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Griechen aus der Region Göttingen zum Wahlsieg der Linken in Athen

Enttäuscht bis hoffnungsvoll Griechen aus der Region Göttingen zum Wahlsieg der Linken in Athen

Griechenland hat am Wochenende gewählt. Künftig wird das Linksbündnis Syriza unter der Führung von Alexis Tsipras das krisengeplagte Land am Mittelmeer regieren. Dieser Linksruck wird europaweit diskutiert. Wie beurteilen die Griechen im Raum Göttingen das Wahlergebnis?

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Alexis Tsipras feiert den Sieg seiner Partei.

Quelle: dpa

Göttingen/Duderstadt. Gastwirt Elefterios Nikoloudis vom Göttinger Hagenberg ist „ein bisschen enttäuscht“, auch wenn er selber „nur noch wenig Kontakt“ zu seinem Heimatland hat. Er habe zwar Verständnis dafür, dass viele Griechen in wirtschaftlicher Not resignieren und nach jedem Strohhalm greifen. Die Anhänger und Wähler von Alexis Tsipras würden aber offenbar nicht erkennen, dass das Linksbündnis Syriza Versprechen gemacht habe, „die nicht einzuhalten sind“. Das Land könne es zum Beispiel finanziell nicht tragen, wenn jetzt der Beamtenapparat wieder aufgebläht werden sollte. Nikolouidis fürchtet auch, dass der Tourismus unter dem Linksruck in Griechenland leiden werde – „das ist das Gefährlichste“.

Ioannes Spiroudis, Trainer der B-Junioren von Sparta Göttingen, weiß nicht recht, was er von dem Wahlergebnis halten soll. „Ob es besser wird, werden wir erst später sehen.“ Er glaubt nicht, dass Alexis Tsipras den versprochenen Schuldenerlass bei der Europäischen Union durchsetzen kann. Er hofft, dass der Euro auch in Griechenland bleibt. Seiner Meinung nach müsse man die reichen Bürger in Griechenland viel härter besteuern. Es könne nicht sein, dass ein Großteil der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebe. Geld sei schließlich genug da.

Nur am Rande habe sie die Wahlen mitbekommen, sagt Zigsa Goutza die Inhaberin des Restaurants Thassos in Duderstadt. Sie und ihr Mann hätten zwar nicht gewählt, doch „es ist ja schön, wenn Tsipras das macht, was er da so vor hat“. Nur ein Austritt aus der EU, sagt Goutza, der wäre nicht schön. Für die Restaurantbesitzerin ist Alexis Tsipras mit seinem Programm „eigentlich“ auf dem richtigen Kurs. Der Duderstädter Gastronom Nikolaos Ginatis verfolgt die Ereignisse in seiner griechischen Heimat seit Wochen im Fernsehen.

Zu dem deutlichen Wahlsieg des Alexis Tsipras sagt er: „Dieser Mann ist für viele Griechen die letzte Hoffnung. Nach jahrelangen Enttäuschungen der beiden großen Parteien Pazok und Nea Demokratia, und dann nach der Wirtschaftskrise, ist das Vertrauen in die Politik und in die Banken auf dem Nullpunkt gelandet.“ Ginatis meint, viele Griechen hätten nichts mehr zu verlieren und klammern sich nun an Tsipras. Die Lage der griechischen Bevölkerung sei schon so katastrophal, dass Familienmitglieder in Deutschland ihre Angehörigen unterstützen würden. „Jeder versucht zu helfen, auch die Kirchen. Es muss wieder aufwärts gehen“, hofft Ginatis auch auf das Verständnis der übrigen europäischen Länder.

Von Claudia Nachtwey, Ulrich Schubert, Sebastian Wels und Björn Steneberg

Das griechische Linksbündnis Syriza drückt nach dem Wahlsieg aufs Tempo. Während die letzten Stimmen noch ausgezählt werden, vereinbart die Partei eine Koalition mit den Rechtspopulisten. ©dpa

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