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„Therapie besser für die Gesellschaft“

Grapscher erhält strenge Auflagen „Therapie besser für die Gesellschaft“

Der 27 Jahre alte Göttinger, der nachts junge Frauen auf dem Heimweg verfolgt und angegrapscht hat, ist zu einer Bewährungsstrafe von knapp zwei Jahren verurteilt worden. Obwohl er untherapiert weiter als Gefahr für die Allgemeinheit gilt, sieht das Landgericht in strengen Auflagen das bessere Mittel als Freiheitsentzug.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Am Mittwochmorgen hatte noch der psychiatrische Sachverständige den Angeklagten als Gefahr für die Allgemeinheit bezeichnet, weil sich ohne Therapie gleichartige Taten gegenüber jungen Frauen wiederholen könnten. Unter Alkoholeinfluss - und er habe einen Hang zu Alkohol - werde es sicher zu neuerlichen Taten kommen, zumal insbesondere das Verhältnis des Angeklagten zu Frauen problematisch sei und ebenfalls therapiert werden müsse.

Der Staatsanwalt hatte dementsprechend auf eine Freiheitsstrafe plädiert, die nicht zur Bewährung auszusetzen ist: zwei Jahre und neun Monate. Aus Sicht der Ermittlungsbehörde komme selbst bei geringerer Strafe eine Bewährung nicht infrage, weil es an einer positiven Sozialprognose fehle. Der 27-Jährige sei zwar geständig gewesen, habe sich glaubhaft bei seinen Opfern entschuldigt und wolle auch eine Therapie machen. Seine stabile Lebenssituation mit Arbeit, Freundin und gemeinsamem Kind habe aber schon zur Tatzeit bestanden. Das habe ihn nicht abgehalten, im Winter 2015 in Weende-Nord drei Frauen nachts anzugehen, zwei von ihnen sexuell zu nötigen, eine sexuell zu beleidigen und schließlich ein 17-jähriges Mädchen nach der Schule anzusprechen, ob sie für 50 Euro mit ihm schlafe. Letzteres ein sexueller Missbrauch und auch Beleidigung.

Das Gericht aber urteilte anders: Sexuelle Nötigung, je einmal vollendet und einmal versucht, sowie zweimal sexuelle Beleidigung seien erfüllt. Nicht aber ein Missbrauch, weil nicht nachweisbar sei, dass der Angeklagte erkannt habe, wie jung das vierte Opfer noch war. Die Kammer verhängte ein Jahr und elf Monate Freiheitsentzug sowie Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Beides wurde aber zur Bewährung ausgesetzt. Der in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte kommt also sofort frei. Er muss aber binnen zwei Wochen eine Therapie beginnen. Diese sei in Freiheit, also ambulant, zielgerichteter möglich als in einer Entziehungsanstalt, wo zwar die Alkoholsucht, nicht aber die Frauen-Problematik behandelt werde. Es sei eine „Therapie besser für die Gesellschaft“, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Günther, als nur das Alkoholproblem zu behandeln. Er sei therapiebereit und bereue die Taten. Das Gericht verhängte überdies eine durch Urintest nachzuweisende absolute Alkoholabstinenz. Den vier Opfern, drei von ihnen im Gerichtssaal, erklärte der Richter diese Überlegungen und sprach allen Opfern je 200 Euro Schmerzensgeld zu. Das könne „nur ein Symbol sein, aber wir wollen, dass er an seine Opfer denken muss“.

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Er ist einschlägig vorbestraft: versuchte Vergewaltigung. Das hat einen 27 Jahre alten Göttinger nicht davon abgehalten, nachts junge Frauen nach Hause zu verfolgen, sie sexuell zu beleidigen und anzugrapschen. Wegen vier Taten steht er jetzt vor dem Landgericht. Er hat gestanden.

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