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Götttinger Freizeit In schmeißt AfD raus

Offener Brief Götttinger Freizeit In schmeißt AfD raus

Nachdem die Göttinger Jusos und die Grüne Jugend (GJ) in einem offenen Brief die Verantwortlichen des Hotels Freizeit In am Montag aufgefordert hatten, eine geplante Vermietung von Räumen an die Partei Alternative für Deutschland (AfD) zu überdenken, hat nun Freizeit-In-Geschäftsführer Olaf Feuerstein die Reißleine gezogen.

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Freizeit-In-Geschäftsführer Olaf Feuerstein

Quelle: Hinzmann

Göttingen / Groß Ellershausen. „Nachdem ich persönlich heute durch Ihren Hinweis Kenntnis der von der AfD in unserem Hause geplanten Veranstaltung erlangt habe, hat die Hotel Freizeit In Gmbh sofort der AfD die Vereinbarung zur Raumbereitstellung gekündigt“, schreibt Feuerstein an Jusos und GJ.

Diese Veranstaltungsbuchung der AfD hätte erst gar nicht zu Stande kommen dürfen, sie sei den Mitarbeitern „durchgerutscht“, sagte Feuerstein. Üblicherweise bearbeite er selbst „alle Veranstaltungsanfragen“ politischer Parteien. „Bestimmte Parteien und deren Ansichten allerdings gefährden den Geschäftsbetrieb, die Sicherheit und das Ansehen unseres Hauses, und deren vertretenen Inhalte entsprechen auch nicht unserer weltoffenen Haltung“, sagte Feuerstein.

Der offene Brief der Jusos und GJ bezieht sich auf eine für Dienstag, 12. Mai, von den AfD-Kreisverbänden Northeim und Göttingen / Osterode geplanten  öffentlichen Veranstaltung zum Thema „Inklusion: eingelöstes Menschenrecht oder Irrweg der Bildungspolitik“ mit Referent Prof. Heiner Willenberg. Willenberg ist emeritierter Erziehungswissenschaftler und AfD-Unterstützer. Jusos und GJ hatten für den Veranstaltungstag eine Kundgebung vor dem Hotel angekündigt.

Weiter wenden sich Jusos und GJ gegen die „rückwärts gewandte Gesellschaftspolitik“ der AfD, ihre „rechtspopulistische“ und „national-konservative“ Ausrichtung. Nach Auffassung von Silke Hansmann, Vorsitzende des Juso-Unterbezirkes, hat sich die AfD mit ihrem „Gedankengut“ so rechts positioniert, dass die Veranstaltung lieber verhindert werden sollte, statt in die Diskussion einzutreten.

Die beiden AfD-Kreisverbände haben sich noch nicht zu dem Brief und der Absage geäußert. Das weitere Vorgehen müsse nun besprochen werden, sagte der Northeimer Kreisvorsitzende Maik Schmitz. Man wolle sich um eine Alternative bemühen.

Sehr geehrte Damen und Herren

der Grünen Jugend Göttingen und der Jusos Göttingen!

Nachdem ich persönlich heute durch Ihren Hinweis Kenntnis der von der AfD in unserem Hause geplanten Veranstaltung erlangt habe, hat die Hotel Freizeit In Gmbh sofort der AfD die Vereinbarung zur Raumbereitstellung gekündigt.

Als Tagungshotel- und Gastronomieunternehmen beherbergen und bewirten wir ständig Politiker oder Parteiengruppen wirklich fast aller Richtungen wie Die Linke, die SPD, die Grünen, der FDP und die CDU. Hier ergreifen wir keine Partei- das ist nicht unsere Aufgabe. Wir haben die Meinungsvielfalt zu tolerieren und schätzen sie als hohes Gut. Die Diskussion über die Zulässigkeit von Parteien muss an anderer Stelle von anderen Institutionen geführt werden, wir sind da der falsche Adressat. 

Bestimmt Parteien und deren Ansichten allerdings gefährden den Geschäftsbetrieb, die Sicherheit und das Ansehen unseres Hauses und deren vertretenen Inhalte entsprechen auch nicht unserer weltoffenen Haltung. Üblicherweise bearbeite ich alle Veranstaltungsanfragen aus politischen Parteien persönlich- aber in insgesamt über 50 Räumlichkeiten mit jährlich über 9.000 durchgeführten und mehr als 15.000 angefragten Veranstaltungen kann auch unseren Mitarbeitern einmal etwas " durchrutschen ".

Eine solche Veranstaltungsbuchung bei uns im Haus wie die der AfD hätte erst gar nicht zu Stande kommen dürfen.

Das eigentliche Thema der geplanten Veranstaltung " Inklusion " möchte ich nicht weiter inhaltlich kommentieren. Wir leben Inklusion im Unternehmen, indem wir verschiedene Arbeitsplätze für gehandicapte Menschen geschaffen haben. Unsere Unternehmensgruppe hilft seit Jahren, "kranken Kindern Flügel zu verleihen", so das Motto des Vereins Flügelschlag, den wir unterstützen:

http://www.fluegelschlag-goettingen.de

Für weitere Rückfragen stehe ich gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Olaf Feuerstein

Geschäftsführer

 

Offener Brief der Jusos Göttingen und der GRÜNEN JUGEND Göttingen an die Verantwortlichen des Hotel "Freizeit In" auf Grund einer Veranstaltung der AfD am 12. Mai 2015 in Göttingen.

