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Golf-Anfänger auf der Driving Range: „Immer locker bleiben“

Thema des Tages Golf-Anfänger auf der Driving Range: „Immer locker bleiben“

Der geplante Volksgolfplatz für Jedermann im Süden von Geismar wird weiterhin heftig diskutiert - zuletzt bei einer Podiumsdiskussion im Neuen Rathaus, bei der vor allem Naturschützer ihre Bedenken vorbrachten. Im Tageblatt-Interview äußern sich zwei der Initiatoren zu ihren Zielen und Plänen, zu Investitionen und Naturschutz. Und wie ist das eigentlich als Golf-Anfänger die ersten Bälle zu schlagen? Michael Brakemeier hat es im Golf Ressort Hardenberg getestet.

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„Üben hilft“: So einfach wie es aussieht, ist Golfen nicht. Auf der Anlage des Hardenberg Golf Ressort kann jeder, ohne Club-Mitgliedschaft, spielen.

Quelle: Hinzmann

Levershausen. „Schon einmal gespielt?“, fragt mich Norbert Hoffmann. „Nö. Nur Minigolf“, antworte ich. „Na, dann schlagen sie mal los“, sagt der Geschäftsführer des Hardenberg Golf Ressorts in Levershausen, drückt mir aufmunternd das „Siebener Eisen“ in die Hand und platziert den kleinen weißen Kunststoffball vor meinen Füßen.

 
Meine Aufgabe ist klar: Den Ball möglichst weit vom Abschlagpunkt auf der Driving Range zu schlagen. Alles ganz easy. Zur Orientierung dient mir ein blau-weißer Mast. Rund 65 Meter ist der entfernt. Der erste Ball kullert nur halb getroffen ein paar Meter durch das kurze Gras. Der zweite Schlag haut mit 15 Kilogramm Zugkraft, die der 300 Gramm schwere Schläger entwickelt, ein ordentliches Luftloch. Der etwa vier Zentimeter durchmessende Ball ruht unbeeindruckt neben mir. Meine Logik bei den ersten Schlägen: Viel Kraft hilft viel. Grundverkehrt, wie mir Golflehrer Carsten Lebbe von der Golfschule Stefan Quirmbach erklärt. „Immer locker bleiben“, rät er mir. Schläger in beide Hände, fest umfassen. So aufstellen, dass der Körper parallel zur Schlagrichtung steht. Dann den Oberkörper auf zwei Uhr drehen und Schläger heben, Körpergewicht auf das rechte Bein verlagern. Dann den Schläger nach unten schwingen lassen, mit dem rechten Bein die Drehbewegung einleiten und am tiefsten Punkt den Ball treffen. Den Oberkörper in die Neun-Uhr-Stellung bringen. Gewicht auf das linke Bein verlagern, Knie zusammen, rechten Fuß anheben. Fertig. „Und am Ende das Posen nicht vergessen“, sagt Lebbe. Denn nur wer am Ende richtig posen kann, hat beim Abschlag alles richtig gemacht.

 

Bei acht Schlägen gelingt einer

 
Klappt schon viel besser. Gefährlich wird, wenn ich zu sehr über die Bewegungsabläufe nachdenke. Dann klappt am Ende nicht mal mehr das Posen.

 
Die Quote bei Anfängern liegt bei eins zu acht: Auf acht Schläge kommt einer, der gelingt. Da halte ich gut mit. Zum Glück. Lebbe und Hoffmann machen mir Mut. Das erste Erfolgsgefühl setzt ein, als zwei meiner Bälle hintereinander das angepeilte Ziel erreichen. Doch der Dämpfer folgt sofort. Das nächste Luftloch. „Üben hilft“, weiß Lebbe. Seine Tipps sind goldwert und lassen den Frustlevel nicht allzu hoch steigen. Hoffmann meint, dass es nun Zeit für mich ist, auf den Platz gelassen zu werden. Das Golf Ressort bietet neben zwei 18-Loch-Golfanlagen auch eine Pay&Play-Anlage, so wie sie in Geismar geplant ist, mit sechs Bahnen an. Hier kann jeder spielen, der bereit ist, zehn Euro für eine Runde oder 18 Euro für den ganzen Tag zu zahlen.

 
Die erste Bahn ist 256 Meter lang. Par 4. Also sollte der Ball idealerweise nach vier Schlägen eingelocht sein. Ich scheitere kläglich. Spaß macht es trotzdem. „Golf macht den Kopf frei“, sagt Hoffmann.

 
„Für ihren Muskelkater morgen übernehme ich übrigens keine Verantwortung“, sagt Lebbe zum Abschied. Schade eigentlich.

