Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Gottesdienst in ehemaliger Güterhalle Göttingen

Al-Taqwa-Moscheegemeinde Gottesdienst in ehemaliger Güterhalle Göttingen

„Diese Moschee wirkt wie ein Magnet“, sagt Mohamed Mansour al-Masri (80), Vorsitzender der Moscheegemeinde Al-Taqwa („die Gottesfurcht“) in der Güterbahnhofstraße 2. Viele der mehr als 100 Menschen, die zum Freitagsgebet erschienen sind, habe er noch nie gesehen.

Voriger Artikel
Göttinger Polizist mit Messer am Kopf schwer verletzt
Nächster Artikel
Göttinger Entsorgungsbetriebe startbereit für Winterdienst

Treffpunkt zum Gebet: Mitglieder der Al-Taqwa-Moscheegemeinde in ihren Räumen an der Güterbahnhofstraße.

Quelle: EF

Göttingen. Mansour, ein gebürtiger Palästinenser, lebt seit 1967 in Göttingen. Lange Jahre betrieb der studierte Volkswirt an der Güterbahnhofstraße einen Kopierladen.

1994 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Moscheevereins Al-Iman („der Glaube“), von dem sich vier Jahre später unter Mansours Führung der Verein Al-Taqwa abspaltete.

Seit 2012 nutzt die Gemeinde eine ehemalige Warenumschlagshalle des Güterbahnhofs als Gebetsraum. Für 94 000 Euro hat der Verein die Immobilie, zu der auch ein zweistöckiger Anbau gehört, von der städtischen Wirtschaftsförderung GWG gekauft.

Geld durch Spenden

„Das Geld kam durch Spenden zusammen“, sagt Mansour. Der Vorsitzende lobt die Nähe zum Zentralen Hörsaalgebäude der Universität sowie zur Innenstadt und zum Bahnhof. Es gebe keine direkten Anwohner, die sich gestört fühlen könnten.

Die Umbaumaßnahmen, die bisher 100 000 Euro verschlangen, sind noch lange nicht abgeschlossen. Der 300 Quadratmeter große Gebetsraum ist aber bereits vorzeigbar. Die Mitglieder ersetzten die Stahltore durch Glastüren. Die Decke wurde abgehängt. Kronleuchter sorgen nun für Licht. Der Teppichboden, der die schräg durch den Raum laufenden Gebetsreihen Richtung Mekka anzeigt, ist von einem Kaufmann aus Saudi-Arabien gestiftet worden.

Die Minbar-Treppe, von der aus der Vorbeter seine Freitagspredigt hält, bekam die Gemeinde vom marokkanischen König geschenkt. Ein Student aus dem nordafrikanischen Land leitete einen Bittbrief Mansours an den Monarchen weiter. Das Königreich lieferte das Minbar bis zur deutschen Grenze. Gemeindemitglieder holten es aus Süddeutschland ab.

Neue Heizung muss her

Derzeit steht eine größere Investition an. Das Gebäude benötigt eine neue Heizung. Eingeholte Angebote liegen zwischen 60 000 und 294 000 Euro. „Das können wir derzeit nicht aufbringen“, sagt Mansour. So müssen sich die Gläubigen in den kommenden Monaten mit Heizstrahlern begnügen. Warm ist der große Raum so jedoch nicht zu bekommen.

Keine Kosten verursacht der Gemeinde der Vorbeter. Seit vier Jahren stellt das ägyptische Religionsministerium den Göttingern einen Imam. Seit Frühjahr 2013 hat Badri Abdil Hamid, ein Absolvent der Al-Azhar-Universität in Kairo, das Amt inne.

Mansour betont trotz dieser Beziehung die Unabhängigkeit der Gemeinde. Daran ändere auch die Mitgliedschaft im Dachverband der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland nichts. Die 1958 gegründete Organisation soll den Muslimbrüdern nahe stehen.

Von Michael Caspar

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Tanzende Schneeflocken im "Kauf Park"