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Groner Tor: Pläne werfen Fragen auf

Sparkassen-Zentrale mit fünf Büros für drei Vorstände – inklusive Duschen Groner Tor: Pläne werfen Fragen auf

Die Sparkasse Göttingen will 2018 am Groner Tor ihre neue Zentrale beziehen. Nach Unterlagen, die dem Tageblatt vorliegen, befindet sich die Vorstandsetage künftig im fünften Obergeschoss. Zwei Details fallen dabei auf: Für das derzeitige Vorstandstrio sind fünf Vorstandsbüros geplant. Und: Jedes Büro ist mit einer sogenannten „Nasszelle“, einem kleinen Badezimmer, ausgestattet.

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Noch Großbaustelle: Am Groner Tor soll 2018 die neue Sparkassen-Zentrale eröffnet werden.

Quelle: Pförtner

Göttingen.  „Wir sind eins“, diesen Slogan hatte Sparkassenchef Rainer Hald in seiner Rede beim Sparkassen-Empfang am Dienstag vor den anwesenden 1100 Gästen immer wieder angeführt.

Ein Blick auf die geplante Vorstandsetage der neuen Sparkassen-Verwaltung am Groner Tor lässt allerdings anderes vermuten: „Wir sind bald fünf.“

In einer dem Tageblatt vorliegenden Ergänzung zum Brandschutzkonzept sind im obersten Stockwerk fünf Vorstandsbüros – zwischen 41 und 46 Quadratmeter groß – eingezeichnet. Jedes ist mit einer rund fünf Quadratmeter großen Nasszelle ausgestattet, vorgesehen ist darin jeweils eine Dusche.

Das größte der fünf Büros liegt in der süd-östlichen Ecke des Neubaus. Zum Vorstandsbereich gehören außerdem zwei Vorstandssekretariate, ein Foyer und ein knapp 100 Quadratmeter großer Sitzungsraum.

„Es gibt noch keine abschließende Raumplanung“, kommentiert Sparkassenvorstand Rainer Hald die eingereichten Pläne. Der „exakte Flächenbedarf“ liege erst in etwa zwei bis drei Monaten vor. „Wo der Vorstand einmal sitzen wird, wissen wir noch nicht“, sagt Hald. „Der obere Bereich wird mitnichten so aussehen.“ Ob die Bäder künftig eine Dusche haben werden, sei ebenfalls offen. Es werde aber die Möglichkeit dazu geben, so Hald.

Mit der Planung des Neubaus ist die Göttinger EBR Entwicklungsgesellschaft gemeinsam mit der DAL Bautec beauftragt. Diese hätten den Auftrag, „ein zukunftsfähiges Gebäude zu planen, welches auch sich ändernde Rahmenbedingungen der nächsten Jahre und Jahrzehnte berücksichtigt“, heißt es in einer schriftlichen Antwort von Michael Rappe, Leiter der Direktion Vorstandsreferat und Kommunikation, auf eine Tageblatt-Anfrage.

Die Details der Raumbedarfsplanung hierzu würden von den Fachbereichen der Sparkasse bearbeitet, stünden aber noch nicht fest. Eine Erörterung oder Entscheidung dieser Konzepte habe es daher im Sparkassen-Vorstand noch nicht gegeben. Erst mit Abschluss der Raumplanung für alle Bereiche des Neubaus könne die endgültige Entscheidung zum zukünftigen Standort des Vorstandes erfolgen. 

Mit der EBR hat die Sparkasse, nachdem sich der Verwaltungsrat im September 2014 für den Neubau ausgesprochen hatte, einen Festpreis vereinbart. Das Investitionsvolumen der Sparkasse beträgt insgesamt 50 Millionen Euro. „Für den Bauantrag wurden der EBR durch die DAL – so wie es üblich ist – möglichst hohe Anforderungen an Klima, Lüftung und Sanitär gestellt, um bei künftigen Planungsänderungen möglichst keine Nachträge erforderlich zu machen“, heißt es aus der Sparkassen-Vorstandsetage. Bedeutet übersetzt: In das Gebäude ist „alles reingestopft worden, was geht“, sagt Hald.

Die DAL Bautec ließ eine Tageblatt-Anfrage, ob Bäder und Nasszellen inzwischen zur Standardeinrichtung von Sparkassenzentralen gehören, unbeantwortet. Michael Schier, Sprecher des Sparkassenverbandes Niedersachsen, gibt an, dass über die Ausstattung von Sparkassengebäuden „jede Sparkasse in eigener Verantwortung“ entscheidet.