Foto: Hinzmann

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Volksgolfplatz Göttingen: Gegen Denkverbote

 

In der Diskussion um einen möglichen Volksgolfplatz beruft sich Alexander Frey, Geschäftsführer der Göttinger Sport- und Freizeit GmbH, stets auf das städtebauliche Leitbild 2020. Dieses sei von der Politik 2007 beschlossen worden.
„Die Etablierung eines öffentlichen Golfplatzes wird unter Berücksichtigung der Belange des Natur- und Artenschutzes weiter verfolgt“, heißt es dort. Sollte man bei weiterer Planung für den Golfplatz zu der Erkenntnis kommen, dass etwa die ökologische Qualität des Geländes leidet, werde es keinen Golfplatz geben, sagte Frey am Mittwoch bei einer von der CDU-FDP-Ratsgruppe veranstalteten Podiumsdiskussion zum Thema.

 
Auch die Göttinger Naturschutzbeauftragte Britta Walbrun zitierte aus dem von Frey genannten Leitbild. Direkt vor dem von Frey angeführten Zitat steht ebenfalls: „Nutzungskonflikte mit ökologisch besonders empfindlichen Bereichen werden vermieden.“ Hier sei ein Golfplatz nicht zielführend, sagte Walbrun unter viel Applaus.

 

GöSF will weitere Flächen ankaufen

 
In dem Leitbild sind Erhaltung, Pflege und Entwicklung „der landschaftlichen und ökologischen Potenziale“ als wichtige Anliegen der Stadtentwicklung ausgewiesen. „Göttingen räumt dem Natur- und Artenschutz Priorität ein“, heißt es weiter. Die Erhaltung der Biotope in Größe, Verteilung und Vernetzung sichere Pflanzen- und Tierarten tragfähige Lebensräume. „Erholungsansprüche und Belange des Natur- und Artenschutzes werden sorgfältig aufeinander abgestimmt.“
Bereits im Sportausschuss am Dienstag hatte Frey das mögliche weitere Verfahren skizziert: Die GöSF werde sich weiter um den Ankauf weiterer benötigter Flächen bemühen, um diese dann den Platzbetreibern zu verpachten. Derzeit haben die Vorplanungen für die Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes begonnen. Ein Entwurf dazu soll zu Beginn 2016 vorliegen und dann in den politischen Gremien beraten und öffentlich ausgelegt werden. Die Politik müsse auch über die Entlassung der geplanten Golfplatzfläche aus dem Landschaftsschutzgebiet entscheiden. Erst dann könnte ein Bebauungsplan für den Golfplatz aufgestellt werden, in dem es um die konkrete Ausgestaltung des Vorhabens Golfplatz geht. Auch hierüber entscheidet die Ratspolitik.

 
Angesichts dieses Planungszeitraumes von mehreren Jahren betonten Thomas Häntsch (CDU), Sylvia Binkenstein (SPD) und Ulrich Holefleisch (Grüne), dass es keine Denkverbote geben dürfe. „Planungen müssen erlaubt sein“, sagte Binkenstein im Sportausschuss. „Es geht derzeit um nichts anderes als den Flächennutzungsplan“, ergänzte Holefleisch.

Begegnung mit „verständlichen Sorgen“
Olaf Grothey und Stefan Engel. EF

Olaf Grothey und Stefan Engel. EF

Quelle:

Die beiden Golfspieler Olaf Grothey, ehemaliger Betriebsrat und Arbeitsdirektor bei Sartorius, und der Steuerberater Stefan Engel gehören zu den Initiatoren und Ideengeber für einen geplanten Volksgolfplatz im Süden von Geismar. Im Tageblatt-Interview sprechen sie über ihre Beweggründe, Naturschutz und Investitionen.

 
Welches Ziel verfolgen Sie mit dem geplanten Volksgolfplatz?
Engel : Golf ist in vielen Ländern Volkssport. Mit dem Ryder Cup 2022 könnte das medial betrachtet drittgrößte Sportereignis nach Deutschland kommen. Leider ist in Deutschland der Blick auf diesen Sport – wie früher beim Tennis – von vielen Vorurteilen geprägt.
Grothey : Golf könnte einen weiteren Beitrag zur Standortattraktivität in Göttingen liefern. Ein Beitrag, um weiter qualifizierte Menschen in der Region zu halten und für die Region zu gewinnen. Ich selber kenne etliche Menschen die Golf spielen, aber kein Eintrittsgeld in einen Club zahlen wollen, weil sie nicht wissen, ob sie letztlich drei oder 30 Jahre in der Region leben und arbeiten werden.

