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Groner Kirmesstreit-Opfer fordert 350 000 Euro Schmerzensgeld

Tragik ohne Ausweg Groner Kirmesstreit-Opfer fordert 350 000 Euro Schmerzensgeld

Die Groner Kirmes im September 2010 war für viele ein fröhliches Fest. Für Christian Linden war sie eine Katastrophe: Seit vier Jahren ist der heute 29-Jährige aus dem Mosel-Ort Wintrich ein Pflegefall ohne jede Aussicht auf Besserung. Was zu seinem heutigen Zustand führte, wird seit Mittwoch vor Gericht verhandelt.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. In der Nacht zum 5. September waren drei Kirmes-Gäste aus Rheinland-Pfalz nach einem feucht-fröhlichen Abend mit zwei Heranwachsenden an der Ecke Greittor/Zollstock aneinander geraten. Auslöser: ein Streit um ein Taxi. Ungeklärt ist, ob Linden durch einen Faustschlag oder wegen seiner 2,18 Promille nach hinten fiel.

Sein Hinterkopf schlug auf einen Bordstein: Schädelbruch, Hirnblutung. Trotz Notoperation muss Linden seitdem wie ein Kleinkind versorgt, geduscht und gepflegt werden. Ein halbes Dutzend Operationen hat er hinter sich, die nächste ist schon terminiert. Zwar zahlt die Krankenkasse die Behandlung, Pflege und Therapie aber nicht, weil die Schuldfrage ungeklärt ist.

C. Linden

C. Linden

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Brutal zusammengeschlagen

Lindens Familie ist überzeugt, Christian sei brutal zusammengeschlagen worden, seine Kontrahenten berufen sich darauf, es sei ein Unglücksfall oder Notwehr gewesen, weil Christian Linden Angreifer gewesen sei.

Am Mittwoch ging es um die zivilrechtliche Seite des tragischen Streits. 350 000 Euro Schmerzensgeld fordert Linden von den mutmaßlichen Verursachern seines Leids, dazu Verdienstausfall und Schadensersatz in beträchtlicher Höhe.

Ein Problem unter vielen: Diejenigen, die Linden für seinen heutigen Zustands verantwortlich macht, haben kaum Geld. Der mutmaßliche Haupttäter ist Auszubildender, hat ein paar hundert Euro im Monat. Unmöglich, eine sechsstellige Summe aufzubringen, auch in Zukunft, sagt sein Verteidiger.

„Grottenschlechte Ermittlungen“

Versuche des Richters, einen Vergleich über Schmerzensgeld und Schadensersatz anzuregen, weist Lindens Anwalt zurück. Angesichts des kaum zu ertragenden Leids würden das Opfer und seine Familie die paar tausend Euro, die möglich wären, als Hohn empfinden. Ein Ausweg ist nicht in Sicht.

Allerdings: Kommende Woche steht das nächste Verfahren an. Das Amtsgericht befasst sich mit der strafrechtlichen Seite des tragischen Vorfalls. Auch um dieses Verfahren hat die Familie Linden kämpfen müssen.

Erst der Münchener Opferanwalt Maximilian Pauls, der von „grottenschlechten Ermittlungen“ in der Sache Linden spricht, zwang die Göttinger Justiz, die lange Zeit von Notwehr ausging, dazu. Im Zivilverfahren um Schmerzensgeld wollen die Beteiligten jetzt abwarten, was sich im Strafverfahren ergibt.

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