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Göttingerinnen stellen Antrag an die UNESCO

Weniger Zeit, immer höhere Versicherungskosten Göttingerinnen stellen Antrag an die UNESCO

Weniger Zeit, immer höhere Versicherungskosten – den Hebammenberuf auszuüben, wird immer schwieriger. Um die Jahrhunderte alte Kunst zu bewahren, haben zwei Göttingerinnen jetzt einen Antrag eingereicht, um das Hebammenwesen zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO erklären zu lassen.

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Machen sich für den Hebammen-Beruf stark v.l.:Lisa von Reiche, Hebamme, 2. Vorsitzende vom Verein Hebammen für Deutschland, Barbara Hirt, Herausgeberin von kidsgo und Koordination und Redaktion des Antrags, Deike Terruhn und Ruth Pinno, Hebamme, 1. Vorsitzende vom Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands und Susanne Steppat, Hebamme, Mitglied im Präsidium des Deutschen HebammenVerbandes.

Quelle: EF

Göttingen. Seit 2006 können Kuturerbe, wie zum Beispiel Bräuche, Wissen und Fertigkeiten, in die Liste der UNESCO aufgenommen werden. Ein deutsches Kulturerbe ist bisher nicht verzeichnet, Deutschland hat aber die Genossenschaftsidee eingereicht, über die 2016 entschieden werden soll.

Auch wenn die Eintragung in das Verzeichnis der immateriellen Kulturerbe ein symbolischer Akt ist, ist in jedem Fall Aufmerksamkeit garantiert. Und das wollen sich Barbara Hirt und Deike Terruhn aus Göttingen zu Nutze machen. „Das Hebammenwesen stirbt aus, aber es geht nicht nur um die Hebammen selbst“, erklärt Hirt, Verlegerin und selbst Mutter von drei Kindern. „Es geht auch um Familien, Mütter und nicht zuletzt auch die Babies, die zur Welt gebracht werden.“

Die Arbeit der Hebammen umfasse viel mehr als Geburtshilfe, heißt es dazu in dem 55-seitigen Antrag. „Die weisen Frauen begleiten die (werdenden) Mütter vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der
Stillzeit, das können zwei Jahre und mehr sein.“ Für Terruhn ist klar: „Die Hebamme ist die Vertraute an meiner Seite.“

Von Terruhn, die ebenfalls Mutter dreier Kinder ist und etliche Stunden, vorzugsweise nachts, mit der Recherche für den Antrag verbrachte, stammt auch die Idee für den Antrag. „Es war eine Idee, die nur noch gepflückt werden musste“, findet Terruhn. Geburten seien heutzutage fast schon technisiert, zuviel Augenmerk werde auf Risiken, abnorme Verläufe und Entwicklungen gelegt. „Das ganze System ist verkehrt“, sagt Terruhn.

„Wir sind nicht krank, wir sind nur schwanger.“ Die Hebamme könne dabei helfen, eine Geburt auf natürlichem Wege durchzuführen. Mit dem Antrag, der auch von drei großen Hebammenverbänden unterstützt wird, wollen die beiden Initiatorinnen die Hebammen auch politisch unterstützen. „In den letzten Jahren ist die Haftpflichtversicherung für Hebammen von 400 Euro auf 6500 Euro pro Jahr gestiegen“, erklärt Hirt. „Das lässt sich nicht finanzieren.“ Und Terruhn ergänzt: „Hier wird eine Weltkultur mit Füßen getreten.“

bk

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