Informationen, wie die Sparkassengebäude im Lande ausgestattet sind, habe  der Landesverband daher nicht. Hald schloss aus, dass die möglichen fünf Vorstandsbüros, die in den Plänen auftauchen, etwas mit einer möglichen Fusion der Göttinger Sparkasse mit weiteren südniedersächsischen Sparkassen zu tun haben. „Es gibt keine Pläne“, sagte Hald. Überlegungen zu Fusionen seien ausschließlich Aufgabe der Träger von Sparkassen.

In Göttingen ist das der Sparkassenzweckverband, an dem Stadt und Landkreis zu gleichen Teilen beteiligt sind. „Für die Träger stellen deshalb Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler und Landrat Bernhard Reuter klar, dass es keine Planungen für eine Fusion gibt“, heißt es in der schriftlichen Antwort der Sparkasse auf die Tageblatt-Anfrage.

Andere Signale gibt es dazu aktuell aber aus den Reihen des Verwaltungsrates: Mit der Fusion der Kreise Göttingen und Osterode liege eine Fusion der Sparkassen in den nächsten Jahren nahe. Als weiteres Kreditinstitut könnte die vergleichsweise kleine Sparkasse in Bad Sachsa hinzustoßen.

Vor dem Hintergrund von Fusionsgesprächen zwischen den Sparkassen in Hildesheim, Peine, Goslar, Gifhorn und Wolfsburg sowie den Sparkassen Hameln und Weserbergland werde auch eine Fusion in Südniedersachsen kommen, heißt es aus Kreisen des Verwaltungsrates, dem außer Landrat und Oberbürgermeister Rats- und Kreistagsmitglieder angehören. An den Sitzungen nehmen auch Beschäftigten- und Gewerkschaftsvertreter teil.

„Wir sind eins“, hatte Sparkassenchef Rainer Hald beim Sparkassen-Empfang gesagt.

EBR

Die Göttinger EBR Projektentwicklungs GmbH wurde 2012 gegründet. Die Geschäftsfelder liegen im Bereich der Projektentwicklung, der Beratung und Verwaltung. Gründer und Geschäftsführer ist Borzou Rafie Elizei, zu den Gesellschaftern gehören Franz Markowski, Hermann Metzler, Rainer Nothdurft und Martin Rode. mib

DAL Bautec

Bei der DAL Bautec handelt es sich um ein bundesweit tätiges Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe. Die Kernaufgabe liegt in der Umsetzung von Baumaßnahmen
bei Sparkassen. Sie hat nach eigenen Angaben bundesweit mehr
als 180 Sparkassengebäude realisiert. mib

Kommentar: Zimmer frei

▶ Fünf Zimmer mit fünf Nasszellen für drei Vorstände – das nennt man wohl bauen mit Weitsicht. Und im noch jungen Jahr gibt es für die Kommunalwahl im Herbst völlig überraschend ein Thema mit reichlich Zündstoff: die Sparkassenfusion.

Im neuen Großkreis Göttingen gibt es noch fünf eigenständige Häuser und mit Northeim eine weitere Sparkasse direkt vor der Tür. Wer soll ab wann in den fünf Zimmern sitzen? In Osterode, Duderstadt, Bad Sachsa und Hann. Münden werden die Verantwortlichen abwiegeln und die lokale Flagge hissen.

Verständlich, denn kein Kommunalpolitiker, kein Verwaltungsrat wird ein paar Monate vor der entscheidenden Kommunalwahl am 11. September verkünden, dass angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine Fusion und damit die Aufgabe der Selbstständigkeit die sinnvollste Lösung wäre.

Auf lange Sicht geht kein Weg an weiteren Zusammenschlüssen vorbei. Das klassische Geschäftsmodell der Sparkassen und Banken ist durch die lange Niedrigzinsphase massiv unter Druck, und der nach den Wirrungen der Bankenkrise 2009 von der Politik platzierte Verbraucherschutz fordert personalintensive Beratungen und Verwaltungsaufwände.

Eine große Sparkasseneinheit für Südniedersachsen wird irgendwann kommen. Nein, sie muss sogar kommen.

Die Diskussion zur jetzigen Zeit ist allerdings taktisch das Schlimmste, was passieren konnte. Die Raumpläne für die Vorstandsetage sind nun öffentlich. Die Verantwortlichen für den Neubau am Groner Tor hätten wissen müssen, dass eine solch weitreichende Botschaft mit dem Einreichen der Pläne bei den Behörden nicht unbemerkt bleiben kann.

Dass die Benennung der Zimmer mit fünf Vorstandsräumen durchrutscht, ist ein Anfängerfehler – von der Tatsache, dass auch noch jeder sein eigenes kleines Bad mit Dusche bekommt einmal ganz abgesehen.

Von Uwe Graells

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