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Große Freude über Kleinigkeiten

Praktikum bei der Göttinger Tafel Große Freude über Kleinigkeiten

Soziales Engagement ist an vielen Göttinger Schulen Bestandteil des Unterrichts geworden. Auch am Hainberg-Gymnasium, an dem Schülerinnen das Wahlpflichtfach Diakonie gewählt haben und bei der Göttinger Tafel Lebensmittel austeilen.

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Spaß bei der Arbeit: HG-Schülerinnen Luisa Meyfarth, Viviann Bode und Sarah Klatt (von links).

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Viviann Bode, Luisa Meyfarth und Sarah Klatt sind im neunten Jahrgang. Alle zwei Wochen helfen sie vier Stunden bei der Tafel. Das ist praktischer Bestandteil ihres Unterrichts.  Auch ihre Mitschülerinnen – in diesem Jahr haben nur Mädchen den Kurs gewählt – helfen drei Monate in sozialen Einrichtungen.

Zu Beginn des Schuljahres wurden sie von Lehrerin Ulrike Schatz auf das Praktikum vorbereitet. Ihre Erfahrungen werden die Mädchen in einem Praktikumsbericht festhalten und beschreiben, wie der diakonische Gedanke während des Praktikums gelebt wurde. Bei der Tafel heißt das vor allem, unter den Bedürftigen das zu verteilen, was da ist.
Die Schülerinnen haben erlebt, dass das auch zu Konflikten führen kann, wenn die zu verteilenden Lebensmittel nicht den Erwartungen entsprechen.  Besonders wählerisch seien vor allem deutsche Bedürftige, die würden sich gelegentlich auch beschweren, erzählen sie. Auch Neid spiele manchmal eine Rolle.

Überrascht waren die Mädchen von den vielen Flüchtlingen, die sich in der Tafel versorgen. An einigen Tagen werde bei der Essensausgabe fast nur Arabisch gesprochen, berichten sie. Die Flüchtlinge seien sehr interessiert daran, wie es in den deutschen Schulen zugeht und welche Sprachen die Mädchen dort lernen.

„Wie freundlich die Menschen sein können“, hat Viviann am meisten überrascht. Luisa findet es vor allem faszinierend, wie sehr sich die Bedürftigen über Kleinigkeiten freuen. Das war vor allem in der Weihnachtszeit zu spüren, als die Schülerinnen auch Geschenke austeilten.

Von ihrer Arbeit bei der Tafel hatten sie eine ganz andere Vorstellung. Sie hätten mit viel mehr Obdachlosen gerechnet und seien verwundert darüber gewesen, dass einige Tafelkunden einen Beruf ausüben. „Einige kamen freitags nach der Arbeit, und einmal konnten wir nur noch Kartoffeln ausgeben, weil nichts anderes mehr da war“, erzählt Luisa.  
Diese Erfahrungen seien ein einschneidendes Erlebnis für die Schülerinnen,  erklärt Lehrerin Schatz. Das war auch das Ziel: „Ich wollte das mal von der anderen Seite sehen“, sagt die 15-jährige Luisa.  

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