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Grabungsstelle am Alten Rathaus in Göttingen wird abgedeckt

Dokumentation abgeschlossen Grabungsstelle am Alten Rathaus in Göttingen wird abgedeckt

Auch wenn gestern Morgen zu dem kurzfristig von Bettina Wegner angesetzten Flashmob nur ein knappes Dutzend Teilnehmer zum Markt gekommen sind: Die Rettung und die sichtbare Erhaltung der freigelegten Brunnenreste aus dem 16. Jahrhundert und des ersten Gänseliesel-Brunnens von 1901 beschäftigt die Göttinger weiterhin. In Leserbriefen auf Facebook oder vor Ort.

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Quelle: EF

Göttingen. Flashmob-Teilnehmer Sebastian Kruck etwa meint, dass dieser „Dreh- und Angelpunkt der Vergangenheit, an dem Göttingen gewachsen ist, unbedingt“ sichtbar erhalten werden muss. „Wieso ignoriert die Stadt den Bürgerwillen“, fragt ein anderer. Und Helga Albrecht findet es „unmöglich“, dass die Brunnenreste wieder zugeschüttet werden. Sie plädiert für kleine Sichtfenster im Boden, durch die Mauern sichtbar blieben.

Heike Lorey, Leiterin der Kindertagesstätte am Nordcampus war gestern mit einer Kita-Gruppe an der Ausgrabungsstelle. „Die Kinder haben danach gefragt“, sagt sie. Die Ausgrabung sei in der Gruppe durchaus Thema gewesen. „Die Kinder finden so etwas spannend“, sagt sie.

Inzwischen hat sich auch die Politik gerührt. Nachdem die Linken bereits am Mittwoch an die Verwaltung appelliert hatten, die Pflasterarbeiten zu stoppen, um über mehr Zeit für die Beratung über das weitere Vorgehen zu haben, spricht sich nun der SPD-Ortsverein Göttingen Mitte/Nord dafür aus, dass die durch Bauarbeiten vor dem Alten Rathaus gefundene Brunnenanlage erhalten bleibt und sichtbar gemacht wird.

„Für viele Göttinger und Besucher dieser Stadt wäre eine Sichtbarmachung dieses Marktbrunnens im Herzen der Stadt eine Möglichkeit, historische Relikte hautnah und vor allem barrierefrei mitzuerleben“, sagte Stefan Niebuhr, Vorsitzender der Göttinger Innenstadt-SPD. Dem stehe nicht entgegen, dass der Marktplatz als Veranstaltungsraum weiterhin zur Verfügung stehen sollte.

Beispielsweise, so schlägt Niebuhr vor, könnten „mehrere kleinere Glasplatten mit einer speziellen Beleuchtung dafür sorgen, dass die historische Altstadt an einer ihrer zentralen Plätze in neuem Glanz erscheint und so für viele Menschen zu einem beliebten Aufenthaltsort wird“. Die Verwaltung solle prüfen, ob eine Sichtbarmachung in Gegenrechnung zu den geplanten Kosten der Pflasterung möglich sei und ob andere Finanzierungsmittel verfügbar wären.

Die SPD-Ratsfraktion erwartet von der Verwaltung, dass die Stadtarchäologie in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Kultur- und Wissenschaft in der kommenden Woche „Rede und Antwort“ steht. „Archäologisches Kulturgut ist für Städte identitätsstiftend und kann einen Beitrag zu ihrer zukünftigen Entwicklung leisten.

Schon in der Vergangenheit konnten herausragende archäologische Befunde in ihrer Gesamtheit leider nicht erhalten bleiben“, sagt Fraktionsmitglied Swantje Friebe. In der Sitzung sollten die aktuellen Funde vorgestellt und einer archäologischen und historischen Bewertung unterzogen werden. Fragen etwa zur historischen Bedeutung und zu den Kosten für die Erhaltung der Brunnenreste mit einer Glasplatte sollten ebenso beantwortet werden wie die Frage, ob alternativ „die Brunnenreste auch auf dem Pflaster sichtbar“ gemacht werden können.

Inzwischen ist nach Auskunft der Stadt die Dokumentation der Brunnenfundamente abgeschlossen: Der Großteil ist nicht älter als 110 Jahre. Die Ausgrabungen würden nun mit Erdreich und Flüssigboden abgedeckt, um die Pflasterungsarbeiten vor dem Alten Rathaus fortzusetzen.

Stadtarchäologin Betty Arndt hält es „aus archäologischer Sicht“ nicht für erforderlich, die Fundamente, die immer unter der Erde gelegen hätten und nie auf Sicht gebaut waren, zu zeigen. „Der Brunnen, den diese getragen haben steht in voller Schönheit noch da, nur an etwas anderer Stelle.“ Die Option, die Reste des alten Sandsteinbassins  von 1568 „später teilweise dauerhaft“ zu präsentieren, bleibt nach Mitteilung der Stadt erhalten.

Der Kulturausschuss tagt am Donnerstag, 24. Oktober, ab 16.15 Uhr gemeinsam mit dem Bauausschuss in Raum 118 des Neuen Rathauses, Hiroshimaplatz 1-4.

Die Bildmontage der Grabungsabschnitte zum Download:►

Grabungsstelle 320,04 kB
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Charme statt Einheitsbrei
Immer noch Publikumsmagnet: Ausgrabungen auf dem Göttinger Marktplatz.

Die Junge Union (JU) Göttingen hat die Stadt kritisiert, weil diese die Zuschüttung der freigelegten Brunnenreste – zum Teil aus dem 16. Jahrhundert – auf dem Marktplatz fortgesetzt hat.

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