man auch mit einem Staubwedel nachhelfen. Manchmal hilft es auch, ein wenig Lärm zu machen. Wenn das nicht hilft, sollten die Tiere vorsichtig von ihrem Platz abgenommen und rausgesetzt werden. Dabei sollte man aber auf jeden Fall Handschuhe tragen, weil vor allem ausgewachsene Fledermäuse heftig beißen können. Außerdem können Fledermäuse wie alle Wildtiere Krankheiten übertragen.
Wie verhindert man es, dass Fledermäuse in eine Wohnung fliegen?
Man kann ja nicht den ganzen Sommer über die Fenster geschlossen halten. Stattdessen sollte man Fliegengitter benutzen und an Balkontüren Flatterbänder anbringen. Die Fledermäuse erkennen auch diese kleinen Hindernisse mithilfe ihrer Schallwellen sehr gut.
Müssen sich Menschen vor Fledermäusen fürchten?
Auf keinen Fall. Fledermäuse sind sehr liebe Tiere und obendrein noch nützlich. Als reine Insektenfresser helfen sie den Menschen. Wenn jemand aber ein Problem mit ihnen hat, helfe ich gerne. Ich habe immer eine Idee.

Hans-Joachim Haberstock ist erreichbar per E-Mail an haberstock@gmx.de oder telefonisch unter 0 55 02/35 49 oder 01 51 /54 83 89 52.

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