Die AfD-Kreisverbände Göttingen/Osterode und Northeim veranstalten am 12.5. um 19:30 Uhr ein als "Informations- und Diskussionsveranstaltung" ausgeschriebenes Treffen mit dem Titel "Inklusion: eingelöstes Menschenrecht oder Irrweg der Bildungspolitik". Veranstaltungsort ist das Hotel "Freizeit In" in der Dransfelder Straße 3. Als Referent soll ein Prof. Dr. Heiner Willenberg auftreten, der ein emeritierter Erziehungswissenschaftler ist, anscheinend nie zum Thema Inklusion geforscht bzw. publiziert hat und ein vielgliedriges Schulsystem befürwortet - was das Gegenteil des inklusiven Gedankens ist. Die Antwort des Vortrages zum Thema Inklusion dürfte also "Irrweg der Bildungspolitik" lauten, zumal Willenberg selber auf zahlreichen Unterstützer*innen-Listen der AfD zu finden ist und wohl kaum als "neutraler Wissenschaftler" gelten kann.

Die "Alternative für Deutschland" zeichnet sich durch eine extrem rückwärtsgewandte Gesellschaftspolitik aus. Welche Inhalte die AfD in Bezug auf Inklusion vertritt, hat der ehemalige sächsische AfD-Vize und Landtagskandidat Thomas Hartung bereits nachdrücklich unter Beweis gestellt. So äußerte er sich folgendermaßen auf Facebook: „Ich poste auch gern nochmal mein Credo dazu: Ich stelle fest: ich spreche einem Menschen mit Trisomie 21 die Befähigung ab, in Deutschland den Hochschulberuf eines Lehrers zu ergreifen, und gebe kund, dass ich als Nichtbehinderter von einem solchen nicht unterrichtet werden möchte. Dafür muss ich mich im Deutschland des Jahres 2014 rechtfertigen.“ Öffentlicher Druck führte zu seinem Rücktritt von allen Ämtern in der AfD-Sachsen und einer Distanzierung seines Arbeitgebers, der TU Dresden. Mittlerweile ist er aber wieder im Dresdner AfD-Kreisvorstand, was zeigt, das die AfD sich nicht aus inhaltlichen Gründen von ihm trennte.

Hartung postete außerdem, dass die AfD dafür eintrete, dass "die Inklusion dem Menschen dienen muss, nicht der Mensch der Inklusion". Diese Grundeinstellung führt den Inklusionsgedanken ad absurdum und betont mal wieder die rechtspopulistische Ausrichtung der AfD. Die politische Gesinnung der AfD zeigt sich aktuell auch in ihrem reaktionären Protest gegen die Aufnahme des Themas "Sexuelle Vielfalt" in die Lehrpläne des Landes Niedersachsen. Ebenso wird von AfD-Anhänger*innen kontinuierlich Hetze gegen die Aufnahme von Geflüchteten betrieben!

Göttingen ist eine weltoffene und tolerante Stadt, in der Platz für die verschiedensten Kulturen und Lebensentwürfe ist. Wir haben keinen Bock auf rechte Hetze, lassen uns mit Sicherheit nicht vorschreiben, wen wir wie zu lieben haben und heißen Geflüchtete willkommen. Uns geht es darum, dass sich die AfD nicht ungestört als „normale“ Partei, als wählbare „Alternative“ präsentieren kann, denn diese Partei ist rechtspopulistisch, national-konservativ und marktradikal. Mit ihren Forderungen bedient sie ein homo- und transphobes Wähler*innenklientel und schürt immer wieder Vorurteile gegenüber gesellschaftlichen Minderheiten. Ob gegen Geflüchtete oder andere Minderheiten: Das solche Hetze brandgefährlich ist, zeigen nicht zuletzt die Ereignisse in Tröglitz und anderswo.

Zwar schwamm die AfD bei den letzten Wahlen auf einer Erfolgswelle, die Wahlerfolge dieser Partei zeigen jedoch vor allem auf bedrohliche Weise, wie anschlussfähig derartige Positionen bereits geworden sind. Derzeit erheben sogar führende Funktionär*innen der AfD gegenüber anderen AfD-Mitgliedern den Vorwurf des völkischen Gedankenguts, was wohl als Bestätigung unserer Kritik an der AfD gewertet werden kann.

Die AfD ist keine "normale" Partei, sie ist brandgefährlich. Wer ihr eine Bühne bietet oder Räumlichkeiten vermietet, unterstützt Rechtspopulismus und Rassismus.

Wir fordern die Verantwortlichen des Hotels "Freizeit In" auf, ihre Entscheidung bezüglich der Raumvermietung zu überdenken. Zahlreiche Tagungsorte in vielen anderen Städten geben der AfD aus sehr guten Gründen keine Räumlichkeiten. Warum dann also das "Freizeit In" in Göttingen?

Für den Fall, dass die Veranstaltung stattfindet, rufen die Jusos Göttingen und die GRÜNE JUGEND Göttingen am 12.5. zu einer bereits angemeldeten Kundgebung vor dem Hotel "Freizeit In" auf, um ein klares Zeichen gegen Rechtspopulismus und Rassismus zu setzen. Zeigen wir der AfD, dass sie in Göttingen keine Zukunft hat!

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