Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Griechenland will ein Stück Göttingen

Athener Regierung fordert Reliefs der Universitätsaula zurück Griechenland will ein Stück Göttingen

Die Nachricht traf die Universitätsleitung und die niedersächsische Landesregierung wie ein Schlag: Die neue griechische Regierung, die seit einigen Wochen dem Verbleib von Raubkunst nachgeht, fordert jetzt auch ein Stück von Göttingen: die Reliefs im Giebeldreieck der Universitätsaula am Wilhelmsplatz.

Voriger Artikel
Radlerin in Göttingen angefahren
Nächster Artikel
Zirkus Charles Knie in Göttingen

Das Relief an der Universitätsaula soll nun an Griechenland zurückgegeben werden.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Bisher bekannt ist, dass Griechenland seit Anfang 2015 seine jahrzehntelangen Anstrengungen intensiviert hat, die sogenannten Elgin Marbles von Großbritannien zurückzufordern. Lord Elgin hatte es 1801 mit einem Trick geschafft, kostbare Reliefs der Athener Akropolis herauszubrechen und nach England zu schaffen. Sie sind seitdem im British Museum in London ausgestellt.

Jetzt trifft es offenbar auch Deutschland. Nachdem bereits im vergangenen Jahr ohne großes öffentliches Aufsehen die Reliefs im Giebeldreieck der Semperoper an Griechenland zurückgegeben wurden, sind die Raubkunstfahnder jetzt zudem in Göttingen fündig geworden, erklärt ein Vertreter des niedersächsischen Kultusministeriums, der seinen Namen nicht in der Zeitung gedruckt sehen will. Ende vergangener Woche habe die griechische Regierung ihre Forderung nach Rückgabe des Reliefs im sogenannten Tympanon der Uni-Aula schließlich offiziell angemeldet, nachdem ihre Experten die antike griechische Herkunft der figürlichen Darstellungen glaubhaft nachgewiesen hätten.

Unklar bleibt allerdings, inwieweit die sogenannte Restitution von Raubkunst Griechenland bei der Bewältigung seiner immensen Finanzprobleme helfen kann. Denkbar ist die Beleihung der äußerst wertvollen Artefakte, oder es handelt sich einfach um die Absicht, den Tourismus zu fördern. Ein Verkauf hingegen gilt als unwahrscheinlich, weil die griechische Regierung nicht zuerst auf ihr kulturelles Erbe pochen, dieses dann aber auf dem freien Kunstmarkt verhökern könne, ohne im eigenen Land massiv an Glaubwürdigkeit zu verlieren, heißt es im niedersächsischen Kultusministerium. Tageblatt-Anfragen an das griechische Finanz- und ans Justizministerium zu den Forderungen aus Athen blieben bis Dienstagabend unbeantwortet. Auch die Göttinger Uni-Leitung möchte sich derzeit nicht zu dem Fall äußern.     ea

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Schauspieler-Casting im Göttinger „Kauf Park“