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Grenzfest mit Fürbitten im Fackelschein

Weißenborn und Siemerode Grenzfest mit Fürbitten im Fackelschein

Vor 20 Jahren ist der Zaun, der Jahrzehnte ganz Deutschland teilte, auch zwischen Weißenborn und Siemerode gefallen. Dass haben die Bewohner beider Dörfer am Mittwoch mit einem Grenzfest gefeiert.

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Im Fackelschein: Grenzfest zwischen Weißenborn und Siemerode.

Quelle: Vetter

Es ist stockfinster, der Wind weht eiskalt. Nur ein paar Fackeln erleuchten den schlichten Stein neben der schmalen Landstraße. Ein Stein und ein Ort, mit dem zwei Dörfer und ihre Bewohner so viel verbinden. Etwa 100 von ihnen stehen nun in der Kälte. Sie singen, beten und erinnern sich ganz genau an den Tag, den sie heute würdigen und feiern wollen. Vor 20 Jahren, am 20. Januar 1990, haben die Bürger aus Weißenborn in Niedersachsen und ihre thüringischen Nachbarn aus Siemerode den Zaun der ehemaligen innerdeutschen Grenze genau an dieser Stelle aufgerissen und demontiert. Und man spürt, dass dieser Ort sie immer noch so bewegt wie damals. Damals, als hier der Zaun verschwand, „ohne dass ein Schuss fiel, erinnert Weißenborns Bürgermeister Friedrich Ehbrecht (Wählergemeinschaft) an den 20. Januar 1990. Damals, als schon einige Wochen zuvor „viele mutige Menschen“ aus Siemerode nach dem Kirchgang schweigend, ohne offene Absprache und unter Lebensgefahr 60 Kerzen an der Grenze aufgestellt hatten, ergänzte Peter Nolte (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Hohes Kreuz mit Siemerode als Verwaltungssitz.

Mit diesen Geschichten und Erinnerungen werde der scheinbar leblose Stein neben der Straße zu einem wahren Gedenkstein, sagte Siemerodes Pfarrer Josef Beykirch, bevor er gemeinsam mit Weißenborns Pastor Thorsten Bothe Fürbitten sprach. Besonders getragen wird die Wiedervereinigung der beiden Nachbardörfer von den „Zaunspechten“. In dieser Runde sind vor allem die vereint, die den Zaun in der Wendezeit von beiden Seiten demontierten und wie ein Specht durchlöcherten. Seit 1992 organisieren sie jährlich Wiedervereinigungsfeiern, Wanderungen und andere Veranstaltungen. Nach der Gedenkfeier am Mittwoch zog die Gemeinschaft ins Sporthaus Weißenborn und feierte auch dort unter Regie der „Zaunspechte“ ihre Wiedervereinigung vor 20 Jahren.

Von Ulrich Schubert

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