 
Wer gehört außer Ihnen noch zu der Investorengruppe?
Engel : Zunächst: Wir sind keine Investoren, vielmehr sehen wir uns als Interessierte. Wir sind interessierte Laien, die sich im Moment engagieren, planen und Ideen sowie Kontakte einbringen.

 
Welche Summe wollen Sie in den Golfplatz investieren?
Engel : Die Gesamtinvestition wird bei mindestens 2,5 Millionen Euro liegen. Dabei wird keine Investorenlösung angestrebt, sondern ein Genossenschaftsmodell. Derzeit erstellen wir dafür einen Businessplan.

 
Wie werden sich Ihre Investitionen rechnen?
Grothey : Wie gesagt, es sind nicht unsere Investitionen. Aber rechnen kann es sich. Anders wäre es nicht möglich, erfolgreiche Pay&Play-Anlagen zu betreiben, die mit Monatsbeiträgen ab 39 Euro (Jugendliche 25 Euro) agieren. Alles hängt von der Zahl der Spieler ab und letztlich davon, ob es gelingen kann, eine Zusammenarbeit mit allen Akteuren der Region zu erreichen. Es soll eine völlig andere als die klassische Golf-Klientel angesprochen werden.

 
Nach wie vielen Jahren werden Sie Ihre Ausgaben amortisiert haben?
Engel : Die intensiv zu pflegenden Areale halten etwa 40 bis 50 Jahre. Das ist viel Zeit, die für eine Amortisation bleibt. Es soll sich ja nur tragen.

 
Welche Rolle spielt die Göttinger Sport- & Freizeit GmbH (GöSF) bei Ihren Plänen?
Grothey : Die GöSF ist einer der entscheidenden Akteure im Sport in der Region. Denken Sie mal an die Tour d’Energie. Was gab es da für Widerstände. “ Und heute fahren 3300 Personen, und wie viele andere hat das Projekt in Bewegung gebracht? Unzählige. Die GöSF ist der wesentliche Motor der Thematik. Das Projekt Volksgolfplatz steht seit langem im Sportkonzept der Stadt. Unsere Idee ist es, die GöSF bei der Umsetzung zu unterstützen. Nicht mehr.

 
Wie viel potenzielle Golfspieler hoffen Sie, mit ihrem Angebot zu erreichen?
Grothey : Schwer zu sagen. Golf wird olympische Disziplin, das erhöht die Aufmerksamkeit. Das Potenzial schätzen wir bei sicher mehreren tausend Personen. Wie viele es dann langfristig werden, bleibt abzuwarten.

 
Auf welcher Basis fußen diese Annahmen?
Engel : Wir haben eine Reihe von Gesprächen geführt, die Erfahrungswerte anderer Betreiber, zum Teil auch Studien dienen als Grundlage.

 
Ein Kritikpunkt bei den bisherigen Diskussionen war auch der Verkehr. Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie durchschnittlich pro Tag?
Engel : Auch wenn das von den Golfplatzgegner behauptet wird, der Verkehr ist im Vergleich zum derzeitigen Verkehrsaufkommen nicht das Problem. Da der Golfplatz im Stadtbusbereich liegt, ist er für alle sehr gut erreichbar. In Spitzenzeiten werden pro Stunde rund 20 bis 30 Personen zum Trainieren ankommen. Selbst wenn man etwa 15 bis 20 Fahrzeuge zu Grunde legt, ist das verglichen mit dem Verkehr der Landesstraße 569, und den durchschnittliche 12500 Fahrzeugen, die dort täglich die Straße belasten, kein wirkliches Problem.

 
Welche Antwort geben Sie Kritikern aus den Naturschutzverbänden?
Grothey : Leider ist die Diskussion derzeit sehr einseitig davon geprägt, dass sich Golf und Natur angeblich nicht vertragen. Es werden mit falschen Argumenten, wie etwa der Golfplatz sei nicht öffentlich zugänglich, Unterschriften gesammelt. Es gibt viele positive Beispiele für die Verträglichkeit von Golf und Natur, an denen wir uns orientieren wollen. Bei Berlin leben auf einer ehemalig intensiv bewirtschafteten und toten landwirtschaftlichen Fläche, die zum Golfplatz umgebaut wurde inzwischen 300 Tier- und Pflanzenarten, davon 14 Arten der Roten Liste und vom Aussterben bedrohte Pflanzen. Von 70 Vogelarten brüten dort 55 Arten. Davon wieder stehen 15 auf der Roten Liste. Das alles sind Fakten, mit denen wir gerne versuchen würden, den verständlichen Sorgen zu begegnen. Leider gelingt uns das im Moment nur schleppend.

 
Interview: Michael Brakemeier

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