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Große Bühne für den SPD-Kanzlerkandidaten

Martin Schulz in Göttingen Große Bühne für den SPD-Kanzlerkandidaten

Die heiße Phase des Wahlkampfs hat begonnen. Seit Anfang der Woche schickt die SPD ihren Kanzlerkandidaten Martin Schulz mit Live-Auftritten quer durchs Land. Die dritte Station seiner bundesweiten Tour war am Mittwochnachmittag der Göttinger Marktplatz.

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Der Wahlkampf führte Martin Schulz am Mittwoch nach Göttingen.
 

Quelle: Hinzmann

Göttingen.  Geschätzte 3000 Menschen stehen bei strahlendem Sonnenschein auf dem Marktplatz. „Kanzlerwetter“ nennt das der Göttinger Bundestagskandidat Thomas Oppermann, als er seinen Parteichef anmoderiert. Der bahnt sich pünktlich um 17 Uhr seinen Weg durch die Menge zur Musik der Red Hot Chili Peppers. Händeschütteln hier, ein Handyfoto da – Schulz demonstriert Bürgernähe. Auf der Bühne angekommen badet er kurz im Applaus der ersten Reihen, dort sitzen als prominente Unterstützung unter anderem Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, Innenminister Boris Pistorius, Gabriele Andretta oder Marcus Seidel.

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Martin Schulz in Göttingen

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Anschließend gibt sich Schulz in seiner Rede betont zuversichtlich. Zuversichtlich, dass er trotz aller negativer Umfrageergebnisse die Wahl doch noch gegen Angela Merkel gewinnen kann. Und zuversichtlich, dass er dieses Land gerechter machen könne, wenn er von den Wählern denn die Chance dazu bekäme. „Deutschland kann mehr, wenn ein Sozialdemokrat Bundeskanzler ist“, sagt Schulz mehrfach.

Wie schon bei seinen Auftritten in Bremen und Trier ist Gerechtigkeit das zentrale Thema des SPD-Spitzenkandidaten. Eine Gerechtigkeit, die es mit der bisherigen Regierungskoalition nicht habe geben können. Der „konservative Block“ um Angela Merkel und Horst Seehofer habe Projekte, wie beispielsweise die Mietpreisbremse, die Gleichstellung von Leiharbeitern und Arbeitnehmern oder auch das Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit, verhindert.

Mehrfach greift Schulz die Kanzlerin direkt an, zitiert sie, lässt ihre Standpunkte als Sinnbilder der Ungerechtigkeit im Raum stehen. Beispielsweise beim Generationenvertrag: „Bei der Rente gibt es keinen Handlungsbedarf, hat sie gesagt. Das ist eine Kampfansage an eine ganze Generation“, so Schulz. Während die Kanzlerin 30 Milliarden Euro für Aufrüstung ausgeben wolle, müsse die Summe seines Erachtens in die Zukunft investiert werden.

„Mich interessieren die Golf-Fahrer mehr als die Golf-Spieler“

In den 40 Minuten schafft es der 61-Jährige, sich durch seinen kompletten Zukunftsplan zu arbeiten. Investition in die Zukunft, Innovation in der Technik, Vielfalt der Gesellschaft, Bildung oder Gleichberechtigung sind Themen, für die er nach und nach auch den Applaus der hinteren Reihen erntet. Schulz weiß in Göttingen zu begeistern. Vor allem seine Forderung nach unbefristeten Verträgen mit Tariflohn, Gleichbewertung von beruflicher und universitärer Bildung oder sein Versprechen einer Bürgerversicherung treffen den Nerv vieler Göttinger.

Dies alles seien Fragen der Gerechtigkeit. „Mich interessieren die Golf-Fahrer mehr als die Golf-Spieler“, sagt der Sozialdemokrat und teilt sogleich kräftig gegen die Wirtschaftsbosse dieses Landes aus. Diese handelten zu wenig zukunftsorientiert. Die Automobilindustrie sei ein gutes Beispiel für diesen verwalteten Stillstand. Ausgeteilt wird an diesem Nachmittag außerdem in Richtung Türkei und USA – Kräfte, die Deutschland und Europa schaden. Und geht es um Europa steigt beim EU-Politiker Schulz der Puls und die Intensität des Vortrags.

Schulz ist auf Wahlkampftour und betont am Ende seiner Rede: „Wir werden kämpfen. Aber nicht als Selbstzweck oder für die Meinungsforscher, sondern für unsere Überzeugungen.“ Mitglieder der Satirepartei „Die Partei“ gehen mit Schulz-Plakaten durch die Reihen mit dem Slogan „Wir geben auf“.

Nach Aufgabe sah der Auftritt der Sozialdemokraten am Mittwoch in Göttingen nicht aus.

Von Markus Scharf

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